Landeanflug der neuen Nasa-Mars-Sonde "Sieben Minuten Terror"

Ein derart kompliziertes Anflugmanöver hat es im Weltraum noch nie gegeben: Mit Hochspannung erwarten Nasa-Wissenschaftler am Montagmorgen die Landung der neuen Mars-Sonde "Curiosity". Sie soll die Frage beantworten, ob irgendwann Leben auf dem Roten Planeten möglich war - oder noch möglich ist.

Von Alexander Stirn

Gäbe es Lebewesen auf dem Mars, könnten sie sich am kommenden Montag auf ein interessantes Spektakel gefasst machen: Mehrere Minuten lang wird eine fliegende Untertasse durch die Atmosphäre des Planeten rasen und einen Feuerschweif hinter sich herziehen. Sie wird, wenn alles glattgeht, an einem Fallschirm herabsinken, Bremsraketen zünden und schließlich ein Vehikel von der Größe eines kleinen Autos abseilen. Besuch aus einer fernen Welt.

Eine künstlerische Darstellung des Rovers "Curiosity" auf dem Mars.

(Foto: dpa)

Die fliegende Untertasse heißt Mars Science Laboratory, kurz MSL. Mit einem Gewicht von etwa dreieinhalb Tonnen ist sie das mit Abstand größte und komplizierteste Raumfahrzeug, das jemals den Roten Planeten angesteuert hat. John Grunsfeld, Wissenschaftschef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, spricht sogar von der "schwierigsten unbemannten Mission, die wir bislang unternommen haben". Ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen.

Auf der Pressekonferenz zur anstehenden Landung gab sich Grunsfeld dennoch optimistisch: "Auch wenn die Herausforderung enorm ist, habe ich großes Vertrauen in eine erfolgreiche Landung." Muss er auch, schließlich stehen die Amerikaner gehörig unter Druck: Das Geld für die Raumfahrt ist knapp, das Mars-Programm liegt am Boden. MSL wird für viele Jahre die letzte große Mission sein, die sich an der Erkundung der staubigen Oberfläche versuchen soll. Das macht das Unterfangen nicht einfacher.

"Sieben Minuten Terror", so hat die Nasa die entscheidende Phase ihrer 2,5 Milliarden Dollar teuren Mission überschrieben. Wobei noch gar nicht klar ist, ob der Landeanflug von MSL, dessen erfolgreicher Abschluss für Montag 7.31 Uhr deutscher Zeit geplant ist, nicht vielleicht auch sechs oder acht Minuten dauert - zu dynamisch sind die Verhältnisse in der Mars-Atmosphäre, in der Staubstürme, Windböen und Tiefdruckgebiete wüten.

Sicher ist: Um unbeschädigt auf der Oberfläche anzukommen, muss die Sonde innerhalb weniger Minuten eine komplexe Abfolge von Kommandos ausführen. Jede Aktion hängt dabei - ähnlich wie umfallende Dominosteine - von einer anderen, zuvor erfolgreich absolvierten Aufgabe ab. So müssen allein 76 Sprengladungen gemäß einer genauen Choreografie gezündet werden, um Abdeckungen zu entfernen und Kabel zu kappen.

Auf Hilfe von der Erde kann MSL dabei nicht setzen: 248 Millionen Kilometer liegen am Tag der Landung zwischen der Erde und dem roten Nachbarplaneten. Ein Funksignal braucht, obwohl es mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, für die einfache Strecke knapp 14 Minuten. "Wenn wir endlich mitbekommen, dass unser Raumfahrzeug die obersten Schichten der Atmosphäre erreicht, befindet es sich bereits sieben Minuten lang auf der Oberfläche - tot oder lebendig", sagt Adam Steltzner, Entwickler der Landesequenz von MSL.