Hinter FKK-Bewegungen stecken womöglich weniger Provokation und Gesellschaftskritik als vielmehr - na ja, ziemlich private Probleme. Eine Vermutung aus dem SZ Wissen.
Beim Exhibitionismus hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Wir erinnern uns: Früher war diese verschrobene Kulturtechnik ein paar verkorksten Männern vorbehalten, die unterm Trenchcoat nichts anhatten, und diesen Trenchcoat deshalb vor einer Gruppe Andersgeschlechtlicher schnell öffneten und wieder schlossen. Zahllose Karikaturen und Sketche arbeiteten mit diesem Topos und, Gott ja, sie war auch ziemlich armselig, diese verstohlene Blankzieherei.
Auch Jogger laufen gern mal nackt. (© Foto: AFP)
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Stundenlang hinter Büschen und auf einsamen Parkplätzen lauern wie eine geisteskranke Elster, um dann in dem einen Augenblick, da eine Frau vorbeigeht, die Frackschöße zu raffen und - na ja. Heute ist es keineswegs so, dass es den Exhibitionismus nicht mehr gäbe. Er kommt nur anders, und zwar ungleich offensiver und selbstverständlicher daher, und das Ganze heißt jetzt nicht mehr Exhibitionismus, sondern fast loungeartig "Nude in Public".
Das ist ein bisschen so wie mit Werther's Echte, die heute Werther's Original heißt, aber innen drin ist immer noch das alte steinharte Opa-Bonbon. Anders gesagt: "Nude in Public" ist immer noch Exhibitionismus, nur besser verkauft.
Personen, die das unwiderstehliche Bedürfnis haben, ihr Geschlechtsteil Gegengeschlechtlichen zu zeigen - so lautet ja die Definition von Exhibitionismus -, verabreden sich heute vorzugsweise per Internet zu gemeinsamen entspannten und entblößten Spaziergängen durch Deutschlands Innenstädte.
Wenn zwei Exhibitionisten nackt und frei durch eine Fußgängerzone flanieren, sieht das auf den ersten Blick frech, frisch und überraschend aus. So, als hätten sie der bekleideten Welt ein Schnippchen geschlagen; als würden sie den Passanten zurufen: Traut euch auch, denn unter eurer zweckmäßigen Freizeitkleidung seid ihr doch nackig wie wir! Das Problem ist nur: Die meisten Passanten haben weder Lust noch sehen sie die Notwendigkeit, ihr Geschlechtsteil Andersgeschlechtlichen vorzuführen, weil sie mit Recht davon ausgehen können, dass dessen anatomische Beschaffenheit selbst den Andersgeschlechtlichen vertraut ist.
Wer bei Google "Nude in Public" eingibt, bekommt Seiten präsentiert, auf denen nackte Frauen und Männer an angezogenen Frauen und Männern vorbeiflanieren und sich erstaunlicherweise nicht blöd dabei vorkommen. Eine davon ist Yvette, eine brünette, einfache, junge Frau aus Berlin, deren Credo lautet: "Ich liebe es, mich vor der Kamera gehen zu lassen und das, soweit es möglich ist, natürlich auch unter fremden Blicken".
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Sie haben mit Ihrem Artikel ja so recht!
Die widernatürliche Entblößund des nacktgeborenen Menschen ist einfach nur EKELHAFT!
Und dann das viele Fell, was sich diese haarigen Exhibitionistenmonster vom Leib reißen -- gibt es da nicht Mittel dagegen, dass ein Rechtsstaat hier einschreitet? Es darf keinen bekleidungsfreien Raum in dieser Gesellschaft geben! Die peinliche Befragung solcher Gestalten sollte wieder eingefuehrt werden! Kann nicht der Ueberwachungsstaat hier zum Wohle unserer Kinder taetig werden, vielleicht durch mehr Kameras? Vielleicht gar nach dem effizienten Vorbild muslimischer Moralwaechter, was Kopftuchgebote angeht? Von Steinigung muss ja nicht gleich die Rede sein, aber ein bischen Dornenkranz tragen sollte doch schon irgendwie rechtsstaatlich vertretbar sein!? Oder alle in die Gartenkolonie "Arbeit macht frei!" einladen?
Sueddeutsche "Wissen" mit Intimitaeten austauschenden Coverfiguren -- darueber kann ich hinwegsehen, aber ueber Ihren "Journalismus" nicht!
Ich muss sagen, dass ich ausserordentlich entsetzt bin. Einen solch undifferenzierten Artikel habe ich ja noch nie in der Süddeutschen gelesen (lesen müssen?).
Ich sehe mich nicht als besonders überzeugten FKK Anhänger, aber wenn hier wirklich das Fell eines Tieres mit der Kleidung eines Menschen verglichen wird (sic!) wird doch recht schnell klar wie wenig ernsthaft sich hier mit dem Thema auseinandergesetzt wurde. Kein Tier käme überhaupt auf die Idee sich Kleidung überzuziehen, einzig der Mensch macht dies zwar (oft auch begründet) aber besonders beim Schwimmen oder Sonnenbad komplett sinnbefreit. Was macht es für mich für einen Unterschied ob ich das Genital eines Menschen sehe oder seinen Ellebogen?
Wieso sollen bestimmte Körperteile eines Menschen mehr versteckt werden nur weil sie der Fortplanzung dienen?
Ich kann akzeptieren, dass manche Menschen aufgrund ihrer Sozialisation ein Problem mit Nacktheit in der Öffentlichkeit haben, aber umgekehrt ist es es polemisch und traurig Leute die das nicht so sehen pauschal als Sittenstrolche über einen Kamm zu scheren.
Die Sueddeutsche ist leider wirklich am Absteigen.
Es geht weniger um einen Artikel zur FKK Kultur, sondern eher darum, dass man sich sicher sein kann, dass man, wenn man auf die Homepage der Zeitung geht auf jeden Fall mindestens einen Artikel vor die Nase gesetzt bekommt, der sich mit dem Thema Sexualität beschäftigt (etwa dieser: Nude in Public - Mythos Monogamie).
Keine Sorge, ihc bin nihc terzkatholisch. Bloss: Was sollen all diesse Artikel? Das erste Bild, das sich beim laden der homepage öffnete (30.6.09; 17.30 Uhr), war das eines Bikini--Mädchens, alleroberste Zeile der Seite (Überschrift: Hübsches Nichts, eine Slideshow zum Bikini).
Sorry: Wenn ich mir Bikini-Mädchen ansehen möchte, gehe ich wohl kaum auf die Süeddeutsche. Auch sonst wird der Panorama-Teil in der Online-Ausgabe übermächtig.
Finde ich niciht gut. Ich nutze die Süddeutsche, um mihc über Tagesgeschehen zu informieren. Das ist sicher nicht die zeitung eines Heribert Prantls und auch nicht mehr meine. Da finde ich es bedauerlich, das eine so gute Zeitung so absteigt.
"Seriös ist anders. "
Stimmt. Und leider muss ich sagen: Die SZ ist schon lange keine wirklich seriöse Zeitung mehr, das zeigt sich leider in sehr vielen Artikeln, auch zum aktuellen Weltgeschehen. Irgendwie scheint die Chef-Etage sie langsam zu einer Art zweiter BUNTEn transformieren zu wollen.
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