Die Europäische Union muss weitere 1,3 Milliarden Euro für die ausufernd teure Fusionsanlage aufbringen, die in Frankreich gebaut werden soll. Ziel des Reaktors ist es, aus der Verschmelzung von Wasserstoffatomen zu Helium Wärme zu erzeugen, die in Strom verwandelt wird.
Die Finanzierung des internationalen Forschungsreaktors Iter macht der EU große Schwierigkeiten. Nach einem neuen Vorschlag der polnischen EU-Ratspräsidentschaft, der der SZ vorliegt, sollen für das löchrige Iter-Budget die Fördermittel für andere Forschungsprojekte in den kommenden zwei Jahren womöglich um 660 Millionen Euro gekürzt werden.
Bild vergrößern
Schnitt durch den geplanten Fusionsreaktor Iter. Mit der kontrollierten Kernfusion von Wasserstoffatomen nach dem Vorbild der Sonne wollen die Ingenieure eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle erschließen. Das Fusionsplasma (pink) kann mehrere Millionen Grad heiß werden und soll dem Reaktor seine Nutzenergie liefern. (© dpa)
Anzeige
Das EU-Parlament hingegen hatte sich vor zwei Wochen strikt dagegen ausgesprochen, den Forschungsetat zugunsten der Fusionsanlage zu kürzen. Dieser Konflikt könnte nun sogar den Zeitplan der Gespräche über den EU-Haushalt 2012 verzögern. Gegner des Iter-Projekts fordern ein Moratorium für den riesigen Experimentalreaktor. Die Bundesregierung hat aber immer wieder ihre Unterstützung für die Anlage bekräftigt.
Der Reaktor soll im südfranzösischen Cadarache gebaut werden und frühestens 2020 seinen Forschungsbetrieb aufnehmen. Ziel ist es, aus der Fusion von Wasserstoffatomen zu Helium Wärme zu erzeugen, die in Strom verwandelt wird. Die Kostensteigerungen des Iter-Projekts sind jedoch enorm.
Ursprünglich waren die Baukosten von Iter auf 2,7 Milliarden Euro taxiert worden, nun ist die Rede von 7,2 Milliarden Euro. Für den europäischen Anteil von 45 Prozent sind deshalb zusätzliche 1,3 Milliarden Euro fällig - und die Zusage soll bis zum nächsten Treffen des Iter-Rats am 18. November vorliegen, sonst drohen internen Dokumenten zufolge weitere Kostensteigerungen.
All diese Probleme sind seit zwei Jahren bekannt. "Dass es noch nichts Neues gibt, ist der eigentliche Skandal", sagt Sylvia Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete der Grünen. "Bei diesem Projekt ist alles falsch: eine Kostenexplosion, Intransparenz und Probleme mit dem Zeitplan." Ihre Fraktion hat darum bereits Ende Juni 2011 im Bundestag den Antrag gestellt, Deutschland solle für ein Moratorium eintreten. Am heutigen Mittwoch befasst sich der zuständige Ausschuss für Bildung und Forschung damit. Zuvor hat der ebenfalls befragte Haushaltsausschuss den Antrag bereits mit der Koalitionsmehrheit abgelehnt.
Die Entscheidung fällt ohnehin eher in Brüssel. Dort hatte die Kommission im April vorgeschlagen, 460 Millionen Euro aus dem Etat der Rubrik 1a für Iter umzuwidmen. Dieser Haushaltstitel soll die "Wettbewerbsfähigkeit für Wachstum und Beschäftigung" fördern; sein größter Posten ist der Forschungsrahmenplan 7, er macht im Jahr 2011 immerhin 8,6 der 11,6 Milliarden Euro des Titels aus. Das restliche Geld für Iter soll aus übriggebliebenen Mitteln für die Verwaltung (190 Millionen Euro) und aus dem Landwirtschaftstopf kommen (650 Millionen Euro).
Der Vorschlag der Ratspräsidentschaft verteilt die Gewichte nun anders: Weitere 200 Millionen Euro sollen aus dem Forschungstopf abgezweigt, und der Agrar-Bereich um die entsprechende Summe geschont werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Fusionsreaktor RSS
Gysi gegen Lafontaine
Ja die Asse. Ein Bergwerk das politisch als Endlager für mittelradioaktive Stoffe deklariert wird. Die Veruracher (u.a. auch Medizin und Forschung!) haben für die Einlagerung ihrer Fässer bezahlt. Alles rechtens. Wieso also den Verursachern ans Bein pissen? Verbockt hats der Staat. Sämtliche Beschwerden sind also an diese Adresse zu richten und nicht an die Müllabfuhr.
Ja, zumindest mit dem 3 Seiten Papier, allerdings fresse ich mich gerade noch den Welt Artikel, der auch recht interessant scheint. Es sieht so aus als hätte @freebird die kumulierten Kosten mit den jährlichen Kosten verwechselt, aber das sei nur am Rande erwähnt. Ja, es gibt unterschiedliche Sehweisen auf die Kostenfrage bzw. Subventionsfrage, je nach dem wer das Papier erstellt ;-) Das Stichwort "Asse" passt dazu gut in die Diskussion, die Sanierung kostet 2 Mrd. (Schätzung) die EVU müssen dazu nichts beitragen, weil der Staat letztendlich geschlampt hat, also bleibt es beim Steuerzahler hängen obwohl die EVU sicherlich behaupten würden, es sei keine Subvention. Sie verstehen was ich meine...
Also drastische Kürzung von PV Subventionen bin ich sofort dabei, wenn davon etwas in Förderung von Netzausbau und Speichertechnolgie (hier besonders Methanisierung) gesteckt wird.
nun @Balldieb, schon durch mit der zugegeben nicht leichten Kost?
"Ursprünglich waren die Baukosten von Iter auf 2,7 Milliarden Euro taxiert worden, nun ist die Rede von 7,2 Milliarden Euro. "
Die Furcht der Planer vor der Projekteinstellung ist der wesentliche Grund, warum immer wieder bei Großprojekten Kosten zu positiv geschätzt und Risiken unterschätzt werden. Realisieren sich dann die Risiken, so werden diese nur zögerlich zugegeben.
Deswegen: tröstet Euch damit, daß es noch viel teurer wird. Angesichts der ohnehin zweifelhaften Technik wäre die richtige Reaktion: BEERDIGEN.
Wir diskutieren da doch gerade aneinander vorbei: Ich habe lediglich die 46 Mrd. pro Jahr von @freebird angezweifelt. Ich zieh mir ihr PDF aber trotzdem rein ;-))
Paging