Eine neue Technik soll vorgeburtlichen Embryotest erleichtern. Eltern mit einem Gendefekt können sich damit untersuchen lassen - aber nicht in Deutschland.
In Großbritannien, wo im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter einem Gentest unterzogen werden dürfen, können sich genetisch vorbelastete Eltern jetzt größere Hoffnung auf gesunden Nachwuchs machen.
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Das Angebot richtet sich an Menschen mit Kinderwunsch, in deren Erbgut eine schwere Krankheit lauert. So trägt jeder vierte Deutsche ein Gen für die tödliche Lungenkrankheit Mukoviszidose in sich, ohne selbst zu erkranken.
Zeugen zwei vorbelastete Eltern ein Kind, ist die Gefahr hoch, dass dieses noch vor seinem 30. Geburtstag an den Folgen des Leidens stirbt. Dass sie die Anlagen für die Krankheit tragen, wissen die Eltern meist nur aus leidvoller Erfahrung: weil sie bereits ein krankes Kind haben oder es in der Familie Betroffene gibt.
Keine Massenscreenings geplant
Schon im Reagenzglas ausschließen ließ sich solches Leiden bisher nur, wenn die Gene für die Krankheiten exakt bekannt waren. Der neue Test, den Ärzte vom Londoner Guy's Hospital auf einer Konferenz in Prag vorstellten, sucht dagegen nicht nach einer bestimmten Mutation.
Es genügt, den ungefähren Ort des Gendefekts zu kennen, und das ist bei deutlich mehr Krankheiten der Fall - bei 6000 statt bisher 200, so die Londoner Forscher.
Um ein Massenscreening gehe es beim Präimplantations-Haplotyping dennoch nicht: Der neue Test werde in Großbritannien kaum für mehr als 100 Familien pro Jahr in Frage kommen.
Zufriedene Eltern
Während Kritiker fürchten, dass sich Ärzte einmal mehr zu Scharfrichtern aufschwingen, sind betroffene Eltern zufrieden: "Ich liebe meinen Jungen", sagt Linda Ball, deren Sohn Muskeldystrophie hat, "aber der Test macht es möglich, dass andere Leute ihr Kind nicht sterben sehen müssen."
Die Londoner Ärzte betonen, dass mit ihrer Methode sogar weniger Embryonen aussortiert würden. So werden heute meist gar keine männlichen Embryonen mehr eingepflanzt, wenn es um Krankheiten geht, die von der Mutter weitergegeben werden, aber nur bei Jungen ausbrechen - obwohl nur jeder zweite Junge krank würde.
In Deutschland bleibt die Embryonenauswahl allerdings verboten; nur zweimal haben Ärzte bisher als politische Notlösung eine unsicherere Technik genutzt. Im Mutterleib aber ist Selektion möglich: Kinder mit Abweichungen können - gleich, wie sie gezeugt wurden - abgetrieben werden.
(SZ vom 20.6.2006)
Riexinger und Kipping führen die Linke