Hat sich schon jemand bei den Privatversicherten bedankt? Nein? Dabei ermöglichen sie den medizinischen Fortschritt - weil sie jeden Test mitmachen.
Kommt ein Kassenpatient zum Arzt. Er hat Stress im Büro, Ärger mit der Frau und Bauchschmerzen. Der Arzt drückt auf dem Bauch herum, sagt, "das wird schon wieder" und "gönnen Sie sich mal ein paar Tage Ruhe". Auf Wiedersehen im nächsten Quartal.
"Vorerst kommen wir ohne Kernspin aus" - wer weiß, wie lange. (© Foto: istock)
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Kommt ein Privatpatient zum Arzt. Er hat Stress im Büro, Ärger mit der Frau und Bauchschmerzen. Der Arzt nimmt viel Blut ab, macht Ultraschall von Bauch und Herz ("Sie sind jetzt in dem Alter"), den Helicobacter-Atemtest, den Laktosetoleranztest und schreibt den Patienten sofort zur Darm- und zur Magenspiegelung ein. "Vorerst kommen wir ohne Kernspin aus", sagt der Arzt. "Aber wir müssen dran bleiben, die Ursache finden wir schon." Bis morgen.
Der Kassenpatient hat noch etwas Magengrummeln, dann schläft er aus, und es geht ihm wieder gut. Der Privatpatient fühlt sich erstklassig betreut und hält den Arzt für gründlich. Sein Bauch drückt noch etwas, und er macht sich natürlich Sorgen, ob nicht Schlimmeres dahinter steckt. Er schläft schlecht, muss sich bei der Arbeit abmelden, denn er hat Arzttermine für den Rest der Woche. Bei ihm wird nichts Gefährliches gefunden, nur Polypen ("die müssen wir regelmäßig kontrollieren"), leicht erhöhte Harnsäure- und Cholesterinspiegel ("sollten wir medikamentös richtig einstellen, da sehen wir uns öfter") und eine Neigung zur Laktose-Intoleranz ("diätetisch können wir da was machen").
Zwei Männer mit ähnlichen Beschwerden. Zwei Männer, die eigentlich gesund sind. Nur ist der eine privat versichert, der andere nicht.
Hat sich schon jemand bei den Privatversicherten bedankt? Nein? Dabei sind sie es, die den medizinischen Fortschritt ermöglichen. Sie lassen unbewiesene Therapien über sich ergehen, schlucken neue Medikamente, machen jeden Test mit und opfern sich für uns alle auf. Sonst traut sich keiner. Die 8,6 Millionen Privatversicherten im Land - gerade zehn Prozent der Bevölkerung - zahlen sogar höhere Beiträge. Privatversicherte sind die Märtyrer der Medizin.
Die heutigen Ärzte haben die löbliche Tradition des Selbstversuchs schleifen lassen. Keiner in Sicht wie Max Pettenkofer. Der Hygiene-Professor schluckte 1892 freiwillig Cholera-Brühe, weil er überzeugt war, dass die Erreger ihm nichts tun würden. Da irrte er gewaltig, überlebte aber trotzdem. Oder Werner Forßmann - er stach sich 1929 einen selbst gebastelten Katheter in die Ellenbeuge, schob ihn bis zum Herz vor, ging in die Röntgenabteilung und machte eine Aufnahme. Sein Chef, Ferdinand Sauerbruch, hat ihn sofort 'rausgeschmissen. 1956 erhielt Forßmann den Nobelpreis.
Heute müssen für unbewiesene Therapien die Privatpatienten ran. Also nochmals: Danke, liebe Privatversicherte!
Dafür werden sie zuvorkommender behandelt. Einen schönen Satz sagt Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: "Privat Versicherte warten kürzer auf unnötige Operationen und überflüssige Röntgenaufnahmen."
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Besonders schlimm ist, dass ich mich als Privatpatient zunehmend abgezockt fühle. Und dies wird immer schlimmer, je mehr die gesetzlichen Kassen Ihre Leistungen einschränken.
Ging ich früher zum Arzt, dann wurden - abgesehen von Laborleistungen - ungefähr 4 Leistungen pro Behandlungstag abgerechnet; heute sind meist doppelt so viele. Vorsicht ist geboten, wenn noch eine Verrechnungsstelle ihre Hände aufhält bzw. ins Spiel bringt.
Ich frage mich oft, wurden diese Leistungen - Notwendigkeit einmal unterstellt - überhaupt erbracht? Letzte Woche erhielt wieder eine solche Rechnung. Neben den Beratungsleistungen acht technische in 6 Minuten! Muss schwierig gewesen sein, den es wurde der Höchstsatz berechnet! 266 in 6 Minuten.
Eine Postion, die knapp 8 Prozent des Rechungsbetrages ausmachte, war überhaupt nicht berechenbar! Bedauerliches Versehen.
Und so geht das bei allen Ärzten, die ich erstmals oder nur selten aufsuche.
Nun kenne ich mich ein wenig im Gebührenrecht aus. Aber das kann es ja eigentlich nicht sein, dass man künftig mit der GOÄ unterm Arm zum Arzt geht.
Der Vorteil bezüglich der Option "Chefarzt" ist, dass ich bei geplanten Operationen als Privatpatient den operierenden Arzt aussuchen kann. Da ist mir es egal, ob es der Chef- oder Oberarzt usw., hauptsache er ist Spezialist in seinem Gebiet. Wer sich seinen Blinddarm vom Chefarzt operieren lässt ist sowieso selber schuld. Und wer jede Untersuchung über sich ergehen lässt ist auch selber schuld, zumal viele PKVler ja auch einen Selbstbehalt haben.
Das Hirn wird zusammen mit der Plastekarte bei der Sprechstundenhilfe abgegeben und dann wird gemacht was der Arzt sagt,...
Definitiv richtige Einschätzung! Der Deutsche ist nunmal obrigkeitsgläubig. Wenn einer der Weißkittel es so anordnet, wird es auch so sein - basta!
Bedenken müsste man aber auch zusätzlich, dass Privatversicherte erstmal alles aus eigener Tasche vorstrecken müssen und dann mit der PKV abrechnen können. Schon alleine dadurch ist die persönliche Verantwortung deutlich höher, da es hier um's eigene Geld geht und nicht, wie bei den GKV, irgendein Unbekannter die Zeche zahlt, die man nie zu Gesicht bekommt. Ich habe selbst schon mehrfach Rechnungsstellungen korrigieren lassen wegen falscher Inhalte, bis die erbrachte Leistung mit der verrechneten übereinstimmte. Der "Patient" hat eine gehörige Selbstverantwortung und kann als Privater selbst entscheiden. Wie immer im Leben, man ist für sein Tun selbst verantwortlich.
Ich nehme den ausgesprochenen Dank an Privatversicherte gerne an, denn es ist das Klientel der Privatversicherten, dass die große Zahl der GKV-Kunden mit durchfüttert.
gut dieser Artikel ist sehr fordernd geschrieben... soll das Ironie sein?
Natürlich wird die Motivation eines Arztes höher sein, unnötige Untersuchungen bei einem PKVler zu machen deutlich größer sein als bei einem GKVler. Klar, die bekommt er ja gut bezahlt.
Gefährlich wird es, wenn nötige Untersuchungen und Behandlungen bei einem GKVler nicht gemacht werden, weil sich die Zeit für den Arzt nicht lohnt. Dieses Pech hatte ich schon mal, nach einem Unfall war die Schulter kaputt, eine aus heutiger Sicht nötige Kernspin wurde nicht gemacht, da der Arzt das ganze lapidar als normalen Bänderiss abtat. Dankeschön! Die Schulterprobleme habe ich bis heute, da eine OP heute nicht mehr machbar ist. Das passiert einem PKVler wahrscheinlich nicht so schnell.
Das größte Problem im Gesundheitswesen in Deutschland ist die mangelnde Selbstverantwortung des Patienten. Das Hirn wird zusammen mit der Plastekarte bei der Sprechstundenhilfe abgegeben und dann wird gemacht was der Arzt sagt, eine Reflektion erfolgt immer erst dann, wenn es zu spät ist.
Ich für meinen Teil habe schmerzlich gelernt, dass ich für meine Gesundheit verantwortlich bin und kein Schnösel im weißen Kittel.
Grüße
im Alter. Bei der gesetzlichen Rente ist der Beitrag für die Krankenversicherung sehr überschaubar. In der privaten Kasse ist man mit etlichen hundert Euro dabei, pro Person. Was ohne weitere Rücklagen leicht in einem finanziellen Desaster endet.
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