Ein Arzt weiß, was er tut - sonst könnten ihm die Patienten ja nicht vertrauen. Und wenn er doch mal unsicher ist, gibt es noch die Leitlininen der Fachgesellschaften. Viele Ärzte kennen die allerdings gar nicht.
Als Patient rechnet man damit, dass der Arzt weiß, was er tut. Der Doktor hat ja studiert, eine Ausbildung, und muss sich auch regelmäßig fortbilden. Und falls sich der Arzt nicht sicher ist, gibt es Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften. In denen ist der aktuelle Stand des Wissens zusammengefasst.
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Wenn ein Arzt nicht mehr weiter weiß, dann kann er in die Leitlinien seiner Fachgesellschaft schauen. (© AP)
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Doch viele Ärzte kennen diese Leitlinien nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Köln, die im Deutschen Ärzteblatt erscheint (Bd. 108, S. 61, 2011).
An der Studie der Versorgungsforscher und Kardiologen um Ute Karbach nahmen mehr als 1100 Arztpraxen im Rheinland und in Sachsen teil. Die Hausärzte mussten in einem Fragebogen je fünf Fragen dazu beantworten, wie sie Patienten mit Herzschwäche, Bluthochdruck und einer Verengung der Herzkranzgefäße behandeln würden.
Wurden zwei Drittel der 15 Fragen richtig beantwortet - inklusive dreier "Kardinalfragen" zur richtigen Definition des Bluthochdrucks, der angemessenen Diagnostik bei Herzschwäche und der optimalen Therapie bei verengten Kranzgefäßen - galt die Kenntnis der Leitlinien als gut und angemessen.
Dieses Ziel erreichten nur 40 Prozent der Ärzte. Besonders frappierend waren die Unterschiede zwischen den verschiedenen Krankheiten. Mit der Koronaren Herzkrankheit (KHK), wie verengte Kranzgefäße medizinisch bezeichnet werden, kannten sich immerhin 74 Prozent der Ärzte aus. Beim Bluthochdruck wussten jedoch nur elf Prozent über die optimale Therapie Bescheid, bei der Herzschwäche waren es lediglich 24 Prozent.
Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass Patienten mit Herzkreislaufleiden nicht immer die beste wissenschaftlich gesicherte Diagnostik und Therapie bekommen. Wenn Ärzte sich besser fortbilden und Leitlinien befolgen, kommt das den Kranken hingegen zugute.
Zumindest in einer Stichprobe dieser Studie war es für die Patienten jedoch nicht von Nachteil, wenn die Ärzte nicht genau wussten, was in den Empfehlungen ihrer Fachgesellschaften steht. Die Forscher verglichen das Wohlergehen der Kranken in 15 Praxen, in denen die Ärzte schlecht in den Befragungen abgeschnitten hatten, mit Kranken in 15 anderen Praxen, deren Inhaber die Leitlinien besonders gut kannten. Ein Unterschied war, wie die Autoren verwundert bemerken, kaum festzustellen:
Etliche Ärzte machten offenbar trotz mangelnder theoretischer Kenntnisse in ihrer Behandlungsroutine vieles richtig. Dennoch sollten Patienten mit Herzkreislaufleiden in Deutschland noch besser medizinisch betreut werden. Dazu müssen Ärzte nicht nur wissen, was wirkt und hilft, sondern es auch umsetzen.
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(SZ vom 01.02.2011/mcs)
- Assistenzarzt Neurologie (m/w)– MEDICAL PARK LOIPL, Bischofswiesen/Loipl
- Diplom-Betriebswirt (m/w) im Servicecenter Patientenmanagement– medbo – Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz GmbH, Neustadt a.d. Waldnaab
- Mitarbeiter/in Patientenverwaltung– Frauenklinik Dr. Geisenhofer GmbH, München
Demonstrationen in Hamburg
Leider kamen die Autoren nur zum Wundern, nicht jedoch dazu, den Widerspruch zwischen Studie und tatsächlich ausgeübter Heilkunst zu erklären. Deshalb möchte ich dies hier exklusiv tun. Es war nämlich so, dass die 1.100 Ärzte sich offensichtlich veralbert fühlten ob der zudringlichen Fragebögen, und so spaßeshalber mal richtige, mal falsche Antworten gaben. Allerdings vergaßen diese Ärzte dann, auch ihre Patienten mal richtig und mal falsch zu behandeln. So entstand bedauerlicher Weise der oben genannte verwunderliche Widerspruch. Außerdem wurde die Studie sicherlich nicht an Kassenpatienten verifiziert, denn Kassenpatienten werden ja von Ärzten immer falsch behandelt, gegn Geld versteht sich!
die Werbekalender u.ä. der Pharmafirmen erhalten, auf denen steht, der Patient hat diese Beschwerden, dann braucht er folgende Medikamente, ist mir um die Ärzteschaft nicht bange.
ist DIE Schlüssel-Qualifiaktion, das Add.On, einer Informations-Gesellschaft. In 99 % aller Alltagsfragen ist man doch der Nicht-Fachmann.
Diesen Paradigman-Wechsel scheint manche Leute peinlichst unter Decke halten zu wollen.
Die niedergelassenen Ärzte arbeiten komplett frei von einer qualitativen Beurteilung ihrer Behandlung. So wird es weder erkannt, geschweige denn in irgendeiner Weise sanktioniert, wenn z. B. völlig überholte Therapiekonzepte zur Anwendung kommen.
Die vorgeschriebenen Fortbildungen können auf verschiedenste Weise erreicht werden. Das reicht von der (mühsam als Fortbildung getarnten) Werbeveranstaltung Pharmaindustrie bis hin zum Seminar, wie mit den so genannten "Individuellen Gesundheitsleistungen" (IGeL) der Praxisertrag gesteigert werden kann.