Lebensmittel Forscher empfehlen Natron, um Obst zu waschen

Äpfel können geringe Spuren von Pestiziden enthalten - gesundheitlich ist dies meist jedoch unbedenklich.

(Foto: dpa)
  • US-Lebensmittelforscher haben in einem Experiment ermittelt, dass Natron sich sehr gut dazu eignet, Pestizid-Rückstände von Obst zu entfernen.
  • Der in vielen Backpulvern enthaltene Stoff säubert Äpfel laut der Studie besser als eine in der Industrie weitverbreitete Methode.

Lebensmittelchemiker haben eine Methode entdeckt, um Obst und Gemüse besonders rein zu waschen. Im Fachblatt Journal of Agricultural and Food Chemistry schreiben die Forscher, dass in Wasser gelöstes Natron am besten geeignet sei, um Pestizid-Rückstände von Äpfeln zu entfernen.

Rund 500 Pestizide sind derzeit in der EU zugelassen, für die Rückstände auf Obst und Gemüse gelten allgemein strenge Grenzwerte. Um sie einzuhalten, waschen Lebensmittelproduzenten in den USA Früchte häufig mit einer chloridhaltigen Lösung, in Europa wird im Fall von Äpfeln meist Wasser verwendet. US-Ernährungsforscher der University of Massachusetts haben in der aktuellen Studie zunächst untersucht, wie gut diese herkömmliche Technik Rückstände von Thiabendazol und Phosmet entfernt. Diese zwei Pestizide sind auch in Europa zur Behandlung von Früchten zugelassen.

Bei der Untersuchung stellten die Wissenschaftler fest, dass die Chloridlösung die Äpfel nicht sonderlich gründlich von den Pflanzenschutzmitteln befreite. Als deutlich effizienter entpuppte sich dagegen das Waschen der Äpfel mit Natriumhydrogencarbonat, auch als Speisenatron oder Backsoda bekannt und beispielsweise in Backpulver enthalten. Diese Lösung entfernte 80 Prozent des aufgetragenen Thiobendazol und 96 Prozent des Phosmet.

Gründlich mit Wasser abwaschen ist meist ausreichend

Dass die Pestizide nicht vollständig abgewaschen werden konnten, liegt auch daran, dass die Stoffe ins Innere der Früchte gelangen können. Die Lebensmittelchemiker beobachteten im Experiment, dass ein Teil des Thiobendazol nach 24 Stunden Einwirkzeit bis zu 80 Mikrometer - knapp ein zehntel Millimeter - in den Apfel eindrang, Phosmet 20 Mikrometer. In dieser Tiefe würden die Mittel dann nicht mehr herausgewaschen, die Pestizide blieben irreversibel gebunden.

Die Erkenntnisse dürften vor allem für die Industrie interessant sein. Für den Haushalt ist sie nur bedingt geeignet: Denn das Natron muss mit 15 Minuten relativ lange einwirken, um die Pestizide zu entfernen. Als Alternative bringen die Forscher ins Spiel, Äpfel vor dem Verzehr zu schälen. Dann gingen allerdings auch wichtige Nährstoffe in der Schale verloren. Durch gründliches Abwaschen mit kaltem Wasser kann schon ein großer Teil der Pflanzenschutzmittel entfernt werden, haben andere Studien ergeben. Geringe Reste von Pestiziden sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung gesundheitlich auch unproblematisch.

Weitgehend frei von Pestiziden sind Öko-Produkte, da der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide im Biolandbau größtenteils ausgeschlossen ist. Waschen sollte man jedoch auch Bio-Früchte unbedingt vor dem Verzehr.

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