Ein Kommentar von Werner Bartens

Gesundheitsversorgung muss nicht immer teurer sein. Pure Interessenpolitik treibt die Kosten in die Höhe - und schadet den Patienten.

Die Kassenbeiträge steigen, und die Versicherten nehmen es mit viel Resignation und wenig Empörung hin. Gesundheitspolitiker schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Die Diskussion um Kopfpauschale, Bürgerversicherung und Zusatzbeiträge ist so ermüdend wie undurchsichtig.

Krankenversicherung, Medikament, ddp

Nur wenige Mittel wären notwendig, um den Menschen zu mehr Gesundheit zu verhelfen - doch bezahlt wird auch viel Überflüssiges. (© Foto: ddp)

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Der Bürger wendet sich enttäuscht ab und zahlt. Ihren Krankenversicherungen bleiben die meisten Menschen länger treu als dem Partner. Dabei geht die neueste Preissteigerung der Gesundheitspolitik in mehrfacher Hinsicht auf Kosten der Versicherten.

Seit Jahrzehnten wird es für ein Naturgesetz gehalten, dass die Medizin immer teurer werden muss. Diese Grundannahme ist falsch. Ständig betonen Gesundheitspolitiker aller Couleur, dass Medizin deshalb immer mehr kostet, weil die Menschen immer älter werden.

Das ist Unsinn. Mehr als 80 Prozent der medizinischen Ausgaben für einen Menschen entstehen im Jahr vor seinem Tod - egal, ob das Ende mit 40, 80 oder 100 Jahren kommt.

Menschen, die früh sterben, sind sogar teurer, denn um einen 50-Jährigen zu retten, wird mehr Aufwand betrieben, als um das Leben eines 95-Jährigen zu verlängern. Die jedes Jahr um drei Monate steigende Lebenserwartung erklärt also keineswegs die Kostenexplosion.

Marketing statt Forschung

Dass der medizinische Fortschritt die Medizin teurer macht, gehört ebenfalls zu den Grundannahmen im Gesundheitswesen. Ist das so? Seit Jahren scheitern die Gesundheitsminister daran, eine Positivliste einzuführen. Darauf wären ungefähr 1500 Medikamente verzeichnet, die nach Expertenmeinung für die Behandlung im Krankenhaus reichen würden.

Ein niedergelassener Internist käme demnach mit 500 Mitteln aus, ein Hausarzt mit 150. Nur diese Arzneimittel sind nötig und sollten erstattet werden. Nicht allein um Kosten zu sparen, sondern vor allem zum Segen der Patienten - denn die Liste enthält nur, was tatsächlich hilfreich und nützlich ist.

Die hiesigen Pharmaunternehmen geben den Großteil ihres Etats für Marketing aus, nicht für Forschung. Viele angebliche Innovationen sind Me-too-Präparate - Nachahmermittel, die nicht besser, sondern nur teurer sind als ihre Vorgänger. Auf den Markt kommen sie dennoch.

Erst nachträglich kann ein Medikamenten-TÜV den Nutzen in Frage stellen. Eine der ersten Handlungen der neuen Regierungskoalition bestand darin, den pharmakritischen Chef des Prüf-Instituts aus dem Amt zu drängen, mit zweifelhafter Begründung.

Doch alle Gesundheitsminister von Seehofer bis Schmidt knickten ein, wenn Pharma-Lobbyisten drohten, dass Tausende Arbeitsplätze verlorengehen könnten, wenn die internationalen Arzneimittelhersteller ihre Produktionsstätten verlagern.

Deshalb gibt es auch mehr als 50.000 Präparate. Nirgends steht, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung den Profitinteressen einer Branche untergeordnet werden muss.

Auf Seite 2: Wo die Kassen noch einsparen könnten - und warum das nicht geschieht.

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  2. Einsparen - und besser versorgen
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