40 Aquarien in vier Häusern sollen mindestens 5000 Fische zeigen - in Stralsund eröffnet Deutschlands größtes Ozeaneum und bringt Fachleute zum Schwärmen.
Stralsund - Wer das Ozeaneum mit dem Hubschrauber überfliegt, erkennt vier Häuser, die sich aneinanderschmiegen. Sie ähneln Steinen, die das Meer rundgeschliffen hat. Besucher sollen die Häuser umspülen, so wie es Wellen mit Steinen tun.
An der Decke ... ein Wal! (© Foto: AP)
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Die Stahlplatten, die die Häuser umhüllen, erinnern an Segel. Die Motive weisen spielerisch darauf hin, dass das Ozeaneum direkt an der Ostsee liegt. Das Ensemble balanciert geradezu auf der Kaikante des Stralsunder Hafens.
Nahe des Ozeaneums spreizt sich seit 2007 eine Brücke weit hinüber nach Rügen. Seinerzeit hatte Kanzlerin Angela Merkel das luftige Bauwerk freigegeben. Am morgigen Freitag wird sie wieder anreisen: Dann eröffnet sie das Ozeaneum. Sie tut dies nicht nur, weil Stralsund mitten in ihrem Wahlkreis liegt.
"Wer wissen will, wie Meere funktionieren, wird künftig kaum am Ozeaneum vorbeikommen", sagt Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, das mit dem Ozeaneum eine Dependance bekommt.
Von Umweltschützern konzipierte Halle
Neben den Aquarien dürfte die Wal-Halle auf besonderes Interesse stoßen. Greenpeace hat sie konzipiert und bezuschusst.
Unter anderem schwebt das 26 Meter lange und acht Tonnen schwere Modell eines Blauwals im Raum, untermalt von den dazugehörigen Gesängen. Das Ozeaneum will die Faszination der nordeuropäischen Kaltwassermeere einfangen und präsentieren, zu denen auch die Ostsee zählt.
40 Aquarien sind auf die vier Häuser verteilt worden. "Wir werden mindestens 5000 Fische zeigen", sagt Nicole Kube, die Aquariumsleiterin. Im größten Becken leben Fische, die in Schwärmen schwimmen: Heringe und Makrelen. Das 34 Zentimeter dicke Fenster aus Spezialglas, an dem sich Kinder und Erwachsene die Nasen plattdrücken sollen, ist fünf mal zehn Meter groß.
Empfindlicher Fang
Es muss den Druck aushalten, den 2,6 Millionen Liter Wasser entfalten. Für das Schwarmfischbecken sind allein 2500 Heringe vorgesehen. Wer gegenüber Nicole Kube die Bemerkung fallenlässt, es könne ja nicht schwierig gewesen sein, die Fische aus der nahen Ostsee zu ziehen, bekommt ein tiefes Seufzen zur Antwort.
Dann erklärt sie: "Die schuppige Oberfläche der Heringe ist derart empfindlich, dass sie schon beschädigt wird, wenn man sie nur scharf anguckt." Das Ozeaneumteam hat ein Spezialnetz benutzt, aus dem es jeden Hering einzeln per Eimer behutsam herausgeschöpft hat. Dann mussten die Heringe von Plankton auf Fischfutter umerzogen und auf einer Großbaustelle in Quarantäne aufbewahrt werden. Das sind allerdings Petitessen im Vergleich zu dem Schuppenproblem beim Fang.
Jetzt muss eine weitere strategische Entscheidung getroffen werden. Das Schwarmverhalten - Synchronschwimmen, blitzende Leiber - ist besonders gut zu sehen, wenn die Heringe aufgescheucht werden. Sollte man also ein paar Fressfeinde wie Dorsche oder Haie ins Großbecken geben? Der Nachteil wäre natürlich, dass die Räuber nicht nur spielen, sondern auch fressen wollen.
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sowohl physisch als auch psychisch. Ein beschränkter Lebensraum kann niemals alles bieten, was die Tiere benötigen. Eines der von den Befürwortern des Aquariums vorgebrachten Argumente ist, dass damit der Artenschutz unterstützt wird. Viele Aquarien beziehen aber Wildfänge. Da viele der Tiere in Aquarien nicht lange leben, müssen sie immer wieder ersetzt werden. Das bedeutet Stress für das jeweilige Tier und viele Wildfänge sterben bereits beim Fang oder während des Transportes. Auch auf die Wildpopulationen wird Druck ausgeübt.