Meerschweinchen Haustiere mit Hirn

Auch wenn die Nager in ihren Käfigen oft recht tumb erscheinen: Die Domestizierung hat der Intelligenz von Meerschweinchen offenbar nicht geschadet.

Klugheit gehört nicht gerade zu den Eigenschaften, die man mit Meerschweinchen verbindet. Womöglich zu Unrecht, wie eine Studie von Verhaltensforschern der Universität Münster um Norbert Sachser nun nahelegt (Frontiers in Zoology, online). In Lerntests schnitten domestizierte Meerschweinchen sogar besser ab als ihre wildlebenden Verwandten - obwohl das Gehirn der Haustiere um 13 Prozent kleiner ist.

Sachser und seine Kollegen setzten 28 domestizierte und 26 wildlebende Meerschweinchen in ein Wasserbecken. Dort befand sich an einer Stelle nur wenig unter der Wasseroberfläche eine Plattform, die die Nager finden sollten. Um ihnen die Orientierung zu erleichtern, hingen an der Beckenwand geometrische Figuren. Die Hausmeerschweinchen lernten deutlich schneller, die Plattform zu finden. Entfernten die Forscher das Podest, suchten es die domestizierten Tiere zudem gezielt mit Hilfe der Wandmarkierungen. Die wildlebenden Tiere hingegen paddelten zwar schneller, aber orientierungslos umher. Einer gängigen Theorie zufolge gelten Haustiere als dümmer als ihre wildlebenden Verwandten, die sich selbst um ihr Überleben kümmern müssen. Zumindest für Meerschweinchen treffe jedoch das Gegenteil zu, schreiben die Forscher. Die Haustiere hätten gelernt, Probleme effizienter zu lösen.