Von Susanne Härpfer

Wieder einmal fordern Fachleute, für den Luftverkehr alle Navigationsmittel bis auf Satelliten abzuschaffen. Doch das würde ein großes Sicherheitsrisiko bedeuten.

Als Giuseppe Viriglio, Direktor der Esa für Telekommunikation und Navigation, kürzlich den Galileo-Satelliten Giove-B der Öffentlichkeit vorstellte, ging es - natürlich - um die Hoffnungen, die man in Europa auf das Galileo-Navigationssystem setzt.

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Bislang nutzen Piloten auch andere Navigationssysteme als Satelliten. (© Foto: dpa)

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Wie sein Vorgänger Giove-A ist der Satellit ein Testgerät. Doch bis 2013 sollen 30 Galileo-Satelliten die Erde umkreisen, mit denen die Europäer dem US-Navigationssystem Global Positioning System (GPS) Konkurrenz machen wollen.

Viriglio und Paul Verhoef, Leiter des Referats Galileo der Abteilung Energie und Transport der EU-Kommission, kündigten an, dass Giove-B am 27. April von Baikonur in Kasachstan aus ins All gestartet werden soll.

Ein Aspekt wurde bei der Präsentation im Weltraumforschungs- und Technologiezentrum der Esa (Estec) im niederländischen Noordwijk allerdings nicht thematisiert. Mit dem Start des künstlichen Erdtrabanten erfolgt möglicherweise ein weiterer Schritt auf dem Weg zur langfristigen Abschaffung anderer Navigationsmittel als Satelliten.

Zumindest ist dies die erklärte Hoffnung einiger Experten.

So stellte J. Van Dierenbrock vom US-Navigationsinstitut auf einem internationalen Kongress zur Satellitennavigation kürzlich in München fest, es sei langfristig ein Ziel, andere, die Luftfahrt unterstützende Systeme, abzuschaffen.

Unterstützung erhielt er von Francisco Salabert, dem Leiter des Büros für die Global Navigation Satellite System Policy bei der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol.

Bislang hilft zwar bereits das GPS Flugzeugen bei der Navigation. Beim Landeanflug kommen jedoch weitere Systeme wie das bodengestützte ILS-Radar hinzu.

Alte Pläne wiederbelebt

Doch Fluglotsen und ergänzende Systeme sind teuer, die Luftfahrtindustrie steht unter Preisdruck. Deshalb soll gespart werden. An einigen Flughäfen wird bereits mit dem Tower ohne Lotsen experimentiert. Und offenbar sind die Pläne, Satellitennavigation als alleiniges Mittel einzusetzen, entgegen langjähriger Beteuerungen keineswegs gestorben, sondern werden nun wiederbelebt. Ein entsprechender Vorschlag, so kündigte Salabert an, solle der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO in Montreal gemacht werden.

Mit ihren Erklärungen sorgten Salabert und Van Dierenbrock auf der Konferenz in München für Wirbel. Denn vergleichbare Pläne waren schon in den neunziger Jahren präsentiert worden, und bereits damals auf heftigen Widerstand gestoßen.

1996 hatte erstmals der amerikanische Federal Radionavigation Plan verlangt, alle Navigationssysteme außer GPS abzuschaffen, und das bis zum Jahr 2010. Das Deutsche Bundesverkehrsministerium war diesem Ansatz gefolgt. Es wurde dafür der Fachbegriff "Sole Means" (alleiniges System) geprägt.

Die Internationale Pilotenvereinigung IFALPA reagierte entsetzt. Und nach Warnungen der Piloten, der Kommission des amerikanischen Präsidenten für den Schutz bedrohter Infrastruktur (PCCIP), des US-Verteidigungsministeriums sowie Experten des Fachorgans Jane's wurden die Pläne wieder fallengelassen.

Nun stehen sie offenbar vor ihrer Auferstehung - und stoßen erneut auf Widerstand. Bislang, so die Einschätzung von Fachleuten der amerikanischen Universität Stanford, würden weder GPS noch das Europäische Galileo-System allein den Anforderungen der Luftfahrt an ein Navigationssystem genügen. So gebe es noch viel zu viele Störungen der Systeme.

Bekannt ist zum Beispiel, dass GPS durch zufällige und gezielte Störungen verwundbar ist, durch sogenanntes Jamming und Spoofing. Selbst zum Totalausfall können sowohl Pannen als auch bewusste Störungen führen, wie einige Vorfälle in der Vergangenheit gezeigt haben.

Das mussten zum Beispiel Piloten während des Kosovokriegs gleich mehrmals erleben. Und worauf sich die Europäer in Zukunft einstellen müssen, wenn sie auf Satellitennavigation allein setzen, offenbarte die Übung "Northern Edge" des US-Militärs 2004 in Alaska. Ausgerechnet zum Galileo-Vertragsabschluss im Juni testeten die Amerikaner dort Anti-Jammer-Techniken - und legten die zivile Nutzung von GPS gleich mit lahm.

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