sueddeutsche.de: Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2009 hat ergeben, dass rund zwei Drittel der Deutschen bereit wären, nach ihrem Tod ein Organ oder Gewebe zu spenden. 95 Prozent wissen, dass es einen Organspendeausweis gibt, aber nur 17 Prozent besitzen wirklich einen. Was denken Sie, ist der Grund dafür?
Anzeige
Liebhardt: Ich vermute, dass die Leute nicht bereit sind oder Angst davor haben, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Vor allem junge Leute sagen: Mich wird das nicht betreffen.
Das habe ich auch in meinem eigenen Bekanntenkreis so erfahren. Aber weil durch mich dieses Thema auf den Tisch kam, haben sich viele doch damit beschäftigt und Organspendeausweise ausgefüllt. Von sich aus hätten sie es, glaube ich, nicht gemacht.
Was ich auch immer wieder höre, ist, dass Leute Angst davor haben, in der Klinik nicht richtig versorgt zu werden, wenn sie einen Organspendeausweis haben, weil die Ärzte angeblich nur auf die Organe aus sind. Da kursieren ein paar Horrorgeschichten, die man immer wieder hört. Das ist natürlich Quatsch. Ich denke, da muss man einfach Aufklärungsarbeit leisten.
Ein weiteres Problem in Deutschland ist, dass viele Kliniken potentielle Organspender, die sie auf ihren Intensivstationen haben, gar nicht an die Deutsche Stiftung Organtransplantation, also die DSO, oder an Eurotransplant melden, weil das ein relativ hoher organisatorischer Aufwand ist. Damit gehen natürlich viele Organe verloren.
sueddeutsche.de: Wie könnte denn das System der Organspende in Deutschland verbessert werden?
Liebhardt: Wir haben ja in Deutschland die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung: Man muss vorher zugestimmt haben, Organspender zu werden. Wenn ich selbst nicht zugestimmt habe, dann können meine Angehörigen das für mich nach dem Tod tun und den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen weitergeben.
In anderen Ländern wie beispielsweise in Spanien oder Österreich gilt die sogenannte Widerspruchslösung. Das heißt, dass jeder automatisch Organspender ist, außer er widerspricht zu Lebzeiten.
So muss sich dort irgendwie jeder mit dem Thema befassen und dadurch haben die Spanier und Österreicher auch deutlich mehr Organspender als wir in Deutschland. Zumindest nehme ich an, dass die höheren Spenderzahlen in diesen Ländern damit zusammenhängen. Es wird immer wieder in der Politik diskutiert, ob es diese Regelung bei uns auch geben soll, aber das ist schwierig durchzusetzen.
Von Seiten der DSO wird auch daran gearbeitet, sogenannte Transplantationsbeauftragte in große Kliniken mit Intensivstationen zu bringen.
Diese Beauftragten kümmern sich um das Organisatorische für den Fall, dass ein Spender auf der Intensivstation verstirbt, sodass die Kliniken nicht mehr davor zurückschrecken, einen Organspender zu melden, nur weil es ein hoher bürokratischer Aufwand ist.
sueddeutsche.de: Demnächst wollen Sie bei den Europameisterschaften im August in Dublin wieder sportlich aktiv sein. Was ist dort Ihr persönliches Ziel?
Liebhardt: Für die Wettkämpfe habe ich mir vorgenommen, auf jeden Fall eine Medaille zu gewinnen. Ich freue mich auf die Wettkämpfe, weil sie international sind und das ist natürlich noch mal anders, als bei den Deutschen Meisterschaften. Im Moment trainiere ich dreimal in der Woche im Leichtathletik-Stadion dafür und bin dreimal im Fitness-Studio zum Kraft-und Ausdauer-Training.
Einen Organspendeausweis können Sie unter folgender Adresse bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anfordern: www.organspende-info.de
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- Organspende RSS
- Tag der Organspende "Den Hirntod sieht man nicht" 04.10.2009
- Organspende "Alarmierender Organmangel" 19.01.2010
- Organspende 12.000 Kranke warten 15.01.2009
- SPD-Fraktionschef nach Nierenspende Steinmeier aus Klinik entlassen 02.09.2010
- Steinmeier: Nierentransplantation durchgeführt 25.08.2010
- Steinmeiers Organspende Der Körper als Geschenk 24.08.2010
- Steinmeiers Organspende Das Geschenk des Lebens 23.08.2010
(sueddeutsche.de/cosa/cmat/mcs)
Gysi gegen Lafontaine