Eines der zentralen Argumente der Mobilfunk-Gegner ist, dass Handy-Strahlung das Erbgut schädigt. Doch wichtige Studien dazu wurden "fabriziert" und sollen jetzt zurückgezogen werden.
Dass Handy-Strahlung das Erbgut schädige, ist ein zentrales Argument von Bürgerinitiativen, die gegen Mobilfunkmasten kämpfen. Doch ihr Argument verliert gerade seine wissenschaftliche Basis. Die Medizinische Universität Wien hat zwei entsprechende Studien aus den Jahren 2005 und 2008 als "fabriziert" bezeichnet und fordert die Autoren auf, sie zurückzuziehen.
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Zwei Arbeiten, die besagen, dass Handys Schäden an der DNS von Zellen in Kultur auslösen, mussten zurückgezogen werden. (© Foto: ddp)
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In beiden Arbeiten hatte eine Forschergruppe der Hochschule behauptet, normale Handys (GSM) und moderne Datentelefone (UMTS) lösten schon weit unterhalb der geltenden Grenzwerte Schäden an der DNS von Zellen in Kultur aus.
Die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung aus dem Jahr 2003 hatte zudem eine unabhängige Arbeitsgruppe nicht bestätigen können. Den Ermittlungen der Wiener Hochschule zufolge hat offenbar eine technische Mitarbeiterin des inzwischen emeritierten Professors Hugo Rüdiger die Daten der Studien manipuliert.
Sie "konnte überführt werden, dass ihre gesamte Vorgehensweise auf die Erzeugung vorgefasster Resultate angelegt war", heißt es in der Mitteilung der Universität. Die Frau habe ihr Verhalten gestanden und ihren Arbeitsvertrag gekündigt. Die Bindegewebszellen Fibroblasten waren bei den Versuchen simulierter Handystrahlung ausgesetzt. Bei der Analyse der Erbgut-Bruchstücke hatte die Mitarbeiterin offenbar Zahlen passend zur Bestrahlung erfunden.
Allerdings konnte sie das nach Aussage eines der Hauptautoren erst ab 2006. Dass die Universität trotzdem auch die Rücknahme der Studie von 2005 fordere, sei übertrieben. Handygegner dürfte auch bestärken, dass angeblich ein Anwalt des Mobilfunkbetreibers Telekom Austria an der Entscheidung der Hochschule beteiligt war. Der Skandal um Rüdigers Team wundert Günter Speit von der Universität Ulm kaum.
Er hatte die ersten Versuche der Wiener Arbeitsgruppe exakt nachgestellt, dabei teilweise die selben Geräte verwendet, aber die Ergebnisse nicht reproduzieren können. "Wir haben die Versuche in Wien sogar zusammen mit den Kollegen gemacht. Da gab es plötzlich Phänomene, die nicht erklärbar waren", erzählt er. "Die Experimente mussten abgebrochen werden."
Ergebnisse nicht bestätigt
Seine Arbeitsgruppe konnte daher 2007 nicht nur die frühere der beiden verdächtigen Studien nicht bestätigen. Auch Arbeiten aus dem Jahr 2003 sind dadurch bei der in der Wissenschaft so wichtigen Reproduktion durch unabhängige Forscher durchgefallen. Das sogenannte Reflex-Projekt hatte damals erstmals von Strangbrüchen in DNS-Molekülen berichtet.
Der Leiter des Programms, Franz Adlkofer, war zum Helden der Handygegner aufgestiegen. Dabei hatte er wie viele andere Experten erklärt, dass Messungen an isolierten Zellkulturen kein Krebsrisiko belegten. In einem kompletten Organismus gleichen Reparaturmechanismen die auch aus anderen Gründen auftretenden DNS-Schäden aus.
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(SZ vom 27.05.2008/mcs)
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Ich welchen Gebieten denn nicht? In Biologie und Medizin kann man wenigstens Versuche noch verblinden, in anderen Fachrichtungen ist das wesentlich schwieriger, bzw. praktisch möglich.
Gibt's dafür konkrete Beispiele? Im Medizinstudium kommt Statistik definitiv zu kurz, aber bei Pharmafirmen machen, dass im Allgemeinen auch keine Mediziner, sondern Statistiker und Naturwissenschaftler mit entsprechender Zusatzausbildung.
... kommt das wieder in Schwarz/Weiß rüber. Schon der Plural in der Überschrift lässt denken, viele Untersuchungen über Dezimeterwellenstrahlung seien gefälscht. Es geht aber hauptsächlich doch um die Behauptung, dass Zellbrüche die Folge sein können.
Es gibt aber noch X andere Wirkungsmöglichkeiten auf höhere Organismen. Infolge dessen ist dies kein Freispruch für 'Handystrahlung'.
Dass Voreingenommenheit bei Ergebnissen von wissenschaftlichen Tests eine große Rolle spielen, ist im übrigen in der Biologie und Medizin sehr häufig. Außerdem fehlt dort sehr oft, dass Fachwissen um fehlerfreie statistische Aussagen zu machen. Ganz extrem ist dies bei Wirksamkeitstest in der Pharmaforschung.
Ein alter Hut, dass diese Studien in der Regel gefälscht oder zumindest falsch bewertet sind. Wir hatten an der Uni ein ähnliches Experiment mit Handystrahlung auf Pflanzen. Die ersten Ergebnisse der damit betrauten Biologen waren für die Handygegner vielversprechend.
Dumm nur: Nachdem ein Zufallsgenerator in den Strahlengenerator eingebaut wurde, so dass die Biologen nicht mehr wussten, wann überhaupt bestrahlt wurde, waren die Ergebnisse plötzlich Null... keinerlei Wirkung auf die Pflanzen. Klassischer Fall von "man kriegt raus, was man erwartet, rauszubekommen". Komisch gell?
Man muss Elektrosmog ja nicht erzeugen, wenn es sich vermeiden lässt. Beispielsweise wäre mir lieb, wenn meine Nachbarn ihr WLAN mal nicht mit voller "Lautstärke" rumbrüllen ließen, aber nicht wegen der Gesundheit, sondern der Störung von anderen Geräten. Auch ein DECT-Telefon muss ja nicht immer "volle Pulle" rumstrahlen, wenns auch weniger locker tut.
Aber Fakt ist nunmal, dass bisher NIEMAND irgendeine nachweisbare Wirkung von Handystrahlung hat beweisen können! Dass Leute, denen das Handy am Ohr festgewachsen scheint, davon weich in der Birne werden, hat andere Gründe... *g
@derdietmar: Sie sollten doch langsam begriffen haben, dass der Wortteil "Faschist" nur in einer RIchtung verwendet werden darf. ;-)
Sloterdijk, dieser böse Mensch, schreibt längst von Linksfaschisten etc. Faschismus sollte auf alle Arten extremer und unterdrückender Positionen angewandt werden dürfen. Kann mir der Moderator erklären, warum man nicht von Öko-Faschismus sprechen darf?
Ich würde mir auch einmal wünschen (eigentlich wünsche ich es mir nicht, aber wenn dann sollte man alle gleich behandeln), dass Personen, die andere als Nazis und Faschisten in diesem Forum beschimpfen, die lediglich demokratisch-konservative Äußerungen machen, zensiert werden.
Aber aber, die SZ ist sich doch sonst nicht zu schade mit Kampfbegriffen und Vorverurteilungen um sich zu werfen. Fragen sie doch mal den Herrn Prantl...
Paging