Menschen haben vieles mit Tieren gemeinsam - doch eines unterscheidet uns von allen anderen Erdbewohnern: Kein anderes Wesen ist so hilfsbereit - und das war ein entscheidender Vorteil im Wettstreit der Evolution.
Schimpansen zahlen in keine Krankenversicherung ein. Sie helfen auch Fremden nicht über den Trampelpfad oder spenden einer Hilfsorganisation, die Affen in fernen Ländern hilft.
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Helfer vom Roten Kreuz verladen Hilfspakete für Opfer eines Erdbebens in Pakistan. (© Foto: AP)
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Für solidarische Unterstützung hätte ein Schimpanse kein Verständnis. Auch wenn Menschen vieles mit Tieren gemeinsam haben, eines unterscheidet Homo sapiens definitiv von allen anderen Erdbewohnern: "Wir sind Weltmeister der Kooperation", sagt Martin Nowak, Mathematiker an der Harvard University.
Und es ist vor allem die Solidarität zwischen Personen, die in keiner Beziehung zueinander stehen, die nicht verwandt oder befreundet sind, die die Menschheit zu einem Erfolgsmodell der Evolution machte.
"Durch Kooperation entstehen neue Ebenen des Lebens", sagt Nowak. Die "natürliche Kooperation" habe eine ähnliche Macht in der Evolution entwickelt wie sonst nur Mutation und natürliche Selektion.
An sich ein Widerspruch: In der Evolution wetteifern doch eigentlich einzelne Einheiten wie Gene, Zellen oder Individuen um Erfolg. "Evolution sollte also egoistisches Verhalten belohnen", sagt Nowak.
In den vergangenen vier Jahrzehnten entdeckten Evolutionsbiologen, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler aber ein Puzzlestück nach dem anderen, mit denen sich das Paradox des kooperativen Egoisten erklären lässt.
Martin Nowak hat nun diese Mechanismen für die Evolution der Kooperation erstmals in einer einheitlichen Theorie formuliert (Science, Bd. 314. S. 1560, 2006). Der Mathematiker hat herausgearbeitet, unter welchen Bedingungen Kooperation möglich ist und wann nicht. "Im Grunde ist es immer nur ein Spiel, das sich auf zwei Personen reduzieren lässt", sagt Nowak.
Zu den Kooperationsbeschleunigern zählt etwa Verwandtschaft. Diese erklärt nicht nur Hilfsbereitschaft unter Familienmitgliedern, sondern auch die Unterstützung bei Tieren bis hin zu den Millionenstaaten etwa der Ameisen, Termiten und Bienen. Auch Zellen in einem Organismus arbeiten zusammen, weil sie praktisch alle Gene miteinander teilen.
Ein anderer Geburtshelfer der Zusammenarbeit ist das, was Forscher direkte Reziprozität nennen: Organismen unterstützen sich gegenseitig, wenn die Chance besteht, dass ihnen dafür ebenfalls geholfen wird - ganz nach dem Schimpansen-Motto: "Ich kratze Deinen Rücken, dafür kratzt Du meinen."
Wenn man sich aber nicht unmittelbar sondern nur über Umwege hilft, würde es in großen Gruppen selbst für intelligente Schimpansen zu kompliziert. Die indirekte Reziprozität ist die große Stärke der Menschen.
"Jetzt heißt es: Ich kratze Deinen Rücken, und Du kratzt jemand anderem den Rücken oder jemand anderes kratzt meinen", sagt Nowak. Wenn alle danach handeln, funktioniert ein solches System.
Doch wer garantiert, dass der, dem geholfen wurde, die Wohltat auch weitergibt? Existiert keine Möglichkeit, das zu überprüfen, passiert, was Wissenschaftler als "Tragödie des Gemeinguts" bezeichnen: Egoistisches Verhalten wird belohnt und Kooperation entwickelt sich zum Nachteil.
Der geborene Rächer
Doch es gibt Gegenmittel. Das eine heißt Reputation. Wer anderen hilft, gewinnt einen guten Ruf und qualifiziert sich für die Unterstützung durch andere.
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