Neandertaler-Kunst Die älteste Zeichnung der Welt?

Neandertaler haben sich möglicherweise mit Bildern in einer spanischen Höhle verewigt - vor mehr als 42.000 Jahren. Sollten spanische Wissenschaftler mit ihrer Vermutung recht behalten, wären es die ältesten bekannten Zeichnungen der Welt, und die ersten, die auf Neandertaler zurückgeführt werden.

Malereien in einer Höhle in der Nähe der spanischen Stadt Málaga sind vermutlich die ältesten bislang entdeckten Zeichnungen der Welt. Darüber hinaus handelt es sich möglicherweise um das erste bekannte Bild, das von Neandertalern angefertigt wurde. Das berichten Forscher der Universidad de Córdoba.

Vor vermutlich mehr als 42.000 Jahren haben Frühmenschen in den Höhlen von Nerja in Andalusien Robben an eine Wand gemalt. Möglicherweise handelt es sich um die ältesten Höhlenmalereien der Welt - und vielleicht sind es die ersten bekannten Zeichnungen von Neandertalern.

(Foto: dpa)

Die rötlichen Zeichnungen in den Höhlen von Nerja hätten "nichts Vergleichbares in der Steinzeitkunst", erklärte José Luis Sanchidrián. Der Forscher und sein Team gehen davon aus, dass die Bilder Seehunde darstellen, die von den Menschen der Urzeit vermutlich gejagt wurden. Reste von Holzkohle, die in der Nähe der Gemälde gefunden wurden, datierten die Wissenschaftler auf ein Alter von 43.500 bis 42.300 Jahren.

Damit wären die Bilder vor den 30.000 Jahre alten Gemälden in der Chauvet-Höhle im Südosten Frankreichs entstanden. Allerdings müssen die Farbpigmente der Zeichnungen selbst noch datiert werden. Sollten sie so alt sein wie die Holzkohle, dann dürften sie das Werk von Neandertalern sein, die bis vor etwa 37.000 Jahren dort lebten. Das, so Sanchidrián, wäre eine akademische Sensation. Schließlich stammen alle sonstigen bekannten Höhlengemälde von Homo sapiens, dem "modernen Menschen".

Sollten die Bilder aus den Höhlen von Nerja tatsächlich vom Homo neanderthalensis angefertigt worden sein, so wären sie ein Grund mehr, das Bild vom tumben Höhlenmenschen zu vergessen. Diese Frühmenschen waren offenbar ähnlich wie unsere Vorfahren und wir in der Lage, Symbole zu verwenden.

Es gibt allerdings auch Fachleute, die die Schlussfolgerung der Spanier in Frage stellen. So erklärte Paul Pettitt von der britischen University of Sheffield dem Magazin New Scientist: "Wir können nicht absolut sicher sein, dass Homo sapiens zu dieser Zeit nicht da unten im Süden Spaniens lebte." Deshalb könnten es doch unsere Vorfahren gewesen sein, die die Robben an der Höhlenwand verewigten.

Sanchidrián hält das jedoch für erheblich weniger wahrscheinlich als die Existenz eines Neandertaler-Künstlers. Nun müssen die Wissenschaftler auf die Datierung der Farben warten - die erst im Jahre 2013 stattfinden wird.