Gesundheitsversorgung muss nicht immer teurer sein. Pure Interessenpolitik treibt die Kosten in die Höhe - und schadet den Patienten.
Die Kassenbeiträge steigen, und die Versicherten nehmen es mit viel Resignation und wenig Empörung hin. Gesundheitspolitiker schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Die Diskussion um Kopfpauschale, Bürgerversicherung und Zusatzbeiträge ist so ermüdend wie undurchsichtig.
Nur wenige Mittel wären notwendig, um den Menschen zu mehr Gesundheit zu verhelfen - doch bezahlt wird auch viel Überflüssiges. (© Foto: ddp)
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Der Bürger wendet sich enttäuscht ab und zahlt. Ihren Krankenversicherungen bleiben die meisten Menschen länger treu als dem Partner. Dabei geht die neueste Preissteigerung der Gesundheitspolitik in mehrfacher Hinsicht auf Kosten der Versicherten.
Seit Jahrzehnten wird es für ein Naturgesetz gehalten, dass die Medizin immer teurer werden muss. Diese Grundannahme ist falsch. Ständig betonen Gesundheitspolitiker aller Couleur, dass Medizin deshalb immer mehr kostet, weil die Menschen immer älter werden.
Das ist Unsinn. Mehr als 80 Prozent der medizinischen Ausgaben für einen Menschen entstehen im Jahr vor seinem Tod - egal, ob das Ende mit 40, 80 oder 100 Jahren kommt.
Menschen, die früh sterben, sind sogar teurer, denn um einen 50-Jährigen zu retten, wird mehr Aufwand betrieben, als um das Leben eines 95-Jährigen zu verlängern. Die jedes Jahr um drei Monate steigende Lebenserwartung erklärt also keineswegs die Kostenexplosion.
Marketing statt Forschung
Dass der medizinische Fortschritt die Medizin teurer macht, gehört ebenfalls zu den Grundannahmen im Gesundheitswesen. Ist das so? Seit Jahren scheitern die Gesundheitsminister daran, eine Positivliste einzuführen. Darauf wären ungefähr 1500 Medikamente verzeichnet, die nach Expertenmeinung für die Behandlung im Krankenhaus reichen würden.
Ein niedergelassener Internist käme demnach mit 500 Mitteln aus, ein Hausarzt mit 150. Nur diese Arzneimittel sind nötig und sollten erstattet werden. Nicht allein um Kosten zu sparen, sondern vor allem zum Segen der Patienten - denn die Liste enthält nur, was tatsächlich hilfreich und nützlich ist.
Die hiesigen Pharmaunternehmen geben den Großteil ihres Etats für Marketing aus, nicht für Forschung. Viele angebliche Innovationen sind Me-too-Präparate - Nachahmermittel, die nicht besser, sondern nur teurer sind als ihre Vorgänger. Auf den Markt kommen sie dennoch.
Erst nachträglich kann ein Medikamenten-TÜV den Nutzen in Frage stellen. Eine der ersten Handlungen der neuen Regierungskoalition bestand darin, den pharmakritischen Chef des Prüf-Instituts aus dem Amt zu drängen, mit zweifelhafter Begründung.
Doch alle Gesundheitsminister von Seehofer bis Schmidt knickten ein, wenn Pharma-Lobbyisten drohten, dass Tausende Arbeitsplätze verlorengehen könnten, wenn die internationalen Arzneimittelhersteller ihre Produktionsstätten verlagern.
Deshalb gibt es auch mehr als 50.000 Präparate. Nirgends steht, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung den Profitinteressen einer Branche untergeordnet werden muss.
Auf Seite 2: Wo die Kassen noch einsparen könnten - und warum das nicht geschieht.
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Gysi gegen Lafontaine
Werte @pira 26,
habe manchesmal den Eindruck, dass Ihre Kenntnisse bezüglich
ihrer Aussagen mit Verlaub mehr als mangelhaft sind. Es wäre besser, ehe Sie Kommentare schreiben sich intensiver und fundierter
sachkundig zu machen. Dürfte bei Ihrer Intelligenz sicher nicht
schwer fallen. Danke .
...genauso wie die Lottogesellschaften oder die Rundfunkgebühren.
Es wird immer klarer: Niemand der politisch und unternehmerisch Verantwortlichen will ein ökonomisch sinnvolles Gesundheitswesen !
Stattdessen ist es zu einem Selbstbedienungsladen verkommen:
-niedergelassene Äzte nähern sich der 200.000 Euro Verdienstgrenze
-Apotheker tragen Pillenschachteln von Schublade zur Theke und verdienen damit 120.000 Euro
-selbst Generika sind (im Durchschnitt) um den Faktor 10-30(!) überteuert
-Ambulanzen der Krankenhäuser: teuer bezahlt, stehen fast leer sind aber für Patienten ohne Einweisung im Direktzugang (mit kleinen Erkrankungen) tabu
-jede einfache Form von Wettbewerb z.B. Werbung wird kategorisch verboten (z.B. Zahnärzte werben mit Preisen für ihren Kronen in der Zeitung/Internet ? DAS wäre natürlich ein Sakrileg (lol)).
-Onlineapotheken: (fast) verboten
-(echte) Polikliniken: (faktisch) verboten
-Medikamentenimport: verboten
-...
Eine weitere pikante Entwicklung ist die PKV. Durch die permanenten Niedrigzinsen werfen deren Rücklagen unerwartet wenig Geld ab (wie bei den Kapital-LV) und die Gesellschaften geraten immer mehr in Finanznot. Ergebnis: Die GKV muss mit Beitragserhöhungen der PKV (natürlich indirekt) beispringen.
Das auch (viele) Patienten das System schamlos ausnutzen, ist ebenfalls nicht zu bestreiten. Aber: Auch das wird von keinem Verantwortlichen kritisiert. Ganz im Gegenteil: Jeder hypochondrische CheckUp Fanatiker ist Politik und Wirtschaft in Wahrheit hochwillkommen.
Die Höhe der Fallpauschale richtet sich nach der Diagnose und das ist genau der Haken. Die Diagnosen haben sich auf Wunsch einiger Krankenkassen so geändert, daß mit Hilfe von Codierkaskaden die wunderbare Brotvermehrung stattfindet.
Vor Weihnachten gab es zu diesem Artikel bei spiegel.de. Der Artikel hieß "Krankenkassen plündern Gesundheitsfonds".
Ich finde es daher immer wieder lustig, wenn ebenso unbedarfte wie oberflächliche Zeitgenossen Herrn Rösler Klientelpolitik unterstellen und nicht einmal merken, daß die Gauner unter der Regie von Frau Schmidt schon längst eingezogen sind. Aber der deutsche Michel hat sich schon immer gern für Schmuddelkampagnen einspannen lassen, weil ihm das selbständige Denken schwerfällt.
... ist das ein hervorragender Artikel, aber in meinen Augen wird das Grundproblem unseres Gesundheitssystems nicht einmal gestreift.
Das System ist doch so angelegt, dass es nur dann funktioniert, wenn es nur altruistisch handelnde Ärzte gibt, die die einzigen sind, die die Medizin verstehen und jedem der Patienten nur das an Heilmitteln und -verfahren zukommen lassen, das er dringend braucht, um schnell wieder gesund zu werden und dabei auch noch darauf achten, dass das dann auch das günstigste ist.
Aber mit dieser Aufgabe sind die Ärzte hoffnungslos überfordert, es gibt viel zu viele von ihnen und sie sind viel zu vielen Einflüssen von anderen Interessengruppen unterworfen.
Dann haben die Politiker diese Aufgabe an sich gerissen und sie scheitern genauso.
Das Schwierige an diesem System ist doch, dass es genau an der Grenze zwischen Profitstreben und Ethik arbeitet. Und da kommt einfach der wahre Kern des Menschen zum Vorschein. Jeder Patient will das Beste für sich ohne mehr dafür zu bezahlen, der Arzt will viel verdienen und die Pharmaindustrie arbeitet einfach nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung.
Leicht ist das für keinen.....
im Jahr 1991 gab es in Deutschland ca. 1300 gesetzliche Krankenkassen. Heute sind es ca. 300. 1991 betrug der Anteil, der durch Verwaltungskosten verursacht wurde 5%. Heute liegt er bei 18%. Seit 1991 haben sich also die Krankassen nicht mehr als verdreifacht und die Zahl der Kranken sicher auch nicht. Das einzige, was zugenommen hat, ist die kleinkarierte Regelungswut von Politikern aller möglichen Parteien, die zum Teil dazu führt, das die Verwaltung von irgendwelchen Zuzahlungen mehr Kosten verursacht, als sie Einnahmen bringt.
Ein weiteres Problem ist, das es ein Importverbot für Medikamente gibt und Niederlassungsbeschränkungen für Apotheken. Auch gibt es nach wie vor für verschreibungspflichtige Medikamente die überkommene Preisbindung. Also Null Wettbewerb. Die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente werden obendrein vom Gesundheitsministerium genehmigt.
Ich finde es daher immer wieder erheiternd, wenn Politiker über Preise meckern, die Sie zuvor selbst genehmigt haben.
Was den Herrn Sawitzki angeht, wollte ich Ihnen noch sagen, daß er mir nicht abgeht. Das Wirken dieses Mannes hat unter anderem dazu geführt, das die eine gesetzliche Krankasse ein Medikament bezahlt und die andere nicht. Und der Arzt vor der Verschreibung erst prüfen muss, welcher Krankenkasse man angehört, damit er weiss, was er verschreiben darf. Wobei er bestimmt nützlicheres zu tun hätte.
Paging