Orientierung Auf Rundkurs durch die Wüste

Wer die Orientierung verliert, läuft im Kreis. Forscher haben diese Rundwege vermessen und dabei unglaublich kleine Durchmesser entdeckt.

Haben Menschen in der Wüste und im Wald keine Orientierungshilfen, laufen sie tatsächlich im Kreis. Dies wiesen Forscher vom Max-Planck Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen nach (Current Biology, online). Sie stellten die Orientierungsfähigkeit ihrer Probanden in einem Waldgebiet im Rheintal sowie in der Sahara in Tunesien auf die Probe.

Sie statteten sie mit GPS-Geräten aus und gaben ihnen die Anweisung, möglichst geradeaus zu laufen. Die Aufzeichnungen zeigten: Diejenigen Teilnehmer, die Sonne oder Mond als Orientierungshilfe hatten, bewältigten die Aufgabe in der Regel. Doch sobald Bewölkung aufkam, kreuzten viele Versuchsteilnehmer mehrmals ihren eigenen Weg, ohne es zu merken und liefen im Kreis.

Der Effekt verstärkte sich, wenn die Augen der Probanden verbunden waren: Manche verloren dann komplett die Orientierung und beschrieben Kreise von nur 20 Metern Durchmesser. Dabei wichen die Teilnehmer zufällig mal rechts und mal links vom Kurs ab.

Das widerlegt nach Ansicht der Forscher die These, dass Menschen einen Rechts- oder Linksdrall haben, weil bei vielen ein Bein länger oder besser trainiert ist. Die Wissenschaftler glauben vielmehr, dass die Sinnesorgane ständig kleine Fehler machen, die sich mit der Zeit im Gehirn anhäufen. Mit optischen Orientierungshilfen wie Sonne, Mond oder Gebirgen lassen sich diese Fehler offenbar korrigieren.