Meteor über Russland Unterschätzte Gefahr?

"Bei einem Feuerball dieser Größe rechnen wir mit einer großen Zahl von Meteoriten, die die Erdoberfläche erreichen", erklärte Nasa-Wissenschaftler Chodas. "Und in diesem Fall sollten einige große dabei sein." Steinmeteoriten machen mehr als 80 Prozent aller Meteoriten aus. Bei den übrigen Meteoriten handelt es sich um Eisen- oder Stein-Eisen-Meteoriten.

Die Schätzungen zur Größe des Meteors und dem Verlauf des Ereignisses gehen auf Infraschallmessungen zurück, die von etlichen Stationen weltweit vorgenommen wurden. So meldeten zuerst Sensoren einer Beobachtungswarte in Alaska, 6500 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt, als Erste das Auftreten ungewöhnlicher Schallwellen. Etliche Stationen des International Monitoring System (IMS) der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) lieferten weitere Daten. Die Infraschallstationen messen mit speziellen Barometern Luftdruckschwankungen, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind und auf Kernwaffentestst zurückgehen könnten. Anhand der CTBTO-Daten berechnete Peter Brown von University of Western Ontario, Kanada, die Größe und Masse des Asteroiden.

Während der Asteroid 2012 DA14, dessen Vorbeiflug am Freitag die Astronomen berechnen konnten, etwa 60 Meter groß ist, war der Himmelskörper, der über dem Ural explodierte, einfach zu klein, als dass er mit den derzeit verfügbaren Mitteln leicht hätte bemerkt werden können. Um alle Asteroiden aufzuspüren, die der Erde nahekommen könnten, müssten Astronomen den gesamten Himmel nicht nur mit den Teleskopen von der Erde aus, sondern auch mit den relativ wenigen vorhandenen Weltraumteleskopen absuchen - und zwar ständig. Das aber kostet deutlich mehr Geld, als derzeit in entsprechende Programme investiert wird. Vielleicht wird die Explosion über dem Ural die Diskussion darüber und um die Entwicklung von Abwehrmaßnahmen gegen Asteroiden anheizen.

Hat ein Meteorit dieses Loch ins Eis des Tschebarkul-Sees geschlagen? Taucher konnten noch keine Reste des Asteroiden finden.

(Foto: dpa)

Denn der Meteor von Tscheljabinsk hat eindringlich demonstriert, was passieren kann, wenn schon ein relativ kleiner Himmelskörper der Erde zu nahe kommt. Was geschehen würde, wenn ein Asteroid wie 2012 D14, der am Freitag dicht an der Erde vorbeigeflogen ist, mit unserem Planeten kollidieren würde, möchte man sich nicht ausmalen. Die meisten Asteroiden in unserem Sonnensystem, die eine Größe von 1000 oder mehr Metern aufweisen, wurden zwar bereits aufgespürt. Von kleineren Exemplaren gibt es jedoch vermutlich noch etliche, die unbekannt sind, und die auf der Erde zu erheblichen lokalen oder regionalen Zerstörungen führen könnten.