Die Herzinsuffizienz gehört zu den schlimmsten Krankheiten der Welt. Fachärzte nennen sie auch "Krebs des Herzens". Sie ist schwer zu diagnostizieren und in fortgeschrittenem Stadium unheilbar - nun gibt es einen Weg der Früherkennung.
Mit einer Krebserkrankung ist die Herzinsuffizienz auch deshalb vergleichbar, weil es schwer ist, sie rechtzeitig festzustellen. Denn ein überlebter Herzinfarkt, von dem die Ärzte inzwischen wissen, dass er das Herz nachhaltig schwächt, ist nur einer von vielen möglichen Gründen für eine Herzinsuffizienz.
Rund 10.000 Liter Blut muss das Herz eines gesunden, aktiven Erwachsenen täglich durch die Aorta in den Körperkreislauf pumpen - damit kann das insuffiziente Herz nicht mithalten. (© Foto: innovate!)
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Es gibt viele andere Risikofaktoren, die weniger eindeutig sind. Rauchen, Bewegungsmangel, erbliche Belastung, Übergewicht, Diabetes, hohes Cholesterin, Herzklappenfehler und virale Infektionen gehören dazu. "Weder die Patienten noch der überwiegende Teil der Ärzte können diese Krankheit richtig einschätzen", betont Professor Holubarsch. "Die Herzinsuffizienz ist ein Chamäleon. Sie tarnt sich so geschickt, dass die Hälfte der Patienten sie gar nicht wahrnimmt und die Hälfte der Hausärzte ihre Symptome nicht immer richtig deutet."
Das liegt auch daran, dass vorwiegend ältere Menschen jenseits der 60 an einer Herzinsuffizienz erkranken. Sie bewegen sich weniger, so dass ihr Herz den ruhenden Körper mit genügend Sauerstoff versorgen kann. Dass sie bei Anstrengungen leicht außer Atem geraten, schieben sie aufs Altern, das ihnen ohnehin alle möglichen Schwierigkeiten bereitet.
Wenn sie dann doch mit den frühen Zeichen einer Herzinsuffizienz - Atemnot, Müdigkeit, geschwollene Beine - zum Arzt gehen, kann dieser ihre Beschwerden aus gutem Grund auch anders interpretieren: Bronchialasthma oder Nierenfunktionsstörung, Unterfunktion der Schilddrüse, chronische Lungenobstruktion oder venöse Gefäßkrankheit.
Die Symptome einer beginnenden Herzinsuffizienz sind unspezifisch, oft schleicht sich die Krankheit sogar ganz ohne klinische Symptome ein. In geradezu drastischer Offenheit präsentiert sie sich oft später, wie bei dem 68-jährigen Patienten, den Christian Holubarsch neulich seinen Studenten in Freiburg vorstellte.
Der schwer atmende Mann war von seinem Hausarzt an die Uniklinik überwiesen worden - mit einer dekompensierten Herzinsuffizienz: Sein Körpergewicht war innerhalb von sechs Wochen von 70 auf 112 Kilogramm angestiegen - weil er all das Wasser eingelagert hatte, das sein schwaches Herz nicht abpumpen konnte. So aufgeschwollen war sein Körper, dass die Unterarme von Wasserblasen übersät waren.
Selbst solche Dekompensationen lassen sich therapeutisch noch in den Griff bekommen. Je öfter sie aber geschehen, desto schneller geht das Leben des Patienten dem Ende entgegen. "Entweder stirbt er einen plötzlichen Herztod, der durch Rhythmusstörungen verursacht wird,", weiß Professor Holubarsch, "oder er stirbt einen langsamen Herztod, weil dessen Pumpkraft immer mehr schwindet."
Je früher die richtige Diagnose gestellt werde, desto leichter ließen sich lebensverkürzende Dekompensationen vermeiden. Oft kann jedoch erst ein Röntgenarzt die Erstdiagnose richtig vermuten, weil er auf einer Thoraxaufnahme ein vergrößertes Herz und Wasser in der Lunge sieht. Der bisherige "Goldstandard" für die Diagnostik einer Herzinsuffizienz ist die Echokardiographie - eine Ultraschalluntersuchung, die einen detaillierten Einblick in Aufbau und Funktion des Herzens gibt, aber einen erfahrenen Untersucher erfordert.
Ein Echokardiographie-Gerät kostet rund 150.000 Euro, so dass es sich in Arztpraxen nicht eben häufig findet. Sogar in Deutschland, das im europaweiten Vergleich noch immer das Land mit den meisten Fachärzten für Kardiologie sei, sagt Holubarsch, müsse man manchmal lange warten, bevor man einen Termin für ein "Echo" bekomme.
"Meine Schwester hatte einmal im Juli, kurz bevor sie mit ihrer Familie in Urlaub fahren wollte, heftige Herzrhythmusstörungen," berichtet er. "Sie fühlte sich abgeschlagen, ihre Hausärztin hat sich sehr für eine rasche Echokardiographie eingesetzt. Sie hat einen Termin für Mitte Oktober bekommen."
Da sei sie dann lieber zwei Stunden Auto gefahren, um sich von ihrem Bruder in der Klinik Entwarnung und grünes Licht für den Urlaub geben zu lassen. "Als Hausarzt hätte ich bei meiner Schwester den BNP-Wert bestimmt", kommentiert der Kardiologe. "Damit hätte ich ohne Echokardiographie eine Herzschwäche eindeutig ausschließen können." Vor elf Jahren, da war er noch leitender Oberarzt an der Universitätsklinik Freiburg, hat Holubarsch das Kürzel "BNP" zum ersten Mal gehört, bei einer von ihm organisierten Konferenz.
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