Von Thomas Bührke

Bislang meinten die Astronomen, die Magellanschen Wolken seien Satellitensysteme, die unsere Milchstraße umkreisen. Doch die Galaxien ziehen an ihr vorbei.

Wer schon einmal auf der Südhalbkugel der Erde war, hat sie vielleicht gesehen, die Große und Kleine Magellansche Wolke.

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Nur mal eben zu Besuch: die kleine Magellansche Wolke. (© Foto: AFP)

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Bislang meinten die Astronomen, diese beiden 160.000 und 200.000 Lichtjahre entfernten Galaxien seien Satellitensysteme, die unsere Milchstraße umkreisen.

Doch jetzt kommt eine Astronomengruppe um Gurtina Besla und Nitya Kallivayalil vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, USA, zu dem überraschenden Schluss, dass die beiden Wolken vor ein bis drei Milliarden Jahren ankamen und gewissermaßen nur auf der Durchreise sind.

Diese Sichtweise beruht darauf, dass sich nach Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble die beiden Sternsysteme erheblich schneller bewegen als bislang angenommen.

Das lässt nach Beslas Ansicht nur zwei Erklärungsmöglichkeiten zu: Entweder die Milchstraße ist wesentlich massereicher als gedacht, sodass sie die schnellen Sternsysteme an sich binden kann. Das würde aber anderen Beobachtungen widersprechen. Oder aber die Magellanschen Wolken sind nicht an die Milchstraße gebunden und befinden sich zufällig in ihrer Nähe.

Das wirft ein neues Problem auf: Die beiden Galaxien ziehen einen langen Schweif aus Wasserstoffgas hinter sich her. Bislang glaubten die Astronomen, dieser Magellansche Strom habe sich aus den Sternsystemen herausgelöst, als diese die Milchstraße durchquerten. Nach Beslas Theorie ist dies aber nie passiert.

"Die Ursache des Magellanschen Stroms bleibt eine offene Frage", schreiben die Astronomen in ihrer Arbeit, die demnächst im Astrophysical Journal erscheinen wird.

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(SZ vom 19.9.2007)