Landwirtschaft Warum sich das Bio-Siegel für Bauern lohnt

Für das Bio-Siegel können Bauern Preisaufschläge bis zu 32 Prozent verlangen.

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Ein Vergleich zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft zeigt: Öko-Anbau kann profitabler sein, auch wenn die Erträge geringer ausfallen und Öko-Äcker mehr Arbeit machen.

Von Hanno Charisius

Obwohl ökologisch bewirtschaftete Flächen weniger Ertrag liefern und mehr Arbeit bereiten als intensiv beackerte Feldstücke, können sie unter Umständen einen größeren Gewinn abwerfen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei amerikanische Agrarforscher, nachdem sie Daten zu 55 Pflanzenarten aus 40 Jahren und verschiedenen Ländern miteinander verglichen hatten.

Bereits ab einem Preisaufschlag von sieben Prozent seien Produkte aus Öko-Landwirtschaft genauso profitabel wie solche aus konventioneller Erzeugung, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS.

David Crowder und John Reganold von der Washington State University sammelten Daten aus 44 Wirtschaftlichkeitsstudien aus aller Welt, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der beiden Bewirtschaftungssysteme miteinander zu vergleichen. Bei den 55 untersuchten Pflanzenarten lag der Ertrag auf ökologisch bewirtschafteten Flächen im Schnitt 18 Prozent unter dem von konventionell bewirtschafteten. Gleichzeitig musste zwischen sieben und dreizehn Prozent mehr Arbeit in die Öko-Äcker gesteckt werden. Dafür können die Öko-Bauern bis zu 32 Prozent höhere Preise fordern, als ihre Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft.

Preise für Öko-Produkte seit 40 Jahren stabil

Diese Werte schwanken stark, abhängig von der Feldfrucht, vom Anbauland und vom Markt. Die Durchschnittswerte hätten ihn dennoch überrascht, sagt der Bodenforscher und Agrarexperte Reganold. "Das bedeutet, dass ökologische Landwirtschaft noch sehr stark wachsen kann, selbst wenn der Öko-Bonus mit der Zeit sinkt." Die Preise für Öko-Produkte seien in den vergangenen 40 Jahren jedoch weitgehend stabil geblieben.

Nach einer aktuellen Schätzung der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) wird weltweit gerade einmal ein Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen zertifiziert ökologisch bewirtschaftet. Gut 40 Prozent dieser Flächen liegen in Australien, 27 Prozent in Europa, wobei diese Äcker nur 2,4 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Europas ausmachen.

Wie die wachsende Weltbevölkerung ernähren?

Warum der ökologisch bewirtschaftete Flächenanteil nicht rapide wächst, begründen Crowder und Reganold mit der langen Umstellungsphase zwischen den Bewirtschaftungssystemen, während der die Erträge bereits sinken, der Arbeitsaufwand steigt, aber noch kein Öko-Aufschlag angerechnet werden kann.

Wie sich die wachsende Weltbevölkerung allein durch Öko-Anbau ernähren ließe, erklärt die Studie nicht. Andere Forscher argumentieren, dass es sinnvoller wäre, möglichst hohe Erträge aus einem Flurstück zu ziehen und den Rest der Landschaft dafür unberührt zu lassen. So werden zwar weite Landstrich stark beeinträchtigt, aber insgesamt doch weniger Fläche verändert, als wenn man komplett auf Öko-Wirtschaft umsteigen würde.