Menschheitsgeschichte Archäologen entdecken Bronzezeit-Siedlung in Sachsen

Die Siedlung war bei Vorarbeiten zur geplanten Kohleförderung im Tagebau Nochten entdeckt worden.

(Foto: dpa)
  • Beim Tagebau Nochten wurde eine große bronzezeitliche Siedlung gefunden.
  • Das Areal besteht aus mehreren Häusern, das größte davon ist 40 Meter lang.

Archäologen haben im sächsischen Tagebau Nochten eine bronzezeitliche Siedlungslandschaft entdeckt. Die Wohnsiedlung sei vollständig erhalten und bestehe aus einem Wirtschaftsareal und einem umfangreichen Bestattungsplatz, teilten das Unternehmen Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) und das Landesamt für Archäologie Sachsen mit.

Alle Siedlungsbestandteile auf einer Fläche von rund zwei Hektar seien zwischen 1400 und 1000 vor Christus genutzt worden. Es sei eine "sensationelle Entdeckung", sagte der Referatsleiter beim Landesamt für Archäologie Sachsen, Wolfgang Ender. "In dieser Komplexität haben wir sachsenweit noch keine Siedlung dieser Art gefunden", zitiert ihn die Lausitzer Rundschau.

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Die Bronzezeit-Siedlung war bei Vorarbeiten zur geplanten Kohleförderung im Tagebau Nochten entdeckt worden. Dabei seien sieben Hausgrundrisse, darunter vier typische Wandgräbchenhäuser mit Schwellbalken und Fachwerkkonstruktion, nachgewiesen worden.

Kernstück ist ein 40 Meter langes Gebäude, das wahrscheinlich sowohl als Wohnhaus als auch als Viehstall diente. Es handele sich mit Abstand um die größte Konstruktion dieser Art in der Region, so die Lausitzer Rundschau.

Über 200 eng beieinander liegende Gruben dienten nach derzeitigem Kenntnisstand als Speicherareal für Getreidevorräte. "Sie werfen ein neues Bild auf die wirtschaftlichen Grundlagen der dichten bronzezeitlichen Besiedlung der Oberlausitz", sagte Ender.

Das gesamte Areal befindet sich in einem außergewöhnlich guten Zustand. "Der Standort war immer von Wald bedeckt. Nie hat ein Pflug die Erde umgebrochen", erklärt Andrea Renno vom Landesamt für Archäologie der Lausitzer Rundschau.

Bereits seit den 1990er Jahren sichern Mitarbeiter den archäologischen Denkmalbestand in den Tagebauen Nochten und Reichwalde mit Unterstützung des Tagebaubetreibers.

Die Bronzezeit begann in Mitteleuropa etwa um 1800/1700 vor Christus und dauerte bis 800/700 vor Christus an. In dieser Zeit war das Metall Bronze der wichtigste Werkstoff und diente zur Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck.

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