Naher Osten Rettet das Tote Meer

Israels Wasser- und Energieminister Silvan Schalom, der jordanische Wasserminister Hasim al-Nasser und der Ppalästinenser Schaddad Attili, verantwortlicher Minister für die Wasserversorgung seiner Landsleute (v.l.)

Um die Bevölkerung besser mit Trinkwasser zu versorgen, haben Israel, die Palästinenser und Jordanien ein Abkommen unterzeichnet. Pläne für eine Pipeline, um das austrocknende Tote Meer aufzufüllen, gibt es außerdem. Kritiker befürchten allerdings, dadurch werde das Gewässer noch mehr gefährdet.

Während der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern stagniert, haben beide Seiten jetzt ein wichtiges Abkommen zu einem gemeinsamen Projekt unterzeichnet, an dem auch Jordanien beteiligt ist.

Es geht zum einen um die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Zum Anderen aber gibt es Pläne, Wasser ins Tote Meer zu pumpen, das auszutrocknen droht.

Dazu soll eine Entsalzungsanlage am Golf von Akaba an der Nordspitze des Roten Meeres errichtet werden. Jährlich soll diese etwa 200 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Meer entnehmen. 85 bis 100 Millionen Kubikmeter davon könnten in Trinkwasser verwandelt werden. Das übrige Wasser bliebe als Salzlake zurück, die über eine 180 Kilometer lange Pipeline zum Toten Meer gepumpt werden soll.

Ein Steg zeigt, wie hoch der Wasserspiegel des Toten Meeres früher war

(Foto: dpa)

Die Wasseroberfläche des Toten Meeres sinkt seit längerer Zeit etwa einen Meter pro Jahr, ihre Höhe liegt inzwischen bei 420 Metern unter dem mittleren Meeresspiegel. Eine wichtige Ursache für diese Entwicklung ist, dass der Zufluss des Toten Meeres, der Jordan, für Israel und Jordanien die wichtigste Quelle für Trinkwasser und landwirtschaftliche Bewässerung darstellt. Die Wassermenge, die der Jordan schließlich ins Tote Meer einspeist, ist inzwischen nur noch gering.

Von dem Abkommen, das alle drei Seiten am Montag im Hauptquartier der Weltbank in Washington unterzeichnet haben, und das mehr als 200 Millionen Euro kosten soll, versprechen sich die Beteiligten Hunderte neue Jobs. Außerdem würden Israel und Jordanien eine ihrer größten Touristenattraktionen verlieren, sollte das Tote Meer endgültig verschwinden.

Neben dem Bau der Entsalzungsanlage und einer Pipeline beinhaltet das Abkommen zwei weitere wichtige Punkte: So will Israel dem Nachbarland Jordanien mehr Wasser aus dem See Genezareth überlassen. Außerdem sollen den Palästinensern im Westjordanland jährlich zusätzliche 20 bis 30 Millionen Kubikmeter entsalzenes Wasser verkauft werden.

Salzformationen im Toten Meer

(Foto: AFP)

Der Weltbank zufolge ist das jetzt unterzeichnete "Memorandum of Understanding" die Voraussetzung, überhaupt zu testen, wie wasserarme Regionen besser mit Trinkwasser versorgt werden können. Auch soll vorerst lediglich geprüft werden, "welche Konsequenzen es hat, wenn Wasser aus dem Roten Meer mit dem aus dem Toten Meer gemischt wird".

Trotzdem bezeichnete Israels Wasser- und Energieminister Silvan Schalom die Pläne in der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth als "historischen Prozess", durch den ein alter Traum verwirklicht werde. Bei der Unterzeichnungszeremonie im Hauptquartier der Weltbank sagte er: "Dies ist ein Hoffnungsschimmer, dass wir in Zukunft auch andere Hindernisse überwinden können."

Sein palästinensischer Kollege Schaddad Attili sagte, nun sei bewiesen, dass eine Zusammenarbeit trotz der sonstigen politischen Probleme möglich sei. Der jordanische Wasserminister Hasim al-Nasser fügte hinzu, ohne Wasser gebe es keine wirtschaftliche Entwicklung und keine Arbeitsplätze.

Das Tote Meer besteht aus einem nördlichen und einem südlichen Teil (Bild)

(Foto: AFP)

Die jetzt vereinbarten Punkte gehören zu einem größeren "Red Sea-Dead Sea Water Conveyance Study Program", das seit 2005 diskutiert und von der Weltbank seit mehr als zehn Jahre untersucht wird.

Bei Umweltschützern stößt die Idee der Pipeline auf Kritik. Denn es gehe eigentlich gar nicht darum, das Tote Meer zu befüllen, teilte Mira Edelstein von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth mit. "Was unterzeichnet wird, ist ein konventionelles Projekt zur Wasserentsalzung." Wenn die Salzlake, die bei der Herstellung von Trinkwasser entstehe, ins Tote Meer geleitet werde, drohten "unumkehrbare Folgen".

Tatsächlich etwa deutet ein vorläufiger wissenschaftlicher Bericht für das "Red Sea-Dead Sea"-Programm darauf hin, dass "die Einspeisung von Seewasser oder Salzlake in das Tote Meer die Erscheinung und die Wasserqualität so verändern könnte, dass sein Wert als Kulturerbe von internationaler Bedeutung beschädigt wird".

Das Tote Meer ist für Israel und Jordanien eine wichtige Touristenattraktion

(Foto: REUTERS)