Blackburn und Szostak kamen auf eine Idee, die nach damaligen Maßstäben geradezu verwegen erschien. Wenn die sich wiederholenden Bausteine die Chromosomen eines Einzellers schützen können - warum nicht auch die eines Hefepilzes? Beide Organismen sind zwar nicht miteinander verwandt, aber trotzdem war das Gemeinschaftsexperiment ein Erfolg. Ausgestattet mit Blackburns DNS-Gestotter überlebten auf einmal auch Szostaks Hefezellen. Die einzigartige DNS-Sequenz der Telomere ist nahezu universell, es gibt sie identisch in Pantoffeltierchen, Pilzen und Primaten.
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Telomere - der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff bedeutet so viel wie "End-Teil" - bestimmen aber nicht nur mit, wie alt ein Mensch wird und wie schnell Zellen altern. Verkürzen sich die Telomere, altern die Zellen früher. Auch für die Krebsentstehung haben die Chromosomenenden eine entscheidende Bedeutung. Krebszellen können sich schließlich unbegrenzt teilen. Welche Rolle spielen die Telomere dabei?
Die dritte Preisträgerin, die 48-jährige Carol Greider, hat entscheidend zur Aufklärung dieses Rätsels beigetragen. Nach ihrem Biologie-Studium promovierte sie bei Elizabeth Blackburn. Diese bewies nicht nur in ihren Experimenten großes Geschick, sondern auch in der Auswahl ihrer Mitarbeiter - für die Karriere eines Wissenschaftlers kann das sehr wichtig sein. Blackburn berichtete ihrer ehemaligen Doktorandin Greider von ihrer vagen Idee, dass die Telomere von einem bislang unbekannten Enzym gebildet werden. Greider wusste um das Risiko, dass das aufwendige Experiment scheitern konnte, trotzdem stimmte sie spontan zu, als Blackburn ihr die Zusammenarbeit vorschlug.
Greider und Blackburn machten sich an die Arbeit, zerhäckselten Einzeller, mischten sie mit DNS-Bausteinen - und am Weihnachtstag des Jahres 1984 hielten sie begeistert ein Blatt Papier in den Händen, auf dem Laien wohl nur ein paar Streifen sehen würden. Die beiden Forscherinnen sahen etwas anderes: Den Beweis, dass Telomere von einem Enzym gebildet werden, das sowohl aus einem Eiweiß als auch aus einer speziellen Variante der Erbinformation besteht. Sie nannten das Molekül Telomerase.
In Krebszellen ist dieses Enzym ungewöhnlich aktiv. Die Tumorzellen teilen sich ungehemmt, ohne dass ihre Chromosomen schrumpfen und die Zellen zugrunde gehen. Im Gegenteil, sie sind unsterblich. Auch Krankheiten des Knochenmmarks, des Immunsystems, der Lunge und der Haut hängen mit der Länge der Telomere und der Aktivität des Enzyms zusammen. Genug zu forschen gibt es für die Preisträger auch weiterhin.
Auch wenn nur Fachleute ihre Forschung nachvollziehen können, haben Blackburn, Greider und Szostak dazu beigetragen, ein uraltes Rätsel der Menschheit zu lösen: Warum altern wir? Das Enzym Telomerase ist zwar in allen Zellen vorhanden, in den meisten jedoch nicht aktiv. Deshalb schrumpfen die Chromosomen trotz der schützenden Telomerkappen langsam. Erst stirbt die Zelle. Mit der Zeit geht dem Organismus die Kraft aus, sich zu erneuern.
Wie wichtig die Entdeckung der Telomere war, zeigte sich schon im Jahr 2007, als Blackburn vom Time-Magazin zu einer der "100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt" gekürt wurde. 2006 war sie mit dem Albert-Lasker-Preis ausgezeichnet worden. Diese Ehrung gilt als Vorauswahl für den Nobelpreis - mehr als die Hälfte der Preisträger wurde später mit dem "richtigen" Nobelpreis geehrt.
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(SZ vom 06.10.2009/jab)
Gysi gegen Lafontaine
" Aktiv ist die Telomerase prinzipiell bei einzelligen Eukaryoten (Protozoen), bei höheren mehrzelligen Organismen jedoch nur in ganz bestimmten Zellen:
in den Zellen der Keimbahn (siehe auch Keimzellen),
in Zellen, die sich sehr häufig teilen müssen, wie den Stammzellen (z. B. Knochenmarkstammzellen) oder den Immunzellen, sowie
in bis zu 94 % aller proliferierender Krebszellen.
Es hat sich allerdings bei Knock-out-Mäusen gezeigt, dass sie mehrere Generationen ohne Telomerase lebensfähig bleiben können. Es wird angenommen, dass die Reparatur der Telomere auch über Rekombinationereignisse vonstatten gehen kann, geklärt ist dies aber noch nicht."
Aus de.wikipedia.org/wiki/Telomer
Quatsch. Das ist kein "Schutz" das ist ein "Timer" ! Damit kann die DNS die Anzahl der Teilungen zählen. Der Alterstod muss programmierbar sein wie jede andere Grösse. Die Natur hat das auf dem einfachsten Weg gelöst.
"...hatten die Nobelpreisträger Barbara McClintock und Hermann Muller vermutet, dass die Enden der Chromosomen den Rest der DNS schützten. "
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Stoßstangen des Lebens, die die 'Karosserie' dahinter schützen, solange es sie gibt.