Steine und Wasser: Das von Angela Merkel in Stralsund eröffnete Ozeaneum wurde als Hommage an das Meer errichtet.
Zwei Dinge sind besonders wichtig, wenn in der Provinz ein neues Museum eröffnet. Eine spektakuläre Architektur und möglichst viele Superlative.
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Angela Merkel lässt sich die Fauna und Flora des Ozeaneums erläutern. (© Foto: AP)
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Da die Menge wirklich schlagkräftiger sprachlicher Höchstformen aber begrenzt ist, greifen die Marketingleute zu immer verzweifelteren Lösungen.
Das "meistbesuchte Museum Norddeutschlands" etwa, das bis zur Wende noch das "meistbesuchte Museum Ostdeutschlands" war, hat jetzt als Erweiterung den "größten vom Bund geförderten Museumsneubau in Deutschland" bekommen, in dem sich eine Ausstellung über die Meere befindet, die die "größte ihrer Art im gesamten Ostseeraum" ist.
Doch das Ozeaneum, die dritte Zweigstelle des Deutschen Meeresmuseums Stralsund, das am Freitag von der CDU-Vertreterin dieses Wahlkreises, Bundeskanzlerin Angela Merkel, eröffnet wurde, schreibt seinen schönsten Superlativ dann doch lieber nicht in die Pressemappen, denn das sind: 18 Liter Sperma.
Das ist die im Tierreich einmalige Menge, die der Riesenhai bei der Kopulation verschwendet und die das Ozeaneum in 180 Erlenmeyerkolben präsentiert. Der Meeresbiologe Thomas Henningsen weist darauf hin. Er ist Angestellter von Greenpeace - und die Umweltschützer haben bei der Erstellung von Superlativen mitgewirkt.
Die "weltweit größte Ausstellung von Walnachbildungen in Originalgröße" wurde von der Umweltschutzorganisation mit 1,45 Millionen Euro finanziert und eingerichtet.
Symptomatische Lücke
Unter den beeindruckenden Styroporvolumen von Blau-, Schwert- und Buckelwal den Walgesängen lauschend, freute sich Angela Merkel über das neue Museum, musste dabei aber eine große Lücke unter der 20 Meter hohen Decke registrieren, wo eigentlich ein Pottwal mit einem Riesenkalmar kämpfen sollte. Eine Lücke, die symptomatisch für den Stand der Dinge zur Eröffnung klaffte, denn das Ozeaneum ist mitnichten rechtzeitig fertig geworden.
Die zentrale Attraktion unter den Museumsaquarien, ein 2,6 Millionen Liter Wasser fassendes Becken für Heringsschwärme, steht dunkel und leer im Zentrum des Gebäudes, wo auch die komplette Abteilung Nordsee noch vermisst wird.
In der Ostseeabteilung ist ein großes Becken ausgelaufen und muss erst neu abgedichtet werden, und das Pinguinareal auf dem Dach steht noch unbehaust, weil bisher keine Sponsoren für die Attraktion gefunden sind.
Aber auch die spektakuläre Architektur zeigt noch ein paar unspektakuläre Sollstellen. Einige Stahlplatten der Fassade präsentieren Schweißflecken statt maritimes Weiß, die Säulen vor dem Atrium müssen demnächst noch silbern gestrichen werden und einige Winkel wirken doch arg unverputzt.
Doch sind die Stralsunder Offiziellen sehr darum bemüht, die kleine Blamage charmant aussehen zu lassen, und auch Stefan Behnisch versucht, sich nichts anmerken zu lassen.
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- Meeresbiologie zum Anschauen Unter Heringen 09.07.2008
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sowohl physisch als auch psychisch. Ein beschränkter Lebensraum kann niemals alles bieten, was die Tiere benötigen. Eines der von den Befürwortern des Aquariums vorgebrachten Argumente ist, dass damit der Artenschutz unterstützt wird. Viele Aquarien beziehen aber Wildfänge. Da viele der Tiere in Aquarien nicht lange leben, müssen sie immer wieder ersetzt werden. Das bedeutet Stress für das jeweilige Tier und viele Wildfänge sterben bereits beim Fang oder während des Transportes. Auch auf die Wildpopulationen wird Druck ausgeübt.
Wobei der Eröffungstermin davon abhängig war, wo noch ein freies Plätzchen in Frau Merkels Terminkalender war. So wußten die Planer im März noch nicht genau, wann diese stattfinden soll.
Aber sicher, wollen sie natürlich auch den Sommer mit den vielen Urlaubern mitnehmen - spricht ja nichts dagegen.
Heutzutage wird nichts aber auch wirklich nichts mehr zu dem termin fertig wie es angekündigt ist. Das liegt nicht etwa an den handwerkern sondern der generell zu knappen planung. Gut ding will weile haben ist eben out.