Nahrungsmittelkrise Die Erde wird knapp

Experten sprechen von Neokolonialismus: Reiche Nationen sichern sich durch dubiose Methoden Ackerflächen in armen Ländern - mit unüberschaubaren sozialen und ökologischen Konsequenzen.

Von Petra Steinberger

Bekannt für seinen Reichtum ist der Sudan nicht gerade. Im Jahr 2007 verschifften die Vereinigten Staaten 283.000 Tonnen Hirse als Hilfsleistung in die Region Darfur. Im selben Jahr hat der Sudan nach UN-Angaben die gleiche Menge Getreide exportiert. 2008 sollen sudanesische Firmen gar die doppelte Menge ins Ausland gebracht haben.

Der Sudan, sagt Kanro Oshidari, Direktor des World Food Program der Vereinten Nationen im Sudan, "könnte sich selbst versorgen. Er könnte die Kornkammer Afrikas sein". Aber der Sudan exportiert die Nahrungsmittel, die seine Bevölkerung gut brauchen könnte. Mehr noch: Das Regime in Khartum verpachtet ganze Landstriche - vor allem an die reichen Wüstenstaaten des Nahen Ostens. Mehr als 10.000 Hektar gehören Saudi-Arabien. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen sogar über 378.000 Hektar.

Laos, eines der ärmsten Länder der Erde, hat bereits zwei bis drei Millionen Hektar Land verpachtet, das sind an die 15 Prozent des Staatsgebietes - die Verträge laufen bis zu 70 Jahre. Im Süden haben sich Firmen aus Thailand, Vietnam und Malaysia eingekauft und Gummi-, Zuckerrohr- und Maniokplantagen angepflanzt; im Zentrum kultivieren japanische, indische und skandinavische Firmen Eukalyptus- und Akazienwälder für die Papierherstellung; im Norden bauen Chinesen Reis und Gummibäume an.

Die Pacht für einen Hektar liegt mit drei bis neun Dollar pro Jahr weit unter dem internationalen Marktwert. Dafür wurden Kleinbauern von ihren Feldern vertrieben. Deren Wut wächst. Immer wieder gehen Plantagen in Flammen auf. Die autokratische Regierung merkte schließlich, dass die Sache außer Kontrolle geriet und stoppte im vergangenen Mai die Vergabe größerer Anbauflächen. Das hinderte jedoch korrupte Staatsbeamte und Regionalbonzen nicht daran, die Praxis fortzuführen. Sie verpachten das Land weiterhin, sozusagen privat.

Und dann ist da natürlich Madagaskar, dessen politische Krise der letzten Monate zumindest zum Teil dadurch ausgelöst wurde, dass Daewoo, ein südkoreanischer Mischkonzern, die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Insel für mindestens 99 Jahre pachten wollte, um Weizen und Palmöl zu gewinnen.

Bis 2023 sollte Südkorea, heute der drittgrößte Weizenimporteur der Welt, somit von Importen aus den USA und Südamerika unabhängig werden. Selbst jetzt, nach dem Sturz von Präsident Ravalomanana und der Machtübernahme von Andry Rajoelina, der den Pachtvertrag erst einmal auf Eis legte, hofft Daewoo noch auf das Land, man habe schließlich bereits eine Menge Geld investiert.

Hinter dem Treiben steckt jedoch eine viel größere Sorge. "Halbleiter und Autoersatzteile", sagte Richard Shin, Leiter des Sechs-Milliarden-Dollar-Projekts von Madagaskar, vor ein paar Tagen, "können wir nicht essen."

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