Naturkatastrophen Warum in China die Erde bebt

Es gibt Regionen der Erde, die besonders häufig und heftig unter Erdbeben zu leiden haben. Das hängt mit der Bewegung der Platten zusammen, aus denen die Erdkruste besteht.

Von Markus C. Schulte von Drach

Immer wieder ereignen sich in China schwere Erdbeben. So waren erst im Juni 2007 in der Provinz Yunnan Hunderte Menschen verletzt worden, mindestens drei Tote waren zu beklagen.

Die Indische Platte bewegt sich in Richtung Norden und kollidiert mit der Eurasischen Platte.

(Foto: Grafik: sueddeutsche.de/thie)

Im Juli 2003 kamen ebenfalls in dieser Provinz 16 Menschen ums Leben. Als 1999 in der Provinz Xinjiang die Erde bebte, waren mehr als 250 Opfer zu beklagen. Bei Erdbeben mit Dutzenden Toten starben 1996 in Yunnan etwa 300 Menschen. Und 1988 forderten die Erdstöße fast 750 Todesopfer.

Schlimmer noch waren allerdings die Katastrophen in den siebziger Jahren. So kamen im Juli 1976 offiziell 255.000 Menschen in China bei einem Erdbeben ums Leben. Inoffiziellen Schätzungen zufolge forderte das Beben von Tangshan in der Provinz Hebei 1976 jedoch rund 800.000 Menschenleben. Und etwa 40.000 Opfer hatten Erdbeben in den Jahren 1970 bis 1974 gefordert.

Mehrere zehntausend Tote gab es während der Jahre 1932 und 1933, 200.000 Menschen starben 1927 und 250.000 im Jahre 1920.

Und für das Jahr 1556 berichten historische Quellen von einem Erdbeben in der heutigen Provinz Shaanxi mit angeblich 830.000 Todesopfern.

Die Ursache für die häufigen schweren Beben ist die Bewegung der sogenannten Indischen Platte, eine der Kontinentalplatten, die den indischen Subkontinent trägt. Diese Platte war einst ein Teil des Superkontinents Gondwanaland. Als dieser zerbrach, lösten sich das heutige Indien, Afrika, Australien, Antarktika und Südamerika voneinander und drifteten in verschiedene Richtungen auseinander.

Vor 50 Millionen Jahren kollidierte die Indische Platte mit der Eurasischen Platte, die Europa und Asien (bis auf Indien und den äußersten östlichen Teil Russlands) sowie Indonesien, die Philippinen, Teile Japans und Islands trägt.

Bei dem Zusammenstoß tauchte die von Süden kommende Platte teilweise unter die nördliche Platte ab, andernorts haben sich beide Platten so ineinander verschoben und verkeilt, dass sich die Gebirge des Himalayas auffalteten und das Hochland von Tibet entstand. Und dieser Zusammenstoß setzt sich weiter fort. Noch immer drückt der indische Subkontinent auf die Eurasische Platte, hebt den Himalaya jährlich um einige Millimeter an und lässt die Erde in Asien beben.

Wie Rainer Kind vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam der dpa erklärte, werde dabei "wie aus einer Zahnpastatube Krustenmaterial nach Südosten aus Asien herausgedrückt". Am Montag sei dadurch am Rande des Sichuan-Beckens die Erdkruste auf einer Länge von etwa 300 Kilometern und bis zu 20 Kilometern Tiefe gebrochen.

Eine mögliche Erklärung der Erdbeben selbst sind Spannungen, die in den Platten auftreten sollen, wenn diese driften, kollidieren oder sich aneinander vorbei bewegen. Wird dabei die sogenannte Scherfestigkeit der Gesteine überschritten, können sich diese Spannungen plötzlich entladen. Es kommt zu heftigen Erschütterungen.

Auch in Europa wackeln deshalb hin und wieder die Wände. Hier drückt die Afrikanische Platte von Süden her. Und an der Westküste der USA schieben sich die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aneinander vorbei, weshalb ebenfalls regelmäßig schwere Erdstöße auftreten, die Städte wie San Francisco bedrohen.