Von Stefan Hartl

Neue Modeschöpfungen machen die Jacke zum Telefon und die Jeans zum MP3-Spieler

Ein Mantel, der nur gut sitzt und dekorativ aussieht? Wie langweilig. Zumindest für den Technikfreak muss heute auch ein Textilprodukt elektronisch aufgerüstet sein. Wie die Besatzung des Raumschiffs Enterprise in der gleichnamigen Sciencefiction-Serie kann er sich dann Kommunikations- und Unterhaltungsgeräte anziehen.

Anzeige

Zur diesjährigen Sommerkollektion des Modelabels Koyono zum Beispiel gehören Mäntel mit eingewebten Tasten, um den MP3-Spieler iPod zu bedienen. Das Gerät selbst liegt unberührt in einer Innentasche. Um die Musik an- oder abzustellen genügt es sich cool an die Brust zu tippen - ungefähr so, wie Captain Kirk sein Schiff gerufen hat.

Die technischen Grundlagen dafür stammen von Infineon. Der Münchner Halbleiterhersteller hat in Kooperation mit der britischen Firma Eleksen Bedienelemente zum Einweben entwickelt. Sie bestehen aus fünf Schichten Isolations-, Halbleiter- und Kohlefasermaterial, sind aber nur 0,6 Millimeter stark, unempfindlich gegen Stofffalten und Waschwasser.

Modedesigner können die Sensoren an beliebiger Stelle in die Kleidungsstücke oder andere Textilprodukte integrieren. Wenn der Träger oder Benutzer sie berührt, ändert sich der elektrische Widerstand in den Leitungen. Und das steuert das angeschlossene Gerät - Musikspieler, Handy, die Sitzlehne im Auto, den Fernsehsessel oder das Krankenbett.

"Unser Ziel ist es, die Elektronik mit dem neuen Produkt vollständig zu integrieren, und das trägt erste Früchte", sagt Dieter May von Infineon. Die Firma erwartet sich von den Sensoren ein großes Geschäft. Laut Marktanalysten könnte das weltweite Handelsvolumen für "intelligente Textilien" im Jahr 2007 eine Viertel-Milliarde Dollar übersteigen.

Sensible Textilien

Davon möchte auch der Siemens-Konzern profitieren. Eine Tochtergesellschaft für Risikokapital hat 600 Millionen Euro bereitgestellt, um damit junge Technologieunternehmen zu unterstützen. Eines davon: die Firma Eleksen. "Das Prinzip der sensiblen Textilien ist relativ einfach und es gibt ein breites Feld an Anwendungsmöglichkeiten", sagt Uwe Albrecht, Spezialist für Sensortechnik bei Siemens Venture Capital.

Die Spanne der Produkte ist tatsächlich groß. Demnächst wird es daher eine iPod-Jeans geben. Der Hersteller Levi's will diesen Herbst eine Hose auf den deutschen Markt bringen, die eine spezielle iPod-Tasche besitzt, integrierte Kabel und aufrollbare Kopfhörer. Um den Musikspieler zu steuern, muss der Träger nur zur Fernsteuerung in einer kleinen, rechtsseitigen Hüfttasche greife, die ansonsten für Kleingeld oder Taschenuhren genutzt wird.

Dagegen müssen Träger von Jacken der Marken Rosner und O'Neill, die 2005 auf den Markt kamen, auf die Stofftastatur am linken Ärmel tippen, um Telefongespräche anzunehmen. Das Handy liegt in einer Tasche, die Signale werden per Bluetooth-Funk und Kabel in den Kragen befördert. Dort sind Kopfhörer und ein Mikrophon angebracht. Und für die Zeiten zwischen Telefonaten dient ein eingebauter MP3-Player der Unterhaltung.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Sensible Textilien
  2. Seite 2
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Elektro-Dreckschleudern

Strom-Autos in China belasten die Umwelt stärker als Benziner. Jetzt lesen ...