Ökologische Landwirtschaft Bio ist besser

Die Stiftung Warentest sagt, Bioprodukte seien nicht gesünder als konventionelle Lebensmittel. Aber diesen Anspruch muss die ökologische Landwirtschaft gar nicht erfüllen.

Ein Kommentar von Markus C. Schulte von Drach

Als umweltbewusster Verbraucher reibt man sich derzeit verdutzt die Augen. Bio-Lebensmittel, so berichten die Medien, seien nicht besser als konventionell hergestellte Nahrung.

Von der "Bio-Lüge" ist die Rede, und dass die Produkte nicht halten, was sie versprechen. Anlass der aktuellen Meldungen ist eine Studie der Stiftung Warentest. Das Ergebnis: Bioprodukte sind nicht gesünder als konventionelle Lebensmittel, sie schmecken nicht besser und überhaupt gibt es im Schnitt keine qualitativen Unterschiede.

85 Tests aus den vergangenen acht Jahren haben die Fachleute der Stiftung zusammengefasst - es handelt sich demnach um eine Art Meta-Analyse, die in der Welt der Wissenschaftler als besonders aussagekräftig gilt. Untersucht hatten die Experten vor allem Schadstoffe, Geschmack, die Belastung mit Keimen und die Nachhaltigkeit bei der Herstellung.

Wenn man genau hinschaut, dann sind bestimmte Gruppen von Biolebensmitteln eben doch besser. Obst, Gemüse und Vollmilch schnitten fast immer mit "Gut" ab, während weniger als die Hälfte der entsprechenden Lebensmittel aus der konventionellen Produktion diese Note erhielt. Auch die Pestizidbelastung war in Bio-Produkten niedriger als bei der konventionellen Konkurrenz, die allerdings die zulässigen Höchstgrenzen ebenfalls nicht überschritten. Und auch beim Geschmack, dem Geruch und der Keimbelastung sind Ökoprodukte sogar besser als in der Vergangenheit.

Tatsächlich war und ist es ein Anliegen der ökologisch wirtschaftenden Bauern, die Belastung mit Schadstoffen wie Pestiziden und den Einsatz von Antibiotika und Hormonen in der Tierhaltung zu vermeiden. Genau dies ist gelungen. Bio-Paprika und Bio-Schnitzel waren in der Vergangenheit sicher weniger gesundheitsschädlich als die manchmal pestizid- und hormonverseuchten konventionellen Produkte. Inzwischen treten gesundheitsschädliche Konzentrationen solcher Stoffe auch in Produkten aus Massentierhaltung und Monokultur nur noch selten auf - weil die zuständigen Behörden Höchstgrenzen festgelegt haben.

Die Augen reibt sich der umweltbewusste Verbraucher aber nicht, weil Bio in einigen Punkten entgegen dem vermittelten Eindruck manchmal doch besser ist.

Vielmehr wundert man sich, wieso die Tester so großen Wert darauf legen, zu betonen, dass die Bio-Produkte nicht gesünder sind als die Konkurrenz, und warum die Medien sich beeilen, diese Botschaft zu verbreiten.

Gut für Tiere und Umwelt, nicht für die Gesundheit

Die ökologische Landwirtschaft kann natürlich nicht den Anspruch haben, mit ihren Produkten direkt die Gesundheit zu fördern oder besonders schmackhafte Waren herzustellen. Vielmehr liegen ihre eigentlichen Ziele anders.

Erstes Ziel: Die Massentierhaltung durch eine artgerechte Haltung zu ersetzen und keine Antibiotika, Hormone und nicht artgerechte Futtermittel einzusetzen, um so Tiere und Natur zu schonen.

Zweitens sollen der Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger beim Ackerbau die Umwelt schützen.

Drittens helfen kurze Vertriebswege, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren, was den Klimawandel bremsen soll. Viertens wird weitgehend auf synthetische Zusatzstoffe verzichtet, so dass ein Produkt nicht deshalb gut schmeckt oder lange hält, weil ein künstliches Aroma oder ein Stabilisator hinzugefügt wurde .

Alle diese Maßnahmen dienen dem Schutz der Umwelt, der Tiere und kommen indirekt auch dem Menschen zugute. Und das bestätigt auch die aktuelle Studie der Stiftung Warentest. Biohersteller nehmen ihre ökologische Verantwortung demnach deutlich ernster als konventionelle Betriebe. "Obwohl viele Bioprodukte aus den Tests zwischen 30 und 50 Prozent teurer waren als herkömmliche, unterstützt man mit ihrem Kauf eine ökologische, nachhaltige Landwirtschaft und die artgerechte Tierhaltung", stellen die Warentest-Experten fest. Darüber hinaus sind die Biohersteller auch sozial stärker engagiert.

Die meisten Bio-Kunden allerdings sind keine umweltbewussten Verbraucher. Sie kaufen die Produkte nicht aus Respekt vor Tieren oder aus Sorge um die Umwelt. Sie denken an ihre Gesundheit und ihre Geschmacksnerven. Manche sind sogar davon überzeugt, eine irgendwie ganzheitliche Behandlung von Pflanzen und Tieren in Abhängigkeit der Mondphasen oder dem Kristallcharakter des Düngers finde im Einklang mit dem Kosmos statt und müsse deshalb besonders gesund sein. Wo immer es sich anbietet, betonen die Bio-Hersteller deshalb die Eigenschaften ihrer Produkte, die diesen Vorstellungen der Kunden am meisten entsprechen.

Wenn es eine "Bio-Lüge" gibt, dann sind es also diese Verbraucher, die in erster Linie an sich selbst denken und die sich in die Tasche lügen - unterstützt von jenen Unternehmen, die ihre Illusionen - leider - anfeuern.

Aber gemessen an den Ansprüchen, mit denen die ökologische Landwirtschaft eigentlich angetreten ist, bleibt es dabei: Bio war und ist besser. Besser für die Umwelt, die Tiere und letztlich auch für den Menschen.