Noch hat das Öl die Küste Louisianas nicht erreicht, doch die Gefahr für die Umwelt wächst mit jeder Stunde. Es gibt bereits die ersten verschmutzten Vögel.
Es ist eine Katastrophe im Zeitlupentempo. Die Gefahr wird keineswegs geringer. Im Gegenteil, sie wächst mit jedem Tag, jeder Stunde: Ungehindert sprudeln knapp zwei Wochen nach dem Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon pro Tag Hunderttausende Liter Öl in 1600 Metern Tiefe in den Golf von Mexiko.
Vogel Nr. 1: Ein Basstölpel. Sein Gefieder wird mit handelsüblichen Reinigungsmitteln für Geschirrspülmaschinen vom Öl befreit. (© Foto: dpa)
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Doch glückliche Umstände halten den gigantischen Ölteppich vor der Küste der US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama vom Land fern - zunächst.
Die Ausdehnung des Ölfilms hat sich seit dem Wochenende sogar deutlich verringert. Strömung und ablandige Winde werden nach Prognosen der Meteorologen zumindest in den kommenden Tagen verhindern, dass die schmierige Masse in größerem Umfang ins ökologisch empfindliche Marschland des Mississippideltas oder an die Strände der Golfküste zwischen New Orleans und Florida treiben wird.
Zudem sind seit Montagnacht Tausende Fischer in der Region damit beschäftigt, Ölsperren im Wasser auszulegen, was hoher Wellengang bislang verhindert hatte.
Aber die gesamte Küste und vor allem das Delta sind weiter akut bedroht. Vogelschutzorganisationen haben zwischen Florida und Louisiana vier Reinigungsstationen für verschmutzte Vögel errichtet - bis jetzt eine reine Vorsorgemaßnahme.
In die Station Fort Jackson, eine umfunktionierte Bootshalle in der Nähe des Weilers Boothville im Mississippidelta, wurde bisher ein einziger Vogel eingeliefert, ein Basstölpel, den Fischer gefunden hatten. Ausläufer des Ölteppichs hatten am Wochenende vorgelagerte Inseln am Rand des Deltas erreicht.
"Wir nennen ihn nur den Vogel Nr. 1", sagt Tierärztin Erica Miller von Tri-State Bird Rescue, einer Vogelschutzorganisation aus dem US-Bundesstaat Delaware, die sich auf die Reinigung von Vögeln nach einer Ölpest spezialisiert hat. (Inzwischen wurde ein zweiter Vogel in die Station gebracht: ein Braunpelikan, der vor der Küste in den Ölteppich geraten sein muss. Die Redaktion)
Sie wurde zusammen mit dem kalifornischen International Bird Rescue Research Center von BP am Montag vergangener Woche an die Golfküste beordert - was dem Ölkonzern zumindest in dieser Hinsicht das Lob der Tierschützer eingetragen hat:
"Sie sind sehr proaktiv gewesen", sagt Miller. Jay Holcomb, Leiter der kalifornischen Hilfsorganisation, fügt hinzu: "Sie wissen, dass sie sich anderes gar nicht erlauben können."
Vogel Nr. 1 wurde der Routine unterzogen, die die Vogelschützer in Jahrzehnten zuvor entwickelt haben. Holcomb ist schon seit 21 Jahren, Miller seit 17 Jahren dabei.
"Eine geradezu surreale Situation"
Der Basstölpel kam in einen Wärmekäfig, erhielt viel Flüssigkeit und Medizin in die verklebten Augen. Erst als der Zustand des Vogels halbwegs stabil war, haben sie ihn gereinigt - mit handelsüblichen Reinigungsmitteln für Geschirrspülmaschinen. Das habe sich im Laufe der Jahre als das effektivste Lösungsmittel für ölverschmierte Vögel erwiesen.
"Im Augenblick ist es eine geradezu surreale Situation", sagt Tierärztin Miller und weist auf die blauen Plastikumhänge und gelben, armlangen Gummihandschuhe, die auf einer Wäscheleine entlang der Wellblechwand der Bootshalle aufgehängt sind - unbenutzt.
"Wir haben eine gigantische Ölpest da draußen, sie ist bloß noch nicht bei uns angekommen. Aber wir bereiten uns auf das Schlimmste vor." Angesichts der Unmengen ausgeflossenen Öls würden die Reinigungsstationen "mit ziemlicher Sicherheit" noch viel Arbeit bekommen.
Allein in Fort Jackson könnten sie pro Tag mehrere hundert Seevögel oder bis zu 200 größere Pelikane reinigen. Pelikane, die Wappentiere von Louisiana, brüten zur Zeit in großer Zahl im Delta.
Vor allem die Sumpf- und Marschgebiete des Deltas bereiten den Umweltschutzverbänden Sorgen. "Es ist kein gesundes Ökosystem", sagt Ben Weber von der angesehenen National Wildlife Federation, "es ist in großer Gefahr."
Erst Anfang April hatte das Vogelschutzgebiet im Delta eine kleinere Ölpest zu verkraften. Aus einer geborstenen Pipeline ergossen sich gut 60.000 Liter Öl ins Delta. Ein Klacks im Vergleich zu der Menge, die täglich im Golf emporsprudelt. Dennoch reichte die Menge aus, um ein Küstengebiet von 400 Quadratkilometern zu verseuchen.
Die Pipeline wird von den Ölunternehmen Chevron und BP gemeinsam betrieben. Der Zwischenfall blieb in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Schon damals aber hatte Anne Rolfes von der Louisiana Bucket Brigade, einer hochaktiven Umweltschutzgruppe in dem US-Bundesstaat, vor weiteren Unfällen gewarnt:
"Louisiana wird von der Ölindustrie verwüstet. Anstatt nur weiterhin auf Profitmaximierung zu zielen, ist es an der Zeit, sich endlich mit den Problemen auseinanderzusetzen." Vor vier Wochen hatten BP und die anderen Ölgiganten nicht wirklich auf die Umweltaktivisten reagiert.
Vogel Nr. 1 in Fort Jackson übrigens hat gute Aussichten, die Ölpest zu überleben. Seit seiner Einlieferung hat der Basstölpel ein halbes Kilo zugelegt. Wenn alles gutgeht, soll der Zugvogel in wenigen Tagen ausgesetzt werden - an der Atlantikküste.
(SZ vom 05.05.2010/cosa)
Mubarak-Prozess in Ägypten
warum hängt man nicht einen grossen Trichter dicht unter den Wasser- bzw. Ölspiegel und saugt das Wasser-Öl-Gemisch in Tanker?
Es treten (angebl.) ca. 700t Öl pro Tag aus.
Zumindest einen Teil könnte man durchaus abschöpfen. Jeder abgesaugte Liter würde die Natur wenigstens ein bischen entlasten und Öltanker haben bis ca. 1/2 Mio. t Fassungsvermögen.
Technisch sollte das recht einfach zu verwirklichen sein.
Warum wird das nicht gemacht?
Weis jemand, wie ich diese Frage Jemandem, der verantwortlich ist, stellen bzw. diese Idee mitteilen kann?
Liebe SZ. Wieso berichtet Ihr nicht über die Mitteilungen, daß ungefähr das Zehnfache an Öl ins mehr fliessen soll??
"Es ist alles viel schlimmer! 800000 Liter täglich fliessen täglich aus dem Leck der «Deepwater Horizon», hiess es bisher beim Konzern BP. Schon das gaben die Verantwortlichen erst Tage nach dem Untergang der Bohrinsel im Golf von Mexiko zu.
Jetzt soll ein BP-Manager laut «New York Times» an einem Treffen hinter verschlossenen Türen mit US-Kongressangehörigen zugegeben haben, dass die Quelle wohl mehr als zehn Mal mehr Öl ausspucken könnte. 60000 Barrels, das sind 10,5 Millionen Liter, sollen tatsächlich jeden Tag ins Meereswasser sprudeln"
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