Gerade die Vorurteile und Ängste der Menschen interessieren die Forscher. "In unserem Kulturkreis gibt es leider eine generelle Technikskepsis", sagt Weiss, "es ist die ewige Angst, dass wir uns selbst die Wesen erschaffen, die uns einst stürzen werden". Werden Roboter die menschliche Arbeitskraft ersetzen? Und wer will überhaupt mit Kollege Roboter zusammen in Labor oder Fabrik stehen?

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Um solche Fragen zu klären, fördert die EU ein internationales Projekt namens Ethicbots, das sich den Problemen des Zusammenlebens von Mensch und Maschine widmet. Doch wenn es darum geht, welche Anforderungen Krankenschwestern, Industriearbeiter und Astronauten an ihre zukünftigen elektronischen Mitarbeiter stellen könnten, tappen die Experten von Ethicbots ebenso im Dunkeln wie Robotiker und Wirtschaftsfachleute. Bisher gibt es kaum empirische Untersuchungen, sondern nur Annahmen und Schätzungen. Ethicbots-Mitglied Rafael Capurro von der Hochschule der Medien in Stuttgart fordert darum schon lange, die Akzeptanz gegenüber Robotern empirisch zu klären: "Bevor man die Geräte großflächig auf den Markt bringt, sollte man erst einmal herausfinden, wie die Menschen auf sie reagieren würden."

Die Befragung in München war die erste in einer Reihe von Untersuchungen, die das interdisziplinäre Salzburger Institut im Rahmen des Projektes Robot@CWE vornehmen will. Im September soll eine erste Auswertung vorliegen, empirische Tests im Labor und in anderen Städten sollen folgen. Letztlich soll so bis 2009 eine Richtlinie entwickelt werden, die angibt, welche Fähigkeiten ein Roboter besitzen muss, um von seinen Mitmenschen akzeptiert zu werden.

Erste Ergebnisse zeigen: "Die Passanten wenden Verhaltensmuster, die sie im Umgang mit Menschen gewohnt sind, auch auf den Roboter an", sagt Astrid Weiss. Die Leute antworten auf die Begrüßungsformel des Automaten, versuchen, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, stellen Fragen. Damit entsprechen sie dem Grundansatz der Akzeptanzforschung in der Robotik: Wenn die Maschine wie ein Mensch agiert, kann dieser einfacher auf sie reagieren.

Ähnlich, aber nicht zu sehr

Darum glauben die Akzeptanzforscher, dass ein Roboter Erfolg haben könnte, wenn er wie ein einfühlsamer Zuhörer auftritt. Er sollte auf Gestik und Mimik reagieren, Blickkontakt halten und die Sprache seines Gegenübers verstehen. Auch das Aussehen ist wichtig: "Tendenziell gilt, dass der Roboter menschenähnlich sein sollte", erklärt Weiss. Dennoch dürfe der Automat nicht vorgeben, etwas zu sein, das er nicht ist: "Sobald man nicht mehr entscheiden kann, ob man nun Mensch oder Maschine vor sich hat, steigt die Angst ins Unermessliche" warnt die Soziologin.

Nicht alle Passanten wünschen sich einen humanoiden Roboter. Viele männliche Befragte bevorzugen eher industrietechnische Automaten mit Greifarm und Zahnrädern, weil diese effizienter seien als menschenähnliche Maschinen. Frauen hingegen geben an, lieber mit einem menschenähnlicheren Gerät arbeiten zu wollen. Ein solches sei ihnen sympathischer. "Frauen nehmen den Roboter eher als soziales Wesen wahr", kommentiert die Soziologin.

Ob Alt oder Jung, Mann oder Frau: Die Angst vor dem Kollegen Roboter hält sich bei den Befragten in Grenzen. Kaum jemand befürchtet, dass eine Maschine ihm dereinst seinen Arbeitsplatz streitig machen könne. Eine Zusammenarbeit halten viele für möglich - wenn es dabei nicht gar zu technisch wird: "Die wenigsten wollten ein Handbuch studieren", sagt Weiss, "sie konnten sich aber vorstellen, einen Roboter mit der Sprache zu steuern".

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(SZ vom 22.8.2007)