Von Hanno Charisius

"Nano" klingt nach Zukunft, ist aber längst Alltag: Die winzigen Partikel stecken in Sonnencreme, Bad-Reiniger und Medikamenten. Mögliche Nebenwirkungen sind nicht unwahrscheinlich - aber unerforscht.

Gestandene Risikoforscher wittern sogar im Ketchup Gefahren. "Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Ketchup viel leichter aus der Flasche fließt als früher?", fragt Rolf Hertel, Toxikologe vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

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Er glaubt, die Hersteller hätten etwas an der Rezeptur verändert, möglicherweise etwas beigemengt. Nanopartikel zum Beispiel. "Vielleicht", sagt Hertel. Aber mit Sicherheit könne er das nicht sagen. Wer, wenn nicht er?

Wenn es für den Profi schon so schwierig ist, bei all den Meldungen, die das Wörtchen "nano" enthalten, den Überblick zu wahren, wie soll es dann erst dem Laien, dem Verbraucher gelingen? Die beiden Silben scheinen allgegenwärtig.

Kleine Partikel mit gutem Image

Wenn auch nur gelegentlich offensiv damit geworben wird, so steckt in vielen Alltagsprodukten seit Jahrzehnten Nanotechnologie. Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts verwendete Degussa für Farben Teilchen, die kleiner als 100 Nanometer waren. In Sonnencremes filtern Nanopartikel aus Titandioxid oder Zinkoxid seit Jahren UV-Strahlen. Im Grunde nutzen auch viele Arzneimittel Mechanismen aus dem Nanokosmos.

100 Nanometer, also 100 Millionstel Millimeter, markieren die Grenze. Was kleiner ist, geht nach landläufiger Definition als Nanotechnologie durch. In diesem Größenbereich verändern Materialien ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften drastisch, plötzlich spielen Oberflächeneffekte eine viel größere Rolle, und quantenphysikalische Effekte müssen berücksichtigt werden.

Die neuen Materialeigenschaften eröffnen der Industrie faszinierende Möglichkeiten, und allmählich entdecken auch Werbeagenturen den Charme des Winzigen. "Bislang hat Nanotechnologie hierzulande ein gutes Image", sagt Risikoforscher Hertel.

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