Mörderische Medien Gewalt im Spiel

Über die Wirkung von Gewalt in den Medien wird schon seit Jahrzehnten geforscht und gestritten. Die Wissenschaftler sind sich jedoch weniger uneins, als die meisten Laien glauben.

Von Markus C. Schulte v. Drach

Die PC-Spielebranche entwickelt ständig neue Produkte, die vom Nachwuchs mit nicht nachlassender Begeisterung konsumiert werden.

Was die Kinder erfreut, erfüllt jedoch manche Eltern, aber auch viele Psychologen und Pädagogen mit Sorge. Denn etliche Computerspiele beinhalten Gewalt. Und von den Gewaltinhalten scheint eine gewaltige Faszination auszugehen.

Fast jeder Jugendliche spielt am Computer

Eine australische Studie hat beispielsweise gezeigt, dass so gut wie jeder Zwölf- bis Siebzehnjährige und jeder zweite Erwachsene auf dem südlichen Kontinent schon mit dem Computer gespielt hat.

Dabei führten Kampfspiele die Liste der bevorzugten Games, dicht gefolgt von Fahrsimulationen. Und wenn auch die besonders brutalen so genannten Ego-Shooter nur einen Bruchteil der jährlich auf den Markt gebrachten Spiele ausmachen, sind sie unter Jugendlichen echte Renner.

Eltern kennen die Spiele ihrer Kinder kaum

Eltern, das haben Bochumer Psychologen festgestellt, wissen allerdings nur sehr wenig darüber, was ihre Kinder eigentlich spielen.

So kennen viele Mütter und Väter nicht eines der Computerspiele ihrer Kinder. Und die meisten Eltern spielen auch nie oder selten einmal mit ihren Kindern am Bildschirm. Und wenige Eltern finden sich bereit, sich am Spielespaß ihrer Zöglinge ab und zu oder öfter zu beteiligen.

Das, so die Wissenschaftler, ist ein Missstand, der in der Diskussion um die gewalthaltigen Spiele zu wenig berücksichtigt wird. Denn: Gerade durch das gemeinsame Spielen können Eltern auf die Auswahl der Spiele sowie die Auseinandersetzung mit den - teilweise gewalthaltigen - Inhalten Einfluss nehmen.

Kein Problem, sich brutale Spiele zu besorgen

Wer sich nicht darum kümmert, was sein Nachwuchs spielt, ist vielleicht überrascht, was die Kinder sich kaufen, vom Spielkameraden besorgen oder aus dem Internet ziehen können.

So ist es kein Problem, sich blutrünstige Spiele wie Doom 3 zumindest als Demoversion aus dem Netz zu ziehen, das gleiche gilt für alle anderen Ego-Shooter.

Und Lara Croft, berühmte Heldin des Spiels Tomb Raider, ist nicht nur sexy. Sie ist auch bereit zu tödlicher Gewalt. Während ihrer Jagd nach archäologischen Schätzen tut sie eigentlich kaum etwas anderes, als böse Menschen und Tiere zu töten.

Schaden die Spiele überhaupt?

Aber schaden Spiele mit Gewaltinhalt den Kindern überhaupt? Unterhält man sich mit Spielern verschiedener Alterstufen, so stellt man fest, dass von ihnen eigentlich niemand daran glaubt. Allenfalls andere werden von den brutalen Bildern, mit denen manche Spiele schockieren, beeinflusst - die Befragten selbst halten sich immer für immun.

Die Wissenschaftler, die sich mit den Auswirkungen von Gewalt in den Medien beschäftigen, sind sich offensichtlich nicht einig. Darauf scheint auch die Vielzahl der Thesen und Theorien hinzudeuten, die zu dem Thema Mediengewalt existieren.

Und schließlich folgt eine Studie der nächsten. Die Zahl der Untersuchungen, besonders derjenigen zu den Auswirkungen von Gewaltdarstellungen in Filmen, geht in die Tausende. Auch dies scheint zu zeigen, dass sich die Fachleute nicht einigen können.

Mehrheit der Fachleute scheint sich einig

Aber der Scheint trügt möglicherweise. So gibt es zwar tatsächlich Experten wie Kevin Durkin, Psychologieprofessor an der University of Western Australia in Perth, die eine schädliche Wirkung der Gewaltdarstellungen nahezu ausschließen - die Mehrheit der Fachleute jedoch ist sich zumindest dahingehend einig, dass die blutigen Bilder gewisse, negative Folgen gerade für Kinder haben dürften:

Erhöhte Aggressivität, verstärkte Angst und Abstumpfung gegenüber Gewalt sind mögliche Konsequenzen.

Kaum Studien zu brutalen Videospielen

Zur Wirkung brutaler Videospiele gibt es bislang allerdings nur eine sehr kleine Zahl von Studien - und die Ergebnisse scheinen noch weniger eindeutig als jene aus den Untersuchungen zu Fernsehen und Kino.

In einem Punkt sind sich jedoch fast alle Experten einig: Niemand wird allein wegen brutaler Spiele zum Gewalttäter oder gar zum Amokläufer.

Dies war etwa den beiden Schülern nachgesagt worden, die 1999 in der Columbine High School in der US-Stadt Littleton ein Blutbad angerichtet und sich danach selbst getötet hatten.

Massaker unter dem Eindruck von Doom?

Die zwei Siebzehn- und Achzehnjährigen hatten ihren Anschlag scheinbar unter dem Eindruck eines populären Ego-Shooters geplant, vorbereitet und ausgeübt.

Zu so einer Tat gehört jedoch erheblich mehr, als nur Erfahrung mit einem Spiel, so brutal es auch sein mag. Wäre dem nicht so, müssten angesichts der Verbreitung und Popularität der Computerspiele - und auch der gewalthaltigen Filme - erheblich mehr Opfer zu beklagen sein - gerade in den USA, wo sich Kinder und Jugendliche leichter Zugang zu Waffen verschaffen können, als etwa in Europa.

Fazit: Gewalt in Filmen und Spielen allein macht keine Mörder. Aber es besteht das Risiko, dass sie die Aggressivität erhöht. Und dies kann unter Umständen fatale Konsequenzen haben.