Auch Pflanzen verteidigen sich mit einem Immunsystem gegen Krankheitserreger und Schädlinge. Und das ist der menschlichen Körperabwehr überraschend ähnlich.
In jedem Garten, jedem Acker, jedem Grünstreifen entlang der Autobahn herrscht Krieg. Pilze, Würmer, Bakterien und Viren kämpfen dort gegen Blumen, Gräser, Getreide, Büsche und Bäume. Für die Pflanze steht viel auf dem Spiel: ihr Wachstum, ihre Fortpflanzungsfähigkeit, ihr Leben. Fliehen kann sie nicht, also muss sie sich an Ort und Stelle verteidigen. Zu erkennen, mit welchen Tricks Pflanzen wie Angreifer dabei arbeiten, ist ein noch junges, aber derzeit sehr bewegtes Forschungsfeld, wie zahlreiche Veröffentlichungen in den vergangenen Wochen gezeigt haben.
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Sie können ja nicht weglaufen. Um sich dennoch zu verteidigen, haben Pflanzen - hier Tagetes - Abwehrmechanismen entwickelt, die sie vor feindlichen Insekten, Erregern und anderen Bedrohungen schützen. Für den Gegner ist es hilfreich, die richtige Tageszeit für den Angriff zu wählen, denn nachmittags und abends leisten Pflanzen weniger Widerstand. (© ddp)
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Die überraschendste Aussage in diesen Arbeiten ist dabei nicht einmal, dass Pflanzen eine Reihe biochemischer Abwehrmechanismen besitzen - ein Immunsystem. Viel erstaunlicher noch: Die Abwehr der Pflanzen ist der des Menschen sehr ähnlich, manchmal sogar in Details wie dem Aufbau einzelner Moleküle. "Bis vor etwa 15 Jahren wussten wir lediglich, dass Pflanzen ungeheuer reich an Giftstoffen sind, die sie gegen mikrobielle Erreger freisetzen", sagt der Biochemiker Paul Schulze-Lefert vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Zu diesen Giften gehört zum Beispiel die Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff des Aspirin.
Inzwischen entwerfen Forscher ein deutlich differenzierteres Bild vom ständigen Wettstreit zwischen Krankheitserregern und Pflanzen. Ausgedrückt in der martialischen Sprache der Immunologie, geht es um Wettrüsten, Notfallpläne, die Verhältnismäßigkeit der Mittel - und um die Schwierigkeit, statt den Feind nicht aus Versehen das eigene Lager anzugreifen.
All dies muss auch im menschlichen Körper funktionieren. Seit sich Pflanzen- und Tierreich vor etwa einer Milliarde Jahren getrennt haben, stehen die Immunsysteme aller Organismen, egal ob von Mensch, Maus, Motte oder Mohnblume, vor zwei grundsätzlichen Aufgaben. Sie müssen unterscheiden können, welche Moleküle zum eigenen Organismus gehören und welche zu einem potentiell schädlichen Eindringling, der vernichtet gehört. Zum Zweiten muss das Immunsystem die Kontrolle über sich selbst behalten, es muss im Notfall schnell, in Zeiten ohne Bedrohung hingegen überhaupt nicht reagieren.
Gerät diese Selbstregulierung außer Kontrolle, leidet der Mensch unter Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes oder Rheuma. Bei Pflanzen fehlen zwar derart geläufige Krankheitsnamen, doch Autoimmun-Störungen können auch die Ackerschmalwand dahinraffen. Das schon im gesunden Zustand unscheinbare Gewächs bleibt dann extrem zwergwüchsig und armselig. Das Gleiche gilt für Pflanzen mit zu schwachem Immunsystem.
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