Nanosatelliten Furcht vor "Paparazzi-Satelliten"

Aus Sicht von Kritikern entsteht so ein Problem, das den Nutzen der Winzlinge infrage stellen könnte: Der Missbrauch von Daten und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Werden die "Paparazzi-Satelliten" die Erde in ein "globales Panoptikum" verwandeln, wie Kritiker befürchten? "Da deutsche Gesetze zum Datenschutz nur für Unternehmen mit Sitz in Deutschland gelten, werfen Aufnahmen aus dem All weitreichende Fragen auf", sagt Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit.

Bisher gebe es keine internationalen Regulierungen für die kommerzielle Herstellung von Fotos oder Videos aus dem All. Dieses Geschäfts- und Forschungsfeld ist noch so jung, dass die Politik kaum hinterher kommt. Zwar legt die Registrierungskonvention der Vereinten Nationen fest, dass Objekte, die ins All geschossen werden, gemeldet werden müssen. Aber: "Es ist nicht klar, inwiefern die Konvention auch Kleinsatelliten von privaten Unternehmen einschließt", sagt Dix.

Die Internationale Arbeitsgruppe zum Datenschutz in der Telekommunikation, der Dix vorsitzt, hat 2013 Vorschläge zum Umgang mit der Beobachtung aus großer Höhe veröffentlicht. Doch das gesellschaftliche und politische Bewusstsein für die Möglichkeiten der Überwachung aus der Luft sei längst noch nicht angemessen, sagt Dix.

Damit zumindest niemand die Daten stiehlt, die zwischen den Minitrabanten und der Erde hin und her fließen, arbeiten die Würzburger Studenten derzeit an der Sicherheit der Kommunikationstechnik. Und nicht nur daran. Unter Anleitung von Alexander Kramer und anderen Absolventen werkelt eine Generation künftiger Satelliteningenieure an Modellen für Uwe-4, dem Nachfolger des aktuellen Würzburger Cubesats. Mit neuartigen Schubdüsen sollen sich gleich vier Uwe-4 zu einem Formationsflug zusammenschließen. Es wäre eine weltweite Premiere.

Das European Research Council, die größte europäische Einrichtung zur Förderung der Wissenschaft, hat für die Würzburger Satelliten 2,5 Millionen Euro bereitgestellt. Auf dem "7. European Cubesat-Symposium", das Anfang September in Belgien stattfindet, stellen etliche deutsche Arbeitsgruppen ihre Entwicklungen vor. An der Technischen Universität Berlin wurde 2014 ein "Forschungszentrum für Nanosatelliten" gegründet, auch in Dresden, München, Heidelberg und Aachen arbeiten Wissenschaftler mit ihren Studenten an weltraumtüchtigen Würfeln. Es sieht so aus, als warte eine große Zukunft auf die kleinen Satelliten.