Ökologische Landwirtschaft Ist Bio besser?

Vom Dioxin-Skandal waren Bio-Lebensmitteln nicht betroffen. Aber sind die Produkte wirklich besser? Das kommt darauf an, worum es geht - den gesundheitlichen Mehrwert oder den Nutzen für die Umwelt und die Tiere.

Von Sebastian Herrmann

Bio-Lebensmittel sind Wohlfühlprodukte. Die Kunden kaufen ökologisch erzeugte Möhren, Tomaten oder Äpfel in dem Bewusstsein, ausgezeichnete Produkte in den Einkaufskorb zu legen.

Was in den Regalen der Bio-Supermärkten liegt, wird mit positiven Attributen versehen: Die Lebensmittel seien besonders gesund, von besonderer Qualität und besonders schonend für Tier und Umwelt produziert. Doch kann Bio halten, was sich die Kunden davon versprechen?

Die kurze Antwort lautet: ja, aber.

Die meisten Kunden - laut einer Marktanalyse der Wirtschaftsberater Ernst & Young sind es 81,9 Prozent - greifen zu Bio-Produkten, weil sie diese für gesünder halten. Doch die Datenlage dazu ist umstritten. Bei den Inhaltsstoffen finden Forscher zwar immer wieder Hinweise darauf, dass es Unterschiede gibt, etwa bei Antioxidantien. Doch die Ergebnisse widersprechen sich.

Kürzlich fand eine Studie von Pia Knudsen von der Technischen Universität Dänemark in Søborg keine Differenzen im Gehalt verschiedener, vermeintlich gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe bei konventionellen und ökologischen Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Studie der Bundesforschungsanstalten.

Der Agrarwissenschaftler Carlo Leifert von der Universität Newcastle berichtete hingegen, dass der Anteil an Antioxidantien und einiger Fettsäuren in Bio-Milch höher liege. Ähnliches gelte für biologisch erzeugtes Getreide und Gemüse.

Auch Urs Niggli, Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) sagt, dass in Studien Unterschiede bei den sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen festgestellt wurden. Er sagt aber auch: "Das liegt an vielen Faktoren, und die Produktionsweise ist nur einer davon." In sonnigen Jahren zeige sich etwa eher ein Unterschied als nach einer verregneten Saison.

Bei Rückständen von Pestiziden punkten frische Bio-Waren hingegen regelmäßig. Die Rückstände, die Tester bei Monitorings finden, sind bei Bio-Lebensmitteln in der Regel geringer.

Bei verarbeiteten Bio-Produkten entdecken Tester dafür häufiger Bakterien und Pilze, weil bei der Herstellung zum Beispiel auf Konservierungsstoffe verzichtet wird. Bleibt dem Kunden also eine Wahl zwischen zwei Übeln? Nein, in der Regel sind Lebensmittel beider Herstellungsarten von guter Qualität.

"Und ein gesundheitlicher Mehrwert von Bio-Lebensmitteln lässt sich wissenschaftlich wohl nicht beweisen", sagt Niggli.

Für den Direktor des FiBL ist dies ohnehin eine nebensächliche Frage. "Die Stärken von Bio-Lebensmitteln liegen in anderen Bereichen." Der Ökolandbau bewirtschaftet seine Flächen schonender, als das in der konventionellen Landwirtschaft meist der Fall ist. Kritiker monieren zwar, dass auch Bio-Bauern Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen dürfen, doch auf Öko-Flächen ist mehr Leben zu Hause. "Das ist wissenschaftlich weitgehend unumstritten", sagt Niggli.

Auf den Öko-Versuchsflächen seines Instituts krabbeln mehr Insekten, Würmer und andere Tiere als auf den Vergleichsfeldern. Der Bio-Landbau belastet auch Gewässer in geringerem Maße, erhält die Fruchtbarkeit der Äcker, verbraucht weniger Energie sowie Wasser und hat eine bessere Klimabilanz.

Das EU-Bio-Siegel, der Mindeststandard der Branche, schreibt außerdem eine artgerechte Haltung von Nutztieren vor. Tatsächlich stellte die Stiftung Warentest den untersuchten Betrieben im Jahr 2007 eine vorbildliche Bilanz aus.

Trotzdem überfordert auch der Bio-Landbau manche Nutztiere, wie Forscher der Universität Kassel berichteten. Denn auch auf dem Öko-Hof muss eine Kuh viel Milch geben und ein Huhn viele Eier legen. Trotzdem geht es den Nutztieren auf den meisten Bio-Betrieben besser als auf vielen konventionellen Höfen.