Vom Dioxin-Skandal waren Bio-Lebensmitteln nicht betroffen. Aber sind die Produkte wirklich besser? Das kommt darauf an, worum es geht - den gesundheitlichen Mehrwert oder den Nutzen für die Umwelt und die Tiere.
Bio-Lebensmittel sind Wohlfühlprodukte. Die Kunden kaufen ökologisch erzeugte Möhren, Tomaten oder Äpfel in dem Bewusstsein, ausgezeichnete Produkte in den Einkaufskorb zu legen.
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Wer gesund leben will, kann sich nicht auf Bio-Lebensmittel verlassen. Aber wer die Umwelt schonen möchte und Massentierhaltung nicht mag, sollte wohl eher Bio-Produkte kaufen. (© dpa)
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Was in den Regalen der Bio-Supermärkten liegt, wird mit positiven Attributen versehen: Die Lebensmittel seien besonders gesund, von besonderer Qualität und besonders schonend für Tier und Umwelt produziert. Doch kann Bio halten, was sich die Kunden davon versprechen?
Die kurze Antwort lautet: ja, aber.
Die meisten Kunden - laut einer Marktanalyse der Wirtschaftsberater Ernst & Young sind es 81,9 Prozent - greifen zu Bio-Produkten, weil sie diese für gesünder halten. Doch die Datenlage dazu ist umstritten. Bei den Inhaltsstoffen finden Forscher zwar immer wieder Hinweise darauf, dass es Unterschiede gibt, etwa bei Antioxidantien. Doch die Ergebnisse widersprechen sich.
Kürzlich fand eine Studie von Pia Knudsen von der Technischen Universität Dänemark in Søborg keine Differenzen im Gehalt verschiedener, vermeintlich gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe bei konventionellen und ökologischen Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Studie der Bundesforschungsanstalten.
Der Agrarwissenschaftler Carlo Leifert von der Universität Newcastle berichtete hingegen, dass der Anteil an Antioxidantien und einiger Fettsäuren in Bio-Milch höher liege. Ähnliches gelte für biologisch erzeugtes Getreide und Gemüse.
Auch Urs Niggli, Direktor des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) sagt, dass in Studien Unterschiede bei den sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen festgestellt wurden. Er sagt aber auch: "Das liegt an vielen Faktoren, und die Produktionsweise ist nur einer davon." In sonnigen Jahren zeige sich etwa eher ein Unterschied als nach einer verregneten Saison.
Bei Rückständen von Pestiziden punkten frische Bio-Waren hingegen regelmäßig. Die Rückstände, die Tester bei Monitorings finden, sind bei Bio-Lebensmitteln in der Regel geringer.
Bei verarbeiteten Bio-Produkten entdecken Tester dafür häufiger Bakterien und Pilze, weil bei der Herstellung zum Beispiel auf Konservierungsstoffe verzichtet wird. Bleibt dem Kunden also eine Wahl zwischen zwei Übeln? Nein, in der Regel sind Lebensmittel beider Herstellungsarten von guter Qualität.
"Und ein gesundheitlicher Mehrwert von Bio-Lebensmitteln lässt sich wissenschaftlich wohl nicht beweisen", sagt Niggli.
Für den Direktor des FiBL ist dies ohnehin eine nebensächliche Frage. "Die Stärken von Bio-Lebensmitteln liegen in anderen Bereichen." Der Ökolandbau bewirtschaftet seine Flächen schonender, als das in der konventionellen Landwirtschaft meist der Fall ist. Kritiker monieren zwar, dass auch Bio-Bauern Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen dürfen, doch auf Öko-Flächen ist mehr Leben zu Hause. "Das ist wissenschaftlich weitgehend unumstritten", sagt Niggli.
Auf den Öko-Versuchsflächen seines Instituts krabbeln mehr Insekten, Würmer und andere Tiere als auf den Vergleichsfeldern. Der Bio-Landbau belastet auch Gewässer in geringerem Maße, erhält die Fruchtbarkeit der Äcker, verbraucht weniger Energie sowie Wasser und hat eine bessere Klimabilanz.
Das EU-Bio-Siegel, der Mindeststandard der Branche, schreibt außerdem eine artgerechte Haltung von Nutztieren vor. Tatsächlich stellte die Stiftung Warentest den untersuchten Betrieben im Jahr 2007 eine vorbildliche Bilanz aus.
Trotzdem überfordert auch der Bio-Landbau manche Nutztiere, wie Forscher der Universität Kassel berichteten. Denn auch auf dem Öko-Hof muss eine Kuh viel Milch geben und ein Huhn viele Eier legen. Trotzdem geht es den Nutztieren auf den meisten Bio-Betrieben besser als auf vielen konventionellen Höfen.
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(SZ vom 20.01.2011/mcs)
Großprojekte in Berlin
Schon der erste Satz des Artikels sagt nur die halbe Wahrheit. Vom letzten großen Dioxinskandal im Mai 2010 waren nur Bioeier betroffen. Das sagt eigentlich alles.
Gegen rein kriminelle Machenschaften wird man sich nicht gänzlich absichern können. Weder die konventionelle noch die biologische Landwirtschaft.
ja leider steck ich da nicht direkt drin und bekomme nur meine Informationen über die Medien.
Aber vielleicht könnte man dieses Problem ja beheben, indem man die Subventionen für Großbetriebe stark deckelt, und gezielt die ökologische Landwirtschaft fördert. Volkswirtschaftlich würde das außerdem am meisten Sinn machen.
Ich denke, das hängt sehr stark von der Größe des Hofes ab.
Und ob man es sich leisten kann, die Investitionen zu tätigen.
Aber für den Nebenwerwerbsbauer mit Familie ist das Risiko in der Regel zu hoch - oder er scheut es zumindest.
Das ganze rentiert sich erst ab einer gewissen Größe...
es würde mich durchaus interessieren, warum ein bäuerlicher Familienbetrieb, der schon sehr nah an Bio ist, nicht auf Bio umstellen kann oder will. Leider wohn ich nicht in Bayern und kenne auch keine Bauern persönlich.
Ist es das Problem der Rentabilität und der Subventionen? Das System habe ich bis heute nicht in seiner Gänze verstanden. Man hört von Betrieben, die aufgeben müssen, aber auch von Milchbauern (in Bayern), für die die Umstellung zwar aufwendig war, sich tatsächlich aber rechnete.
"eigentlich bin ich ja ganz Ihrer Meinung, aber solch ein Betrieb ist für mich schon Bio im weiteren Sinne. Bio muß für mich nicht heißen, nur bei Vollmond auszusähen."
Für sie schon. Für den Verbraucher aber nicht. Und für die rechtliche Grundlage auch nicht.
Ein herkömmlicher bäuerlicher Familienbetrieb darf seine Erzeugnisse nicht als Bio verkaufen.
(Natürlich bedient er sich bei Pflanzendüngern und Pflanzenschutzmitteln bei der Industrie... Auch wenn er noch so viel düngt...)
Wenn Sie in Bayern wohnen, fahren sie mal ins Umland der großen Städte, z.B. Münchens und fragen sie die kleinen Bauernhöfe (die s noch gibt), warum sie nicht Bio sind und was sie davon halten.
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