Ökologie Nebel-Trinker

Greg Goldsmith untersucht im Labor, wie Pflanzen Wasser aus einer künstlichen Nebelwolke aufnehmen.

(Foto: Drew Fulton)

Wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthält, dann sollte man sie nutzen - nach diesem Prinzip leben einige Bäume im Nebelwald in Costa Rica. Doch für sie stellt der Klimawandel eine ganz spezielle Bedrohung dar.

Von Sebastian Herrmann

In Nebelwäldern wachsen Trinker. Das mag überzogen sein, fasst aber das Ergebnis einer Studie von Ökologen um Greg Goldsmith von der University of California in Berkeley ansatzweise zusammen (Ecology Letters, online).

Die Forscher untersuchten den Monteverde Nebelwald in Costa Rica. Neun Monate im Jahr regnet es dort beinahe ständig - bis schließlich die Trockenzeit anbricht. In diesen drei Monaten umhüllt meist Nebel die Baumkronen.

Und wie Goldsmith und seine Kollegen berichten, nehmen die Bäume erstaunlich viel Feuchtigkeit aus den Wolken über ihre Blätter auf.

Die Wissenschaftler verglichen Exemplare der zwölf am weitesten verbreiteten Baumarten im nebligen Bereich des Waldes mit zwölf anderen Baumarten aus jener Region des Waldes, in der die Luft meist klar ist. In verschiedenen Versuchen im Labor bestimmten sie dann, wie viel Wasser die Blätter des jeweiligen Baumes aus der Luft aufnehmen konnten.

Im Prinzip waren alle untersuchten Spezies dazu in der Lage, Feuchtigkeit aus der Luft zu absorbieren. Aber die durstigen Trinker-Bäume wuchsen in dem Teil des Waldes, der stets in eine dichte Suppe gehüllt war. Sie zogen bis zu 20 Prozent mehr Wasser aus den Wolken als andere Bäume.

Für Nebelwälder stelle der Klimawandel also eine ganz spezielle Bedrohung dar, so Goldsmith. Steige nämlich die Temperatur in der Trockenzeit, bildeten sich auch weniger Wolken über den Baumkronen.