Ökonomie des Überfalls Niedriglohn für Bankräuber

Eine Bank zu überfallen, ist nicht nur aus ethischen oder strafrechtlichen Gründen eine schlechte Idee. Solche Verbrechen sind auch deutlich weniger lukrativ, als die meisten kriminalistischen Laien vermuten: Die Einkommenslage gewöhnlicher Bankräuber ist erstaunlich prekär, berichten britische Ökonomen.

Von Christian Weber

Wenn die Preise fürs Kantinenessen mal wieder gestiegen sind, die Gehaltserhöhung ausbleibt und das im Gehirn angesammelte nutzlose Wissen nicht ausreicht, um in einem TV-Quiz zu bestehen, stellt sich die Frage, wie man sein Konto sanieren kann, ohne ein Leben lang mit Waffen oder Finanztiteln handeln zu müssen.

Nicht wenige Menschen erwägen dann, mehrheitlich im Spaß, einen Banküberfall: Was für eine schöne Idee, denken sie, einmal im Leben einen aussagekräftigen Zettel über den Tresen schieben, Millionen Euro einpacken - und ab auf die Bahamas.

Doch tatsächlich ist das nicht nur aus ethischen oder strafrechtlichen Gründen eine blöde Idee. Ein Bankraub ist auch deutlich weniger lukrativ, als die meisten kriminalistischen Laien vermuten.

Das belegen drei knochentrockene Spaßverderber der Universitäten Sussex und Surrey im Fachmagazin Significance (Bd.9, S.17, 2012), dem Organ der statistischen Gesellschaften Großbritanniens und der USA.

Die Ökonomen Barry Reilly, Neil Rickman und Robert Witt bekamen Zugriff auf bislang vertrauliche Daten der British Bankers' Association und erhielten so erstmals Einblick in die erschreckend prekäre Einkommenslage gewöhnlicher Bankräuber: Demnach bringt ein durchschnittlicher Überfall im Vereinigten Königreich gerade mal 20.331 britische Pfund (25.091 Euro) ein, in einem Drittel der Fälle fällt die Beute ganz aus.

Weil oft mehrere Täter am Werk sind verbleiben pro Kopf nur 12.706 Pfund (15.681 Euro) - weniger als ein halbes durchschnittliches Jahreseinkommen in England. Noch schlechter sieht es in den USA aus, wo der durchschnittliche Überfall maue 4330 Dollar (3445 Euro) Einnahmen generiert, Betriebskosten (Pistolen, Strumpfmasken, Fluchtautos) nicht abgezogen.

Mit Erstaunen vermerken die Studienautoren, dass es der Branche insgesamt an Professionalität zu mangeln scheint. Ihre statistische Analyse von 106 britischen und 12.000 amerikanischen Überfällen zeugt von einer gewissen Beliebigkeit bei der Auswahl der Ziele: Die Täter achteten weder auf den Abstand zur nächsten Polizeistation, die Größe (und damit das Kapital) des anvisierten Geldhauses noch auf die installierten Sicherheitsmaßnahmen. "Die Wahl scheint zufällig zu sein", schreiben die Autoren.

Dabei liefert die Ökonometrie Hinweise, wie die Erträge im Bankräubergewerbe verbessert werden könnten. So scheint die arbeitsteilige Organisation eines Banküberfalls mit mehreren Gangmitgliedern den Umfang der Beute deutlich zu steigern, allerdings bei sinkenden Pro-Kopf-Einnahmen.

Der Kauf von Feuerwaffen lohnt sich finanziell gesehen; ihre Präsentation am Schalter steigert die Einnahmen pro Überfall und Räuber um 10.300 Pfund (12.711 Euro).

Dennoch: Wer als Bankräuber zu den Besserverdienern aufstoßen will, muss seiner Tätigkeit relativ häufig nachgehen, was wiederum zu berufstypischen Problemen führt - nach durchschnittlich vier Überfällen verschwindet man hinter Gittern. "Es ist beachtenswert, dass die Kriminellen selbst das offenbar gelernt haben. Banküberfall gilt nicht mehr das Verbrechen der ersten Wahl", schreiben die Autoren.