Die meisten Kliniken in Europa wüssten bei einem Strahlenunfall nicht, wie sie mit verstrahlten oder verängstigten Menschen umgehen sollen. Nun versuchen Ärzte, sich auf radioaktive Katastrophen vorzubereiten.
Was 1987 in Goiania passierte, war für Strahlenmediziner der reinste Albtraum. Altmetallsucher hatten in einer verlassenen Klinik der brasilianischen Stadt den Kopf eines Bestrahlungsgeräts abmontiert. 26 Gramm des hochradioaktiven Materials Cäsium-137 waren darin enthalten. Es leuchtete im Dunkeln tiefblau, ein Schrottplatzbesitzer und seine Familie nahmen es staunend mit nach Hause. Seine sechsjährige Nichte schminkte sich mit dem Cäsium-Pulver.
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Zum Glück nur eine Notfallübung zeigt dieses Bild. Nach einem realen Unfall in einem Kernkraftwerk oder einem Terroranschlag werden Tausende Menschen in die Kliniken stürmen. (© Foto: dpa)
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Bald klagten die Ersten über Übelkeit, Durchfall, Haarausfall und Mattigkeit. Nach zwei Wochen wurden die Behörden aufmerksam. 25 Gramm des Cäsiums konnten sie sicherstellen. Vier Menschen starben an akuter Strahlenkrankheit, darunter das Mädchen. 20 mussten ins Krankenhaus, 249 waren verseucht und mussten dekontaminiert werden - und 113.000 wurden in einem Fußballstadion untersucht, bis klar war, dass ihnen nichts fehlte. Das dauerte 14 Wochen.
Ähnliche Szenen in einem Industriestaat mag sich kaum jemand vorstellen: Nach einem Unfall in einem Kernkraftwerk oder einem Terroranschlag mit einer sogenannten schmutzigen Bombe, die radioaktives Material freisetzt, stürmen Tausende Menschen in die Kliniken.
Das größte Problem für Strahlenmediziner wären die "worried well", die "besorgten Unbelasteteten". Die meisten von ihnen haben keine Beschwerden, sorgen sich aber vor Spätschäden wie Krebs. Ärzte müssten sich im Notfall aber den akut Betroffenen zuwenden.
"Die meisten Kliniken in ganz Europa wüssten bei einem Strahlenunfall nicht, was sie machen sollen", sagt Viktor Meineke, der das Radiobiologie-Institut der Bundeswehr in Neuherberg bei München leitet. Die nötigen Kenntnisse lernten Mediziner nicht im Studium. "Eigentlich müsste in jeder größeren Klinik eine Handvoll Oberärzte wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist."
Um das zu ändern, haben Viktor Meineke und Theodor Fliedner von der Universität Ulm mit Kollegen anderer Institute soeben die erste europäische Fortbildung für Ärzte zum "medizinischen Umgang mit massenhafter radioaktiver Exposition" organisiert. In einem Hotel in Oberschleißheim bei München hatten sich gut 40 Ärzte aus Ländern zwischen Litauen und Frankreich sowie zwischen Norwegen und der Türkei versammelt; auch aus Japan und den USA kamen Teilnehmer.
"Der Kurs ist ein Versuch"
Finanziert hat den Kurs das Bundesumweltmisterium. "Der Kurs ist ein Versuch", sagt Dietger Niederwieser von der Universität Leipzig. Er leitet den europäischen Verbund EBMT von Kliniken, die Knochenmark transplantieren. "Wir wollen herausfinden, was vielbeschäftigte Klinikärzte in zwei Tagen aufnehmen können."
Aufklärung ist nötig, denn viele Helfer, Besatzungen von Krankenwagen, Schwestern und Ärzte, reagieren auf den kleinsten Hinweis radioaktiver Strahlung ängstlich - so wie die generelle Bevölkerung. "Es ist schon vorgekommen, dass eine Klinik einen Mann mit einem Herzinfarkt abgewiesen hat, weil er einen Schutzanzug von der Arbeit trug", berichtet Volker List von Forschungszentrum Karlsruhe, "obwohl er nicht verstrahlt war."
Auch müsse man Pflegern sagen, mahnt List, dass Dekontamination, also die Reinigung radioaktiv belasteter Opfer keine Verstümmelung rechtfertigt: Die Haut müsse nicht blutig geschrubbt werden. Beruhigend könne auch dieser Hinweis wirken: Von dem Personal, das 2006 in London den mit Polonium verstrahlten, russischen Regimekritiker Alexander Litwinenko gepflegt hatte, war niemand einer Dosis von mehr als einem Millisievert ausgesetzt. Mancherorts in Deutschland liegt die jährliche Belastung durch natürliche Strahlung höher.
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Gysi gegen Lafontaine
Es gibt teilweise weniger Strahlenkranke als man gemeinhin annimmt.
Auch im Sperrgebiet von Tschernobyl, so hat mir ein Russe glaubwürdig versichert, gibt es alte Leute, die partout nicht umgesiedelt werden wollen und weiterhin verstrahlte Kartoffeln essen, ohne Krebs zu bekommen oder Schlimmeres. Die leben schon seit 20 Jahren dort! Trotzdem möchte ich die Gefahr nicht völlig verharmlost sehen. Jeder reagiert sicher anders...
http://politblog.net/krieg-terrorismus/depleted-uranium-mehr-todesopfer-als-in-hiroshima-und-nagasaki.htm
Das ungeschützte Biblis A nicht zu vergessen, 60 Flugsekunden von FRA entfernt.
Ich frag mal im Sekretäriat des Bundeskanzleramtes nach, ob sich nicht ein Weg findet, diesen Artikel für eine Nacht unter das Kopfkissen von Angela Merkel zu packen.
terrorananschlag vielleicht, mit boesen atomen aus boesen schurkenlaendern.
doch deutsche, gute atome taeten niemals jemanden verstrahlen.
wieso sollten sich krankenhaeuser auf einen "unfall" vorbereiten, der niemals stattfinden KANN. deutsche atomkraftwerke koennen keine (groesseren) unfaellte haben, sonst waeren sie zumindest versichert.
"Das größte Problem für Strahlenmediziner wären die "worried well", die "besorgten Unbelasteteten". Die meisten von ihnen haben keine Beschwerden, sorgen sich aber vor Spätschäden wie Krebs"
Das kommt auch daher, das es überwiegend nur verzerrte Berichte über Strahlenschäden gibt. Langjährige Untersuchungen von verschiedenen Forschergruppen unter anderem der Katastrophe von Tschernobyl, der Uranfabrik in Sibirien, oder von Hiroschima haben überraschende Ergebnisse geliefert: Es gab deutlich weniger direkte und indirekte Tote durch Strahlung und ebenso deutlich weniger Fälle von Krebs, selbst bei Embryos die zu diesem Zeitpunkt ausgetragen wurden.
Ich will hier nicht verharmlosen, aber es wird endlich Zeit über Fakten zu reden und nicht den Greenpeace Horrorzahlen nachzuhängen. Dort werden teilweise mehr Strahlenopfer ausgewiesen, als überhaupt in dem Zeitraum insgesamt gestorben sind.