Eine neue Variante des Aids-Virus ist gegen 19 von 20 Medikamenten resistent und womöglich auch noch besonders aggressiv.
In New York geht die Angst vor einem neuen, besonders gefährlichen Aids-Virus um. Der Erreger ist gegen fast alle Medikamente resistent und legt das Immunsystem möglicherweise innerhalb kürzester Zeit lahm.
(© Foto: AP)
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"Je mehr wir herausfinden, umso besorgter werden wir", sagt Thomas Frieden, Direktor des New Yorker Gesundheitsamtes. Er hat am Wochenende Ärzte und Krankenhäuser in New York aufgefordert, alle HIV-Patienten auf den neuen Stamm "3-DCR HIV" zu testen.
Ärzte hatten das Virus im Dezember vergangenen Jahres bei einem Mann gefunden, den die amerikanischen Zeitungen nur als "den Mitvierziger" bezeichnen, um seine Privatsphäre zu schützen. Er hatte sich aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte Oktober auf einer so genannten Bare back-Party (Nackter-Hintern-Party) infiziert.
Experten aufgeschreckt
Dort treffen sich vor allem HIV- infizierte Männer, um ungeschützten Sex zu haben. Doch offenbar gehen auch immer mehr Gesunde auf solche Partys. Wann sich der "Mitvierziger" mit HIV infiziert hatte, konnte so genau bestimmt werden, weil der Mann kurz vor der Party im Oktober einen Aidstest gemacht hatte, der negativ ausgefallen war.
Bereits im November fühlte er sich dann krank; Mitte Dezember machte er zwei Aidstests, die beide positiv waren. Dass die Krankheit also wahrscheinlich schon acht Wochen nach der Infektion ausbrach, hat die Experten in New York aufgeschreckt, denn normalerweise vergehen vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit sieben bis acht Jahre, manchmal sogar noch mehr.
Das könnte bedeuten, dass es sich bei "3-DCR HIV" um eine besonders aggressive Variante handelt. Zudem haben Laboruntersuchungen ergeben, dass das Virus gegen 19 von 20 Aidsmedikamenten resistent ist. "Meistens verlieren Viren mit Medikamenten-Resistenzen an Aggressivität", sagt Norbert Brockmeyer, Vorsitzender der Deutschen Aidsgesellschaft.
Doch wegen der hohen Variabilität des Aids-Virus entstünden permanent neue Varianten. Es sei durchaus möglich, dass eine davon gleichzeitig resistent und aggressiv sei. "Wir haben jetzt plötzlich wieder die düstere Zeit vor Augen, als es kein einziges Mittel gab, das irgendwie gegen HIV half", sagt Jay Dobkin vom Aids-Zentrum im Columbia Presbyterian Medical Center.
Virales Alien
In New York versucht man verzweifelt herauszufinden, ob es sich bei "3-DCR HIV" tatsächlich um ein solches "Supervirus" handelt. Eine molekulare Untersuchung hat ergeben, dass es sich stark von den Aidsviren unterscheidet, die schon länger in New York grassieren. "Aber wir können nicht beweisen, dass es ein Supervirus ist", sagte der Aidsforscher David Ho der New York Times.
Denn der rasante Krankheitsverlauf bei dem Mann aus New York, der gerade die letzte noch mögliche Therapie ausprobiert, kann auch andere Ursachen haben, die gar nichts mit dem Virus selbst zu tun haben. "Es ist seit langem bekannt, dass die Krankheit bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem besonders schnell ausbricht", sagt Volker ter Meulen vom Kompetenznetz HIV.
Das habe man unter anderem bei unterernährten Menschen in Afrika gesehen, die innerhalb eines halben Jahres an der Immunschwäche-Krankheit starben. Zudem gibt es auch Menschen, die genetisch bedingt eine schwächere Immunabwehr haben als andere. Der "Mitvierziger" hat außerdem nach eigenen Angaben Methamphetamine als Aufputschmittel genommen, um den Sexmarathon auf der Bare back-Party durchzustehen. Dass diese Drogen das Immunsystem schwächen, ist bekannt.
Das Risiko, sich auf solchen Partys nicht nur mit HIV, sondern auch noch mit einer Medikamenten-resistenten Variante anzustecken, ist besonders hoch. Denn bei Menschen, die HIV haben und antiretrovirale Medikamenten nehmen, werden die "normalen" HI-Viren unterdrückt. Zufällig entstehende Mutationen haben dadurch besonders gute Chancen sich auszubreiten.
Wer hat den "Mitvierziger" angesteckt?
Zudem besteht beim Sex mit mehreren HIV-infizierten Partnern die Gefahr einer "Superinfektion": Dabei tauschen verschiedene HIV-Varianten im Körper eines Menschen ihr Erbgut untereinander aus. Bei einer gleichzeitigen Infektion mit einem resistenten und einem besonders aggressiven Stamm kann so ein Virus entstehen, das resistent und aggressiv ist.
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Demonstrationen in Hamburg