Auf den Bildern des Fotografen Jiang He, der seinen wahren Namen aus Angst vor Repressalien nicht gedruckt sehen will, sind Männer mit ölverschmierten Oberkörpern zu sehen, die mit Eimern, Schalen oder gar mit bloßen Händen das Öl aus dem Meer holen. "Selbst mit Essstäbchen fischen sie Bastmatten aus dem Meer, die sich mit Öl vollgesaugt haben", sagt Yang.

A worker scoops oil from the oil spill site near Dalian port Bild vergrößern

Mit völlig unzureichenden Mitteln versuchen Arbeiter und Fischer, das Öl an der Küste bei Dalian abzuschöpfen. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind 60.000 bis 90.000 Tonnen ins Gelbe Meer geflossen. (© Reuters)

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Die Regierung habe zwar auch "266 Ölauffangschiffe" im Einsatz, berichtet zumindest die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Doch die meiste Arbeit wird von den Fischern verrichtet. Für diese selbst für chinesische Verhältnisse technologiefreie Form der Katastrophenabwehr haben Experten nur Spott übrig. "Leben wir wirklich im Jahr 2010?", fragt etwa Zhao Zhangyuan, ein pensionierter Forscher der chinesischen Akademie für Umweltwissenschaften. "Wenn sie uns jede Ölpest mit den bloßen Händen aus dem Meer holen lassen, dann ist das eine äußerst originelle und rückständige Methode."

Die Umweltschützer von Greenpeace sahen einen Fischer, der von den giftigen Dämpfen des Öls ohnmächtig wurde und umfiel. Vereinzelte Medien kritisieren den riesigen staatlichen Ölkonzern CNPC, weil er den Fischern weder Handschuhe noch Schutzanzüge oder Atemmasken zur Verfügung gestellt hat. "Die Gesundheit dieser Menschen wird leiden. Hautreizungen, chronische Krankheiten und Krebs sind so gut wie unvermeidbar", sagt Zhao Zhangyuan.

Doch die Menschen haben kaum eine andere Wahl, denn sie müssen schon bald wieder vom Fischfang leben. Einige haben freilich auch einen finanziellen Anreiz entdeckt: Ein voller 120-Kilo-Tank mit aus dem Meer geborgenem Öl wird derzeit auf dem Schwarzmarkt von Dalian für 300 Yuan (etwa 34 Euro) verkauft.

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(SZ vom 02.08.2010/mcs)