Mit "Wächter"-Satelliten will die Esa künftig wichtige Umweltfaktoren ganz genau beobachten. Davon versprechen sich nicht nur Forscher neue Erkenntnisse - auch humanitäre Hilfsprojekte sind an den Daten interessiert.
Als der Wirbelsturm Nargiz das Land verwüstet hatte, wollte die Regierung Birmas zunächst keine ausländischen Helfer ins Land lassen. Große Teile des Irawady-Deltas waren überflutet. Als Hilfsorganisationen schließlich ins Land durften, brauchten sie schnell Orientierung.
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"Sentinel 1" soll zusammen mit weiteren "Wächtern" wichtige Informationen über die Umwelt liefern. (© Grafik: Esa/P.Carril)
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Sie kam vom Himmel: Gleich nach dem Wirbelsturm hatte die europäische Weltraumagentur Esa 60 Aufnahmen des Gebiets ausgewertet und 29 Karten erstellt. Sie zeigen die überschwemmten Gebiete und zerstörten Dörfer.
Dass diese Karten so rasch zur Verfügung standen, ist das Verdienst eines Projekts namens Respond - und Ausdruck eines neuen Umgangs mit den Fähigkeiten von Erdbeobachtungs-Satelliten.
Auf Patrouille im Orbit
Die Europäische Kommission und die Esa errichten zurzeit ein System von Spähern im Weltraum, die den Globus überwachen. Bisher waren Satelliten in Europa eher Forschungsobjekte, jetzt soll eine neue Generation routinemäßig auf Patrouille im Orbit gehen. Sie werden daher Sentinel - Wachposten - genannt.
"Ähnlich wie bei der Wettervorhersage werden wir künftig die Eisbedeckung von Gletschern überwachen oder die Luftqualität in Städten und den Wasserstand in Flüssen prognostizieren können", sagt Josef Aschbacher von der Esa. "Global Monitoring for Environment and Security" (Globale Überwachung für Sicherheit und Umwelt), GMES, heißt das Programm, in das EU und Esa 2,3 Milliarden Euro investieren wollen.
Hilfe bei Katastropheneinsätzen ist ein Aspekt des GMES-Programms. Ziel ist es, die unterschiedlichen Satellitendaten so zusammenzuführen, dass sie für diverse Projekte genutzt werden können.
Das betrifft nicht nur Aufnahmen der Erdoberfläche, sondern auch Messdaten aus der Atmosphäre, etwa von Ozon- und Stickoxidkonzentrationen. Damit wird GMES für die Klimaforschung relevant. In Kürze werden auch Bilder der europäischen Wettersatelliten in die GMES-Datenbank einfließen, wie die hierfür zuständige Organisation Eumetsat vergangene Woche verkündete.
Damit das Programm seine Aufgabe erfüllen kann, müssen die Daten aus dem Orbit kontinuierlich fließen. Das ist zurzeit nicht gewährleistet. Fällt ein Radarsatellit aus, ist nicht garantiert, ob ein Nachfolger gestartet wird. Für GMES hingegen sollen stets mehrere Wächter unterwegs sein. Für das Programm werden darum in den kommenden Jahren Satelliten gebaut, die nur der Überwachung dienen.
Begonnen hat die Arbeit im Juni 2007, als die Esa beim Raumfahrtunternehmen Thales Alenia in Cannes den Sentinel 1 in Auftrag gab. Herz dieses rund 2,2 Tonnen schweren Satelliten ist ein Radargerät. Es liefert Bilder mit einer Auflösung von bis zu fünf Metern und eignet sich besonders gut für die Überwachung der Meere, wo es auch Windfelder messen kann.
Zudem sind humanitäre Hilfsprojekte an diesen Karten interessiert. Radar vermag Wolken zu durchdringen und funktioniert zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist zur Regenzeit in den Tropen ein entscheidender Vorteil gegenüber konventionellen Kameras.
Die Verträge für zwei weitere Satelliten wurden im April dieses Jahres unterschrieben. Sentinel 2 entsteht bei EADS Astrium und wird die Erde mit sichtbarem Licht, aber durch 13 Farbfilter hindurch aufnehmen. Die Daten dienen vor allem der Land- und Forstwirtschaft.
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