Medizin Fitter Körper, krankes Hirn

Sport kann den kognitiven Verfall nicht aufhalten.

(Foto: Carsten Koall/Getty)

Wer Sport macht, hat ein geringeres Risiko, dement zu werden. Doch wenn die Krankheit erst einmal ausgebrochen ist, kann körperliche Bewegung den kognitiven Verfall nicht mehr aufhalten.

Sport kann Demenz nicht aufhalten. Die Krankheit schreite bei regelmäßigem Training nicht langsamer voran, schreiben britische Wissenschaftler im Fachmagazin British Medical Journal. Es gilt als sicher, dass Sport das Risiko senkt, an Alzheimer oder anderen Formen von Demenz zu erkranken. Bislang war aber umstritten, ob körperliche Bewegung auch das Fortschreiten der Krankheiten verlangsamen kann.

An der Untersuchung nahmen 494 Demenz-Patienten aus England teil. 329 machten bei einem Trainingsprogramm mit: Sie nahmen vier Monate lang zweimal die Woche an 60- bis 90-minütigen Kursen in einem Fitnessstudio teil und sollten darüber hinaus jede Woche noch eine Stunde zu Hause trainieren. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 77 Jahre alt und wurden sechs und zwölf Monate nach Beginn des Programms untersucht. Die Mediziner stellten dabei fest, dass die kognitiven Fähigkeiten bei beiden Gruppen zurückgingen. In der Gruppe mit Sportprogramm waren die Werte sogar schlechter als bei den Patienten, die nicht trainierten. Die Differenz sei aber klein, weshalb die klinische Relevanz der Studienergebnisse "unsicher" sei, betonen die Forscher. Der Demenz-Experte Brendon Stubbs vom Institut für Psychiatrie am King's College in London erklärte, für die Behandlung von Alzheimer-Patienten seien die Ergebnisse "enorm wichtig". Nun sei klar, dass die Suche nach "effektiven Lebensstil-Interventionen", die den kognitiven Verfall aufhalten könnten, fortgesetzt werden müsse.