Mythos Weltwunder Hängende Gärten von Babylon existierten tatsächlich - in Ninive

Mythos oder Wahrheit? die Hängenden Gärten von Babylon (künstlerische Interpretation)

(Foto: Wikimedia Commons)

Die Hängenden Gärten von Babylon sind wohl das geheimnisvollste der Sieben Weltwunder. Doch hat dieses Bauwerk überhaupt jemals existiert? Eine Forscherin der Uni Oxford hat Belege zusammengetragen. Stimmen sie, muss die Geschichte der Weltwunder neu geschrieben werden.

Die Hängenden Gärten der Semiramis sind wohl das geheimnisvollste der antiken Sieben Weltwunder. König Nebukadnezar II soll den ersten großen botanischen Garten der Menschheitsgeschichte der Legende nach für seine Frau angelegt haben, die aus einer grünen Region kam und im wüstenähnlichen Babylon die Pflanzen vermisste.

Von diesem Meisterwerk der Baukunst existieren nur schriftliche Berichte - aus zweiter Hand, von Menschen, die die Hängenden Gärten von Babylon selbst nie gesehen haben dürften. Etliche Wissenschaftler zweifeln gar an ihrer Existenz.

Also alles nur eine Legende? Eine Forscherin der Uni Oxford kommt zu einem anderen Ergebnis. Sie bezweifelt nicht, dass es die Hängenden Gärten gab. Sie glaubt aber, dass die grünen Oasen mit dem ausgefeilten Wasserversorgungssystem in einer anderen Stadt erbaut wurden - und ausgerechnet vom größten Feind der Babylonier: In Ninive, 480 Kilometer von Babylon entfernt, gelegen im heutigen Irak, hätten demnach die Assyrer das Wunder erschaffen.

Stephanie Dalley heißt die Frau, die dafür sorgt, dass die Geschichte eines der sieben Weltwunder nun wohl neu geschrieben werden muss. Die Wissenschaftlerin vom Orientalischen Institut der Universität Oxford hatte bereits 1992 im britischen Independent davon gesprochen, dass die Hängenden Gärten in Wahrheit vom assyrischen König Sanherib in Ninive erbaut wurden - und nicht vom babylonischen Herrscher Nebukadnezar. Nun hat Dalley Belege vorgelegt, die ihre These stützen sollen:

  • Sanherib ließ im Palast von Ninive für seine Frau Tašmetun-Šarrat einen prächtigen Garten bauen. Dalley verglich Aufzeichnungen der Hängenden Gärten mit einem Flachrelief des Königlichen Palastes von Ninive. In beiden Fällen waren Bäume, die auf einem überdachten Säulengang wuchsen, exakt gleich beschrieben.
  • 689 vor Christus eroberten die Assyrer Babylon und bauten fortan ihre Hauptstadt Ninive nach dem Vorbild dieser Stadt aus. So benannte Sanherib nach der Eroberung Babylons die Stadttore von Ninive - genau wie in Babylon - nach Gottheiten. Dalleys Fazit: Ninive könnte fortan quasi als zweites Babylon betrachtet worden sein. So könnten auch die Palastgärten von Ninive ihren "neuen" Namen bekommen haben.
  • Auch die Topographie gibt Hinweise. Stephanie Dalley verglich Umgebung von Babylon und Ninive und fand heraus, dass in dem flachen Gebiet um Babylon unmöglich genügend Wasser zur Bewässerung der Hängenden Gärten herbeigeschafft werden konnte.
  • Schließlich hilft selbst Alexander der Große weiter. 331 vor Christus übernachtete er mit seiner Armee nahe Ninive - kurz bevor er bei Gaugamela die Perser schlug. Nahe des Nachtlagers soll ein Aquädukt gestanden haben. Dalleys Recherchen zufolge soll es Wasser in die Hängenden Gärten befördert haben.

"Es hat Jahre gedauert, bis wir beweisen konnten, dass die Gärten und das System der Aquädukte von Sanherib in Ninive gebaut wurden und nicht von Nebukadnezar in Babylon", sagt Dalley. "Zum ersten Mal herrscht Klarheit darüber, dass die Hängenden Gärten tatsächlich existierten."