Von Dirk Graalmann und Christopher Schrader

Dank Peter Grünbergs Forschungen passt die Welt auf eine Scheibe - dass er dafür den Physik-Nobelpreis bekommt, überrascht ihn wenig.

Im Zimmer 203 steht noch ein halbvolles Glas Sekt, daneben ein Teller mit fünf verschrumpelten Erbsen und einer Alufolie. Es war das Mittagessen aus der Kantine: Bratwurst mit Pommes und Gemüse. Ein kleiner Raum, fast gemütlich. Hinter der Tür stehen Hausschuhe.

Peter Grünberg, dpa

Inmitten der Mikrofone wirkt er fast wie in einem Käfig: Peter Grünberg im Presserummel (© Foto: dpa)

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Hier, in seinem Büro im Institut für Festkörpertechnik des Forschungszentrums Jülich bei Aachen, hatte Professor Peter Grünberg am Dienstag um 11 Uhr morgens Platz genommen. Und gewartet.

Um kurz nach 12 Uhr klingelte das Telefon, das Nobelpreiskomitee überbrachte die Nachricht: Dem 68-jährige emeritierten Professor war für die Entdeckung des Giganto-Magneto-Widerstands (GMR) der Nobelpreis für Physik zuerkannt worden.

"Er war schon ein bisschen aufgeregt", erzählt Ronald Lehndorff. Der 28-Jährige Doktorand, der des öfteren mit Grünberg zusammengearbeitet hatte, sitzt vier Zimmer weiter. Er gehörte zu den ersten Gratulanten. Lehndorff schwärmt vom "uneitlen Professor, der zeigt, dass man als Wissenschaftler immer auf dem Boden bleiben kann". Und genau das beweist Grünberg auch, als er sich am Nachmittag der Öffentlichkeit präsentiert.

Inmitten der Mikrofone und Kameras wirkt er erst ein wenig verloren, wie in einem Käfig, in den man ihn gezwängt hat. Der grauhaarige Mann im graublauen Sakko ("Ich hab extra das gute angezogen") und ohne Krawatte spricht leise, von der Freude, der Genugtuung, die ihn erfülle. Das Wort Stolz nimmt er nicht in den Mund. Er will am liebsten forschen. Der Rummel ist ihm nicht geheuer.

Glückwunschtelegramme aus der Politik

Die Fernsehjournalisten rangeln um die besten Bilder, die ersten Interviews, zwei Teams des Westdeutschen Rundfunks streiten sich darüber, wer zuerst dran ist. Dazwischen steht Grünberg, etwas gedankenverloren, fast stoisch und registriert das bizarre Treiben. Er weiß, dass ihn hier Leute umlagern, die sein Werk nicht mal in Ansätzen verstehen. Zwischendurch lesen ihm hilfsbereite Assistenten Glückwunschtelegramme aus der Politik vor. Man will jetzt gern in seiner Nähe sein, etwas vom Glanz abbekommen.

Was er mit seinem Anteil vom Preisgeld in Höhe von 1,1 Millionen Euro macht, auch darüber gibt er geduldig Auskunft. Er wird das Geld behalten, er hat schließlich gerade einen Wintergarten ans Haus bauen lassen. Und außerdem, so sagt er, "muss ich jetzt nicht immer fragen und Anträge ausfüllen, wenn ich einen Forschungskongress besuchen will. Ich fahr' da einfach hin, wenn es mich interessiert."

Und er will weiter forschen. Drei- bis viermal die Woche fährt er auch drei Jahre nach seiner Emeritierung noch ins Büro. Es gibt schließlich noch einige Dinge, die er prüfen will. Er kann da sehr hartnäckig sein. Jetzt weiß er, dass sich das auszahlt. Als der Anruf aus Stockholm kam, war sein erster Gedanke: "Aha, jetzt also doch."

Vor einem Jahr noch hatte Grünberg eine E-Mail mit der Frage nach den Nobelpreis-Chancen noch mit "Ihr sehr entspannter P. Grünberg" unterschrieben. Da hatte er den Preis gerade wieder einmal nicht bekommen. Dabei galt er seit Jahren als einer der ersten Anwärter auf die Auszeichnung, und darum riefen ihn Journalisten immer wieder an, wenn sie sich auf die Nobel-Tage vorbereiten. Grünberg erklärte dann geduldig, wie seine Erfindung funktioniert, wie sie zustande gekommen ist und wer alles daran beteiligt war.

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