Die günstigsten Medikamente stammen ohnehin aus Indien. In dem Land fehlte bis vor einigen Jahren ein Patentrecht - auf der anderen Seite existiert eine leistungsfähige Industrie, die günstige Generika produziert. Indien ist so zur Apotheke der armen Welt geworden. Die Pharmabranche betrachtet das Land deshalb mit zwiespältigen Gefühlen.

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Zum einen ist Indien mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ein wichtiger zukünftiger Markt. Auf der anderen Seite könnten die vielen Nachahmerprodukte aus dem Land das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie zerstören. "Wer hat denn in der Vergangenheit die Medikamente entwickelt und zur Marktreife gebracht? Das waren immer die Pharmafirmen", argumentiert Thom.

Dem widerspricht Tinnemann: "Von den Forschungsausgaben für neue Medikamente werden 41 Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert." Daraus leitet er eine moralische Verpflichtung ab, die Resultate auch zum Wohl der gesamten Menschheit zu verwerten. Der Bonner Virologe Christian Drosten ist dieser Idee gerade gefolgt. Er hat an der Universität in Bonn mit seiner Arbeitsgruppe einen neuen Test auf Hepatitis C entwickelt und frei zur Verfügung gestellt.

Eigentlich steht das gesamte Genom des Virus unter Patentschutz, und ein Test kostet in Brasilien beispielsweise nehr als 100 Dollar. Drosten fand aber einen Genbereich, der bei der ursprünglichen Sequenzierung übersehen worden war, sein Test beruht nun auf diesem Abschnitt. "Wir hätten gute Chancen auf ein Patent gehabt, doch es wäre mit hohen Kosten und Rechtsstreitigkeiten verbunden gewesen", sagt Drosten. Der Wissenschaftler entschied sich Anfang des Jahres, das Know-How für den Test in dem frei zugänglichen Online-Magazin PloS Medicine zu veröffentlichen. Zudem schickte er an jedes interessierte Labor die nötigen Kontrollreagenzien. "Mehrere Firmen aus Brasilien und Indien haben inzwischen bei uns angefragt", sagt Drosten.

Nach seiner bisherigen Erfahrung aus früheren Patentierungen sei das die sicherste Möglichkeit, um für eine breite Anwendung zu sorgen, sagt Droste. Mit dem Hepatitis-C-Virus sind etwa 170 Millionen Menschen weltweit infiziert. Eine Hauptansteckungsquelle sind Blutkonserven. Ärmere Länder können es sich oft nicht leisten, die Blutkonserven zu prüfen - mit dem neuen Test könnte sich das nun ändern.

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  1. Bedenkliche Patente
  2. Sie lesen jetzt Indien ist die Apotheke der armen Welt
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(SZ vom 24.11.2009/beu)