Einer Studie zufolge wird die Malaria-Gefahr unterschätzt.

Malaria stellt weltweit offenbar eine wesentlich größere Gefahr dar, als bisher angenommen. Besonders in Südostasien werde die Bedrohung durch die Krankheit völlig unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommen Seuchenexperten in einer Studie, die sie jetzt in dem britischen Fachmagazin Nature veröffentlicht haben. Die Wissenschaftler gehen in ihrer Untersuchung für das Jahr 2002 von jährlich etwa 515 Millionen akuten Malariaerkrankungen weltweit aus. Diese Schätzungen liegen um 50 Prozent höher als die Zahlen, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das gleiche Jahr ansetzt.

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Für die Gebiete außerhalb Afrikas - auf diesem Kontinent ist die Krankheit besonders weit verbreitet - gehen die Forscher davon aus, dass die Zahl der Malariafälle sogar um 200 Prozent über den Annahmen der WHO liegt (1).

Weltweit seien 2002 etwa 2,2 Milliarden Menschen dem Risiko einer Malaria-Infektion ausgesetzt gewesen, heißt es in der Studie. Das entspricht etwa einem Drittel der Weltbevölkerung. Die meisten akuten Erkrankungen, die der Parasit Plasmodium falciparum auslöst, werden in Afrika registriert. Auf diesem Kontinent wurden 2002 laut der Veröffentlichung in Nature etwa 70 Prozent der weltweiten Malariafälle festgestellt.

In den dicht besiedelten Ländern Süd- und Südostasiens gab es demnach 25 Prozent der weltweiten Erkrankungen an Malaria. Für 1998 war die WHO dagegen von 273 Millionen Fällen weltweit ausgegangen, 90 Prozent davon in den Ländern Afrikas. Die Forschergruppe erklärt diese Diskrepanz damit, dass die WHO unzureichende statistische Methoden verwende und so die tatsächliche Malaria-Gefahr um 50 Prozent zu niedrig ansetze.

Amtliche Statistiken oft fehlerhaft

"Wenn wir das Ausmaß des Problems nicht kennen, wissen wir auch nicht, wie viel Geld wir zu seiner Eindämmung ausgeben müssen", sagen die Autoren. Die WHO stütze sich in fast allen Ländern außerhalb Afrikas auf so genannte passive Schätzungen. Das heißt, die Organisation wertet nur Zahlen aus, die nationale Gesundheitsbehörden von sich aus melden, statt selbst aktiv nach Daten zu fragen.

Die amtlichen Statistiken vieler Länder seien aber oft fehlerhaft, warnen die Wissenschaftler. So werde die Malaria-Gefahr in Brasilien im Verhältnis eins zu drei, in Pakistan sogar im Verhältnis eins zu tausend unterschätzt. Für Afrika gebe es statt dessen ein genaueres Bild, da die WHO sich dort wegen der sehr viel schlechteren Gesundheitsversorgung vor Ort selbst aktiv Daten besorgt.

Die Autoren der Nature-Studie bezweifeln außerdem, dass die internationale Gemeinschaft ihr Ziel erreichen kann, die Zahl der Todesfälle durch Malaria zwischen 1998 und 2010 zu halbieren. Zu viele Erreger, die durch Stiche der Anopheles-Mücke übertragen werden, sind mittlerweile gegen Prophylaxe-Mittel resistent.

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(Süddeutsche Zeitung vom 10.3.2005)