Tempo 30 und Nachtfahrverbot von LKW in Städten - Umweltverbände fordern besseren Lärmschutz.

Lärm macht krank: Deswegen fordern führende Umweltverbände einen besseren und gesetzlich verankerten Lärmschutz. "Menschen, die an Straßen mit einem Lärmpegel von 65 Dezibel wohnen, haben ein 20 Prozent höheres Herzinfarktrisiko als Menschen, die in Ruhe leben", sagte der Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, Axel Friedrich, am Dienstag in Berlin. Rund 80 Prozent der Bevölkerung beschwere sich über zu viel Lärm. Am (morgigen) Mittwoch findet der internationale Tag gegen Lärm in Deutschland zum siebten Mal statt.

Anzeige

Der Bundesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Gerhard Timm, forderte die Bundesregierung auf, ein Lärmschutzgesetz zu verabschieden. "Bisher gibt es keinen ausreichenden Schutz vor der Umweltplage Lärm", sagte er. Das im Grundgesetz verankerte Recht auf körperliche Unversehrtheit müsse aber Konsequenzen haben. Nur mithilfe eines Gesetzes könnten sich Betroffene wehren, könnten laute Gebiete beruhigt und ruhige Zonen vor den Folgen weiterer Zersiedlung und des Straßen- und Flughafenausbaus bewahrt werden.

Lärmgrenzwerte für Motorräder

Der Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Thomas Schaller, schlug in den Städten ein Tempo-30-Limit sowie ein generelles Nachtfahrverbot für LKW vor. Auf Autobahnen könnten Tempolimits in Siedlungsnähe von 100 Kilometer pro Stunde für PKW und 60 Kilometer pro Stunde für LKW den Lärm deutlich mindern. Für Motorräder müssten wirksame Lärmgrenzwerte eingeführt werden. Zudem bedürfe es einer Novelle des Fluglärmgesetzes sowie einer verstärkten Lärmsanierung von Schienenstrecken.

Vor allem Kinder sind gefährdet

Friedrich betonte, dass Lärm nicht nur krank mache, sondern zudem das Gehör schädige, das Lernvermögen verringere und die Konzentration störe. Das gelte im Besonderen für Kinder. Eine Studie hätte ergeben, dass Schüler, die in der Nähe eines Flughafens wohnten, schlechtere Lernergebnisse erzielt hätten als solche, die in ruhigen Gegenden lebten. Lärm setze die Leistungsfähigkeit der Menschen stark herab und verursache auf diese Weise auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. Noch immer mangele es an Aufklärung über die Folgen von Lärmbelastungen sowie an Maßnahmen zur Lärmbekämpfung.

(sueddeutsche.de / AP)

Leser empfehlen