Mikrobiologie Forscher wollen wieder mit Vogelgrippe experimentieren

Kritiker halten Versuche, bei denen Vogelgrippe-Viren verändert werden, für gefährlich. Deshalb hatten Wissenschaftler sich dazu verpflichtet, solche Arbeiten zu unterlassen. Doch 40 Forscher erklären nun, dass die Experimente notwendig sind - und beenden das Moratorium.

Von Katrin Blawat

"Wir erklären das freiwillige Moratorium für Studien zur Übertragbarkeit von Vogelgrippe für beendet." Das schreiben 40 Influenzaforscher mehrerer Länder in einem Brief, den die Fachzeitschriften Nature und Science veröffentlichen.

Damit können Forscher nun wieder Experimente mit dem Ziel aufnehmen, das Vogelgrippevirus so zu verändern, dass es per Luft auf Säugetiere übertragbar wird. Derartige Versuche sehen Kritiker als zu gefährlich an, da die veränderten Erreger unabsichtlich aus den Laboren entkommen oder von Bioterroristen missbraucht werden könnten.

Daher hatten die sogenannten "gain-of-function"-Versuche seit einem Jahr geruht. Den 40 Experten zufolge sind solche Experimente jedoch notwendig, um den Erreger besser zu verstehen und im Notfall leichter Impfstoffe entwickeln zu können.

Zu der Selbstverpflichtung war es gekommen, weil die amerikanische Regierung Einwände gegen die Veröffentlichung zweier Studien aus den USA und den Niederlanden geäußert hatte. Nach außen hin wurde das Moratorium stets als freiwillige Vereinbarung dargestellt. "Auslöser waren aber wohl die National Institutes of Health. Sie haben angedeutet, dass ein freiwilliges Moratorium sinnvoll sei", sagt der Marburger Virologe Hans-Dieter Klenk, einer der Autoren des Briefes.

Die NIH finanzieren in den USA einen erheblichen Teil der Vogelgrippeforschung. Daher wäre es ihnen auch ohne freiwilliges Einlenken der Forscher möglich gewesen, die umstrittenen Versuche zu verhindern - indem sie diese nicht mehr finanziert hätten.

Die 40 Autoren wollen die Versuche jedoch nicht sofort uneingeschränkt wieder aufnehmen. Vor allem in den USA sollen erst noch neue Sicherheitsrichtlinien fertiggestellt werden. "Das wird aber bald geschehen sein", sagt Klenk. In den Niederlanden hingegen können die Forscher sofort wieder loslegen.