Unterstützung hat Meldrum von der berühmten Primatenforscherin Jane Goodall bekommen. Sie schließt aufgrund von Tonaufnahmen angeblicher Bigfoots nicht aus, dass auf dem nordamerikanischen Kontinent ein bislang noch unbekannter Menschenaffe leben könnte. Allerdings hat sie auch Zweifel, so lange es keine Antwort auf eine nahe liegende Frage gibt: Wieso findet niemand einen toten Bigfoot?

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Nicht wirklich viel zu sehen ist auf dem Video von Lori Pate aus dem Jahre 1996. (© Foto: screenshot)

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Problematisch dürfte für Meldrum und andere Fachleute auch sein, dass sich mit der richtigen Technik absolut überzeugende Riesenabdrücke mit Hilfe menschlicher Fußsohlen anfertigen lassen - inklusive der Rillen und Narben, die manche Abdrücke so authentisch erscheinen lassen.

Immerhin: Haare, Kot und Hautreste werden immer wieder entdeckt, die von Bigfoots stammen sollen. Nur leider konnte keine einzige Probe bislang einer ernsthaften Überprüfung standhalten.

So schrieb der Bigfoot-Fachmann Grover Krantz von der Washington State University in seinem Buch "Big Footprints", das "gewöhnliche Schicksal dieser Dinge ist, dass sie nicht wissenschaftlich unersucht werden, und wenn doch, dass die Dokumentation der Studien verloren oder nicht verfügbar ist. In den meisten Fällen, wo tatsächlich vernünftige Analysen unternommen wurde, erwies sich das Material als Fälschung oder es konnte nicht ausgewertet werden".

Bei aller Skepsis war der inzwischen verstorbene Krantz übrigens von der Echtheit des Patterson-Gimlin-Films und einiger Bigfoot-Fußabdrücke überzeugt. Auf der anderen Seite gelang es dem amerikanischen Journalisten Michael R. Dennet, einen Fälscher von Fußabdrücken aufzuspüren, der zugab, Krantz gezielt hinters Licht geführt zu haben. Ähnlich ging es auch anderen Experten. Wem also soll man glauben?

Wo sind die Kadaver?

Vielleicht dem eigenen gesunden Menschenverstand. Wenn in den amerikanischen Wäldern tatsächlich bislang unbekannte, riesige Affenwesen existieren, dann muss die Population groß genug sein, um zu überleben. Selbst wenn die Bigfoots noch so scheu sein mögen - warum wurde noch kein einziges Exemplar geschossen, von einem Auto überfahren oder wenigstens ein Kadaver entdeckt?

Nun, Fotos einer Bigfoot-Leiche präsentierten zwei US-Amerikaner tatsächlich im vergangenen Jahr. Matt Whitton und Rick Dyer veröffentlichten unter anderem bei YouTube Videos, die einen toten Bigfoot in einer Kühltruhe zeigen sollten. Schließlich gaben beide zu, es habe sich lediglich um einen Witz gehalten, der "Beine bekommen und losgerannt" sei, wie sie dem US-Sender CNN gestanden. Die Leiche war lediglich ein Bigfoot-Kostüm, das sie zusammen mit einem überfahrenen Oppossum und Schlachterresten in die Kühltruhe gestopft hatten.

Die Wildnis Amerikas ist groß, und der Glaube an die Existenz des haarigen Riesen unter Bigfoot-Anhänger ebenfalls. Solange Grizzlys und Braunbären Camper und Jäger im Dunkeln erschrecken, solange Witzbolde wie Whitton und Dyer die Öffentlichkeit mit gefälschten Beweisen unterhalten wollen und solange sich Mythen und Legenden finden lassen, die für mysteriöse Beobachtungen authentisch wirkende historische Erklärungen anbieten, solange wird Bigfoot weiterleben, selbst wenn es ihn nie gab.

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(sueddeutsche.de/mri)