Das natriuretische Peptid BNP ist einem eingebauten ACEHemmer vergleichbar, wenn auch sein Wirkprinzip mit dem des Medikamentes nicht identisch ist. Als lokales Notwehr-Hormon des Herzmuskels stemmt es sich den Zumutungen des Angiotensin-Aldosteron-Systems entgegen.

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Wenn die Spannung in der Herzkammer eine gewisse Schwelle überschreitet, wenn die Hormone Noradrenalin und Angiotensin II eingreifen und das Herz zu schnell schlägt, dann beginnt in den Zellkernen des Herzmuskels die Expression der Vorstufe des natriuretischen Peptids - sie besteht aus 134 Aminosäuren. Durch zweimalige Spaltung entsteht daraus im Blut schließlich das hormonell aktive Peptid BNP, das die Gefäße erweitert und die Ausscheidung von Wasser antreibt.

Natürlich war es nahe liegend, diesen körpereigenen Botenstoff zu einem Herzmedikament zu entwickeln - was mit einem BNP-Analogon auch erfolgreich geschah. Als Biomarker, also messbarer Parameter, kann das natriuretische Peptid zwar eingesetzt werden - hat aber den Nachteil, dass es relativ instabil ist und schnell abgebaut wird.Anders verhält es sich mit dem Peptidstück, von dem BNP sich in der letzten Stufe seiner Produktion abspaltet, um aktiv zu werden - mit der Verpackung gewissermaßen, aus der es freigesetzt wird.

Dieses 76 Aminosäuren umfassende Peptid nennt man aminoterminales proBNP, kurz NT-proBNP. Weil sich das NT-proBNP nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in der oben beschriebenen Anti-Angiotensin-Aktion verzehren muss wie das BNP, sondern geduldig auf seinen Abbau wartet, ist sein Spiegel im Blut viel höher und stabiler. Seit seiner Einführung in die Labordiagnostik vor vier Jahren hat es sich mehr und mehr als erstaunlich zuverlässiger Indikator der Herzinsuffizienz entpuppt.

Zuverlässiger INdikator

Auch die klinisch schwer diagnostizierbaren diastolischen Dysfunktionen, bei denen die Herzkammern sich unzureichend füllen, bleiben ihm meist nicht verborgen.

"Das Integral der Herzfunktion über die Zeit können wir mit NT-proBNP messen, ohne dass dafür irgendeine Zelle kaputt gehen muss", sagt Christian Holubarsch. Denn während die Diagnostik des Herzinfarktes von Parametern abhängt, die im Blut normalerweise gar nichts zu suchen haben und dort nur nachzuweisen sind, wenn sterbende Zellen sie freisetzen, bilden BNP und NT-proBNP eine natürliche Notwehrfunktion des Herzens ab - BNP wie ein einmaliger Ausguss, NT-proBNP wie dessen stabile Form.

Bei Patienten, die mit akuter Atemnot in die Ambulanz eingeliefert werden, ist die Bestimmung von natriuretischen Peptiden inzwischen zum diagnostischen Standard geworden und ist deshalb in mehreren ärztlichen Richtlinien zu finden.Wenn der Spiegel des Peptids im Blut nämlich nicht erhöht ist, kann eine Herzinsuffizienz sicher ausgeschlossen werden, dem Patienten bleibt die Aufnahme in die Intensivstation erspart und der Arzt kann sich in Ruhe auf die nächsten Schritte der Differentialdiagnostik konzentrieren.

Als Frühwarnsystem und Prognose-Parameter ist NT-proBNP noch nicht etabliert. Immer zahlreicher werden aber die Studien, die den prognostischen Wert der natriuretischen Peptide in der klinischen Wirklichkeit verankern. Beim bedeutendsten Herzkongress der Welt, der Jahrestagung der American Heart Association im vergangenen November in Dallas, wurden ein gutes Dutzend Arbeiten zur Herzinsuffizienz-Diagnostik mit natriuretischen Peptiden vorgestellt. Keine davon war negativ. Alle belegten einen Nutzen der natriuretischen Peptide.

"Mit dem Wert von NT-proBNP können meine Patienten auch nach der Entlassung überwacht und Dekompensationen vermieden werden", sagt Christian Holubarsch. "Noch wichtiger könnte aber künftig die Früherkennung werden." Alle Menschen, die von häufigen Herzkrankheiten in ihrer Familiengeschichte wissen, sollten sich ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig auf erhöhte natriuretische Peptide untersuchen lassen. Dann könne man ein eventuelles Herzversagen noch rechtzeitig bremsen, meint der Chefarzt der Reha-Klinik.

"Wahrscheinlich wird die Bestimmung von NT-proBNP in etwa fünf Jahren zur ärztlichen Routine gehören wie das große Blutbild."

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